Theodor Honnung: Kackvogel des Monats
(Mißlungen)

Lieber Eckardt!
Noch gefällt es mir sehr gut, was Du schreibst. Immer
noch bist du genial und verkannt. Immer noch bewundere
ich Deinen Stil und Deine Dreistigkeit. Aber wieder
und wieder Rinser, Luise und der Ranicki, alte Männer
und das Wirtshaus-Glück, junge Mädchen und die Impo-
tenz, auf die Dauer ermüdet das nicht nur Dich, auch
mir reicht es bald.
Und dann Dein Streben nach der Weihe der großen Kunst,
die bitteren Klagen, nicht zu den "Etablierten" zu ge-
hören, Dein Verlangen, endlich Thema im Feuilleton zu
sein, das geht mir schon auf den Wecker. Das Koket-
tieren mit Sprachgewalt und Alkohol, mit Eichendorff
und Brahms Scheiß drauf! Auch Henscheid als Fortsetz-
ung und Vollendung verschiedenster Traditionslinien
- wenn´s denn sein soll...
Doch Dein sehnlicher Wunsch, Teil des seriösen Kunst-
und Literaturbetriebes zu nein - laß es sein. Mehr
Ruhm, mehr Geld und "seriöse" Bewunderer, ist es das?
Lieber Eckhardt, Du magst nicht mehr witzig sein, das
ist traurig - dann schweige doch still (Obwohl -
"Maria Schnee": träumerisch schön).
Noch eine, zum Schluß: Muß es denn wirklich sein,
jeden Scheiß zu veröffentlichen (Ich denke an "Stand-
ardsituationen", "Sudelblätter"...)? Nicht jeder Furz
ist Geld wert, auch wenn er von Herrn Henscheid
stammt. (So etwas muß normalerweise nur den Nachlaß-
verwaltern ans Herz gelegt werden.)
Theodor Honnung
P.S.: Die Zahl der IgnorantInnen, die Humor nicht
ernst nehmen können, wird auch nicht kleiner. Die Zahl
derer, die ein Werk an seinem Betroffenheitskoef-
fizienten messen, und die an sensibler Ansprache kein
Interesse haben. Die große Zahl der LeserInnen, für
die immer noch gilt: "Nur wo Kunst draufsteht, ist
auch Kunst drin." Willst Du die wirklich auch noch er-
reichen? Laß es sein...
