Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge I
Folge I
von Test A.User ins Deutsche übertragen von Hans Duschke.

17.30 Mwana-Airport. Ich fühlte mich wie gerädert, noch von dem Lissabon-Einsatz her, aber es mußte wohl sein. Mein Auftrag war klar: ´Finden nie die Pflanze - die Aids besiegt´. Mein Ziel Mabuki, ein Kaff 70 km südöstlich. Die üblichen Besorgungen: ein Jeep, eine Zeitung, ein Bett.
Später in der Absteige: für einen Wucherpreis (15 Schilling) hatte ich mir ´Ngurumo: the leading swahili newspaper´ besorgt, und da war es dann: ´Mysteriöse Gesundheit in Mabuki!´ Na, wollen wir es hoffen! Darauf trinken wir einen! Pisswarmer Bommerlunder!
Am nächsten Morgen gab es kaum Probleme. Hertz konnte mir einen Käfer pumpen und ich machte mich auf den Weg. Drei Stunden Miombo-Woodland und Cotton-Plantagen - Trockenzeit, immerhin. Dafür reichlich Schlaglöcher. Und dann hatte ich einen Platten, hinten rechts. Ich kramte meine Lederhandschuhe raus und machte mich an die Arbeit. Es ging nicht ohne, denn: Gummi auf Haut, das gibt bei mir diese üblen Reaktionen: Bläschen, Ausschlag, Jucken u.s.w. An den Händen wäre es noch auszuhalten gewesen...
In flirrender Hitze kam endlich Mabuki in Sicht. Ein Nest, verpennt wie eine LPG in Thüringen! Eine Kreuzung, zwei Läden, drei Hunde. Das Haus vom Chief war leicht zu erkennen. Nur sein schmuckes Anwesen hatte vier Mülltonnen neben der Garage. Ganz wie Charlie es mir in Nairobi vertickt hatte. Ein Schild an der Tür: ´George Se´ita, Veneral desease´. Ich klingelte. Seine dritte Frau öffnete und bat mich hinein. Sie war eine echte Lady: schmal und hochbrüstig.
"Victor Orloff, Privatdetektiv. Ist George da?" - "George ist eben zur Tankstelle", hauchte sie, "er kommt bald zurück." - "Och, so eilig hab´ ich es gar nicht!" Wir schäkerten ein bisschen, aber da kam mir das verdammte Gummi in den Sinn - und da vergeht mir dann der Spaß.

Bald kam George. Er nah aus wie die Disco-Pächter auf Ibiza: ein feister, geiler Narziß. Ich wollte gleich loslegen, wie es denn wär´ mit der Wundermedizin, hier in Mabuki, aber Mr. Se´ita wollte erst mal einen trinken. Nun, mir sollte es recht nein. Wir zischten ein paar Lager, und ich bot ihm von meinen ´Karo´ an. Er schien zufrieden. So weit, so gut! Nun hieß es zur Sache kommen. "Sagen sie mal, Mr. Se´ita, wie sieht es denn hier aus mit ... Slimdesease?" - "Also wir in Mabuki haben da eigentlich keine Probleme mit." - Das hörte sich verdammt vielversprechend an; ich sagte mir: ´Jetzt mußt du diplomatisch vorgehen, Victor Orloff.´ "Und wie das?" ´Spucke aus!´ - "Immer nur Gummi, immer vergnügt!"

Dieser Mistkerl fing doch tatsächlich an zu singen! Das war zuviel! Ich hielt ihm meine 38er unter die Nase und sagte ganz ruhig: "Gib´s zu! Du Mistkerl! Rubber-International: was zahlen dir die Arschlöcher für dein Liedchen?"

Er wurde haselnussbleich und stottertet "Ja, ...ich geb es zu! Sie waren hier, letzte Woche! ´Wann Victor Orloff kommt´, haben sie gesagt, ´dann singst du ihm ein Liedchen vor ´. 20.000 haben sie mir versprochen, aber die Überweisung hab ich noch immer nicht bekommen."
Die Geschichte war klar! Hier gab es keine Wunderpflanze, hier gab es nur Rubber-International, und die hatten kein Interesse daran, daß ich meinen Auftrag erledigte. Schlecht für das Gummigeschäft! Und Sylvie Latex, ihre Spezialagentin, war wieder einmal schneller gewesen. Sie wußte von meinem Auftrag, von meiner Allergie! Sie kannte nur ein Ziel: mich, Victor Orloff, fertig zu machen.
Es war schon spät, als ich zurück nach Mwanza kam. Ich hockte mich in den ´Blue Comrade´ um zu vergessen. Der Whiskey ging auf Spesen, und hier am Victoriasee gab es für mich nichts mehr zu tun. Später dann, dunkel, ´Hendrix Nightbar´, ich sah nur noch schwarz.
Als ich um vier Uhr zurück in meine Absteige wankte, hatte der Nachtboy ein Telegramm für mich. Ich erbrach es und las: ´kontaktperson monsignore graziani - stop frühmesse - freitag - petersdom - vatikan stop´. Mein Auftraggeber: ´Rosapharm, Bad Schwartau´. Also gut, der Auftrag war noch nicht erledigt. Ich würde sie finden, wo sie auch sei: die Pflanze, die Aids besiegt.