Kabelsalbader: Brauseboys - Westfalen - Wochen
Kabelsalbader vom 11. Oktober 2006
Liebe Leserin, lieber Leser,
die B.Z. titelte gestern: "Der Freak zuendet die Bombe". Gemeint war der Geliebte Fuehrer Kim Jong-Il. Ist das denn so? Ist jemand wie Kim Jong-Il jetzt ein Freak? Und was ist ein Freak ueberhaupt? Die allwissende Muellhalde Wikipedia referiert dazu: "Ein Freak (sprich: [fri:k]) ist umgangssprachlich eine Person, die eine bestimme Sache, zum Beispiel ihr Hobby, ueber ein "normales" Mass hinaus betreibt, diese Sache zum Lebensinhalt macht oder sich zumindest mehr als andere darin auskennt oder auszukennen glaubt. Ein Freak kann auch eine bestimmte, zumeist unangepasste oder flippige Lebensweise verkoerpern. Das dazugehoerige Adjektiv ist freakig, weit verbreitet ist auch freaky." Und, so schwer es uns faellt, da muessen wir der B.Z. ja doch einmal Recht geben. Denn das Hobby Atombombenbauen betreibt der Sohn des "Ewigen Praesidenten" ja tatsaechlich ueber ein "normales" Mass hinaus, fast hat man den Eindruck, er macht das zu seinem "Lebensinhalt". Und wenn ueberhaupt jemand auf dieser grossen weiten Welt eine "unangepasste", ja sogar "flippige" Lebensweise fuehrt - wer, wenn nicht Kim Jong-Il? Bleibt nur die Frage: Was sagen die "Jesus Freaks" dazu? Und was hat es zu bedeuten, dass Hawaii und Alaska in den USA als die "Freak-Staaten" gelten. Bildet sich da etwa eine Achse der Freaks?
Einem Teil der Auflage dieses Kabelsalbaders ist eine Geschichte von unserem Kabelsalbaderabonnenten Eberhard Koehler beigefuegt, der ueber sein Leben als Kabelsalbaderleser berichtet. Sollte diese Geschichte in Ihrer Ausgabe des Kabelsalbaders nicht enthalten sein, koennen Sie beim Kabelsalbaderversandhaus eine neue Ausgabe des Kabelsalbaders bestellen.
Freaky Gruesse von der Kabelsalbader-Redaktion
Inhalt:
- Westfalen-Wochen bei den Brauseboys (jeden Do im Oktober, Laine-Art)
- Gundermann-Party (Sa 14.10. Kulturhaus Peter Edel)
- Der Fruehschoppen im Oktober (jeden So Schlot)
- Kantinenlesen im Oktober (jeden Sa Alte Kantine)
- Kabarettistischer Jaehresrueckblick: Vorverkauf
- Es salbadert wieder (Eberhard Koehler (c))
- Regelmaessige Veranstaltungen
Westfalen-Wochen bei den Brauseboys (jeden Do im Oktober, Laine-Art)
Was hat es auf sich mit Westfalen, diesem merkwuerdigen Landstrich irgendwo zwischen hollaendischer Grenze und niedersaechsischer Wueste, dass dort so viele Humoristen und Komiker herkommen? Goetz Alsmann, Andreas Scheffler, Sarah Schmidt und Wiglaf Droste, Juergen W. Moellemann und Ingo Oschmann, nicht zu vergessen natuerlich die Muenster-Tatorte. Und - auch die Brauseboys, jene Weddinger Lesebuehne, besteht in wesentlichen Teilen aus Westfalen, ja, man kann inzwischen sogar von einer buehneninternen westfaelischen Mehrheit sprechen, nachdem Quoten-Zoni Nils Heinrich nach Schwaben abgeschoben wurde (Robert Rescue: "Er konnte sich einfach nicht richtig integrieren, blieb eine stete Parallelgesellschaft"). Und so haben Hinark Husen (Recke, Nordwestfalen), Volker Surmann (Ascheloh bei Halle bei Bielefeld, Ostwestfalen) sowie Heiko Werning (Muenster, das Herz Westfalens) einen Monat lang weitere buehnenagile Westfalen eingeladen, um das Geheimnis ihrer Heimat in Liedern und Texten zu ergruenden. Ausserdem: Westfaelische Spezialitaeten wie "Himmel und Erde", "Leberbrot" und "Toettchen" fuer alle, dazu Korn, natuerlich "Echter Westfaelischer", sowie "Echter Guetersloher". Und natuerlich Robert Rescue und Frank Sorge.
Eintritt 3,- Euro
- 12.10.: Corinna Stegemann (taz-Wahrheit, Muenster) & Ekki Busch (Akkordeon, Muenster)
- 19.10.: Benedikt Eichhorn (Pigor, Coesfeld)
- 26.10. (rauchfrei): Sebastian Kraemer (Bad Oeynhausen, dieser bebaute Autobahnabschnitt zwischen A2 und A30)
jeden Do
21 Uhr Laine-Art
Liebenwalder Str. 39, Wedding
U6 Seestr. / U9 Nauener Platz
<http://www.brauseboys.de/>
Brauseboys unterwegs:
- 13.10. Trier, Neue Produktion
- 14.10. Landau/Pfalz, Reptilium, Terrarien- und Wuestenzoo
Gundermann-Party (Sa 14.10. Kulturhaus Peter Edel)
Mal zur Abwechslung eine externe Empfehlung der Kollegen vom Fruehschoppen: Unter dem Titel "Im Niemandsland" findet am 14.10. die alljaehrliche "Gundermann-Party" des "Gundermanns-Seilschaften e.V." zum Gedenken an den legendaeren Liedermacher statt. Waere der Titel etwas provokanter gewaehlt worden, also z. B.: "Tote DDR - Fluch oder Segen?", taete das der Werbewirksamkeit dieser Veranstaltung sicher ganz gut, denn so kommen bestimmt nur die eingefleischten Gundermann-Fans. Aber fuer die ist der Abend ja auch gedacht.
Es gibt Auftritte von: atremani, Jan Nitsche & Band, es gibt den Regisseur Peter Rocha mit seinem Film "Die Schmerzen der Lausitz" und eine Diskussion zum Thema "Im Osten was Neues?" mit Daniela Dahn und Rainer Land. Es gibt da auch zu essen und zu trinken, und sicher gibt es ganz viel Gundermann-Musik in zwei Saelen.
Eintritt: 10.- / 8.- Euro
Sa 14.10.
18 Uhr Kulturhaus Peter Edel
Berliner Allee 125, Weissensee
Tram M4/M13, zurueck faehrt der Nachtbus N54
Der Fruehschoppen im Oktober (jeden So Schlot)
Das Motto im Oktober: "Ausdruckstanz ist keine Loesung." Das haetten wir Hans Duschke, Horst Evers, Hinark Husen, Andreas Scheffler, Sarah Schmidt und Juergen Witte allerdings auch vorher sagen koennen.
Eintritt frei - Spenden erwuenscht!
jeden So
13 Uhr Schlot
Edisonhoefe, Chausseestr. 18, Mitte
U6 Zinnowitzer Str.
<http://www.der-fruehschoppen.de/>
Kantinenlesen im Oktober (jeden Sa Alte Kantine)
Das Gipfeltreffen der Berliner Lesebuehnen, moderiert von Dan Richter.
- 14.10.06: Jochen Schmidt (Chaussee der Enthusiasten), Michael Ebeling (LSD - Liebe Statt Drogen), Robert Naumann (Chaussee der Enthusiasten), Robert Weber (Surfpoeten), Uli Hannemann (Reformbuehne Heim und Welt)
- 21.10.06: Uli Hannemann (Reformbuehne Heim und Welt), Volker Struebing (LSD - Liebe Statt Drogen), Spezialgaeste: Rupprecht Mayer, Alex Tornado
- 28.10.06: Michael Ebeling (LSD - Liebe Statt Drogen), Bohni (Chaussee der Enthusiasten), Thilo Bock (Marabuehne), Ivo & Sascha (Lokalrunde), Heiko Werning (Brauseboys)
Eintritt 5,- Euro
jeden Sa
20 Uhr Alte Kantine
Kulturbrauerei, Prenzlauer Berg
U2 Eberswalder Str.
<http://www.kantinenlesen.de/>
Kabarettistischer Jaehresrueckblick: Vorverkauf
Fuer den Jaehresrueckblick der Herren Bjerg, Evers, Maurenbrecher, Heesch und Jungmann im Mehringhoftheater kann man ab jetzt Karten vorbestellen. (Klingt frueh, ist fuer die zeitig ausverkauften unter den Vorstellungen aber gar nicht so doof.)
Telefon: 030 - 691 50 99.
Die Termine stehen hier:
<http://www.mehringhoftheater.de/endzeit.htm>
Es salbadert wieder (Eberhard Koehler (c))
"So, was fuer E-Mails ha'm wa denn heut'..." Es piepst, ich sehe erwartungsvoll hin: [Kabelsalbader] steht da - ach, es ist wieder soweit. Sanfte Neugierde kitzelt zwischen meinen Fingern und der Maus. Aber halt, jetzt erst mal den Mailmuell entsorgen. - Ich frage mich manchmal, was passiert waere, wenn ich all diese "Enlargement"-Offerten gekauft haette. Wenn ich den zusammengenommenen Versprechungen gefolgt waere, waere mein meistumworbenes Koerperteil dadurch wohl derart verlaengert worden, dass ich es inzwischen um meinen Hals wickeln koennte, und jede vernuenftige Freundin waere mir laengst weggelaufen ... ich betone allerdings "vernuenftige".
Also lieber doch weg mit dem Spam, der [Kabelsalbader] bleibt uebrig. Jetzt kommt natuerlich die Gewissensfrage: gleich lesen oder spaeter? Das Problem ist die Selbstueberlistung. Eben war ich noch voll Schaffensfreude, wild entschlossen, den Computer produktiv als Arbeitsgeraet zu beackern - aber nun spuere ich schon den verderbenden Sog des Salbaders, und nach kurzem verlustreichen Kampf mit dem inneren Schweinehund ist der Elan geschwunden und meine aktivitaetsspruehende Laune auf dumpfe Konsumierlust eines hoffentlich einigermassen mitreissenden Geschichtchens abgesunken. Oje.
Aber vorher faellt mir als geneigtem Leser wieder einmal so eine Art Markenzeichen auf: Der Kabelsalbader gehoert zu den wenigen deutschen Texten, die keine Umlaute verwenden. Aeusserst ungewohnt sehen dann besonders Woerter mit 'aeu' aus. Der einzige Mitstreiter auf diesem Gebiet ist ein guter Freund von mir, der momentan als Gastarbeiter in den USA sitzt und es irgendwann aufgegeben hat, den ihm dort vorgesetzten Rechnern Buchstaben mit Puenktchen abzuringen, oder ein Beta-Zeichen als Ersatz fuer das "Esszett". (Angesichts der Aehnlichkeit zwischen Beta, grossem 'B' und dem Esszett, hoerte ich ihn neulich zum Abschied "Tschueb" sagen, wonach er in der Steglitzer "Schlobstrabe" einkaufen wollte.)
Aber das sind nur Aeusserlichkeiten. Jetzt erstmal die Programmhinweise wegscrollen; die sind zwar eigentlich der Zweck der Sache, aber als muendiger Konsument uebergeht man die Werbung, siehe oben. Und wenn ich zu den Veranstaltungen gehe, dann meist spontan. Es ist fast immer ganz lustig, ausserdem sitzen meistens nette Frauen im Publikum, vielleicht sogar "vernuenftige" ... Das hat nicht nur Gutes: Geradezu wie Juckpulver wirkt es, im Gesichtsfeld eines solchen attraktiven Wesens zu sitzen. Guckt sie jetzt gerade in meine Richtung? Habe ich nicht schon zu oft hingesehen, und wie belaemmert war dabei mein Gesichtsausdruck? Bei diesen unwahrscheinlich wichtigen Ueberlegungen muss schon mal der Buehnenvortrag in den Hintergrund treten, aber was soll's. Ich gehe davon aus, dass der scheinwerfergeblendete und betonungskonzentrierte Vortragende sowieso sein allerwertestes Publikum hinter Mikrofon und Manuskript versteckt, so gut er kann. (Das gilt natuerlich nicht fuer solche Profis wie Dan, Volker und Heiko. Bitte legt den Baseballschlaeger wieder hin, Jungs!)
Diesmal aber lauert im Salbader die totale Enttaeuschung: NICHTS! Buchstaeblich N I C H T S ! Kein vergnuegliches Lesestueckchen versteckt sich vor den regelmaessigen Veranstaltungshinweisen. Selbst mit der Lupe finde ich in der leeren Zeile nur rotgruenblaue Puenktchen ohne Semantik. Eine Sauerei!
Meine Stirn runzelt sich, es erscheinen imaginaere dunkle Wolken ueber meinem Kopf, und nicht nur ueber meinem, sondern auch ueber den Koepfen der vielen, vielen Leser des Kabelsalbaders und, ploetzlich geschieht das Unglaubliche - das Universum wird inkonsistent! Fuer einen Moment hoert die Zeit auf, zu vergehen, aber niemand merkt es, denn dazu muesste man Zeit haben. Ein Kabelsalbader ohne Kurzgeschichte - das kann zwar mal vorkommen, aber nicht hier, nicht heute, und nicht in diesem Sternensystem! Knapp bevor sich deswegen alle herkoemmlichen Formen und Inhalte aufloesen, ehe schwarz zu weiss wird, Politiker zu anstaendigeren Menschen werden als ihre Waehler und 3 mal 3 Donnerstag ergibt, da - in dieser kritischen Un-Zeit entwirrt sich doch noch das Paradox. Es formiert sich eine neue, bessere Welt, nicht gleich im Grossen, aber immerhin in der kleinen Welt der Berliner Lesebuehnen.
Es veraendert sich die Realitaet, und zwar samt Vorgeschichte und allem, so dass auch die Erinnerung an das Fehlen der Kurzgeschichte und all die unangenehmen Begleitumstaende voellig nichtexistent wird. Ein Text erscheint auf dem Bildschirm und in allen Datenspeichern, Wort fuer Wort, Buchstabe fuer Buchstabe, er hat den Titel "Es salbadert wieder". Hier oben, ein paar Absaetze hoeher, beginnt er, schau nach, es stimmt alles! Gleich werden die letzten Worte entstanden sein, und niemand wird sich mehr erinnern koennen, dass die Geschichte eben noch nicht da war. Sogar einen Autor dazu wird es geben, der sie geschrieben und eingeschickt hat, zwar einer, von dem noch kein Mensch gehoert hat, aber egal! Und leider wird sich niemand ueber dieses kleine Wunder wundern koennen, denn alles wirkt ganz natuerlich. Voellig unspektakulaer laufen die Uhren weiter, Normalitaet herrscht, und nur die Verzweifeltsten unter den Menschen koennten davon enttaeuscht sein, sofern sie denn ueberhaupt etwas bemerkt haetten.
Und im letzten Moment erscheint schnell noch der Schlusssatz der Geschichte, eben noch das letzte Wort: - es ist erstaunlicherweise, unmotiviert und doch irgendwie romantisch, das Wort "Hoffnung" ...
Regelmaessige Veranstaltungen
Genaue Adressen, Mitwirkende, Webseiten etc.:
<http://www.kabelsalbader.de/>
Verantwortlich: Bov Bjerg, Daniela Boehle, Heiko Werning
Kabelsalbader mailing list
Kabelsalbader@board.otauni.de
https://board.otauni.de/mailman/listinfo/kabelsalbader