Andreas Scheffler: Machtlos

Wie hündisch abhängig und machtlos ist doch ein Kind, wenn die Mutter seine kleine Hand preßt und festhält, und es fleht und bittet, mal lustig, mal drängend verzweifelt, loszulassen, und die Mutter, die Augen verkniffen und die Kiefer angespannt, keine Notiz von ihm zu nehmen scheint, ihm aber durch schmerzhaften Druck der geschundenen Hand zu verstehen geben will, es möge schweigen, denn vereinzelt werden Passanten aufmerksam, und ein Student schaut verärgert schon herüber, als wolle er gleich weithin hörbar seine Meinung zu ihren Erziehungsmethoden verkünden; wenn dann das Kind aufschreit vor Schmerz, und die Mutter die Beherrschung verliert, in einer zuckenden Bewegung, für die Umstehenden kaum sichtbar, dem Kinde ins Gesicht schlägt, sich dann zu ihm herunterbeugt und etwas Drohendes flüstert, daß das Kind, unbemerkt mit den Tränen kämpfend, die winzigen Fäuste ballt, wenn es hernach, wenige Minuten später, sich an die Mutter schmiegt und sich offenbar heiter nach dem Abendbrot erkundigt.