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Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge II

Was bisher geschah

Folge II

John T. Chance

Zeichnungen von Kvara Bistroj

Als die 747 auf dem Aeroporto Ciampino landete, fühlte ich mich wie ausgekotzt. Fünf Stunden neben der Tragfläche und billiger Whiskey - mein Bommi-Vorrat war am Ende. Hoffentlich war wenigstens meine ´Karo´-Lieferung eingetroffen, jedenfalls hatten es mir die Idioten von Rosapharm versprochen.

Vor dem Flughafen nahm ich mir ein Taxi, und der Fahrer brachte mich für 50.000 Lire zur Piazza Venetia. Erst mal mußte ich mir einen Platz zum Ablegen besorgen; Sylvie Latex. Ob sie mir immer noch auf der Spur war? Bei einem Kiosk am Vittorio Emanuele-Monument kaufte ich mir die ´Unita´ und machte mich dann auf den Weg.

Es war zehn, als ich endlich eine Absteige gefunden hatte. In dieser Jahreszeit war die Stadt voller Touristen, die den Papst besichtigen wollten.

´Pensione Solaria´ - daß ich nicht lache muffig und schal wie ein Puff in Nairobi. Aber immerhin: sie hatten Bommerlunder. Ich kramte mein letztes Päckchen ´Karo´, aus der Tasche und kippte mir einen hinter die Binde.

Freitag, fünf Uhr. Mein Kopf dröhnte wie eine Horex mit Verstopfung. Aber es mußte sein - schließlich gibt es noch so etwas wie Berufsehre.

Der Taxifahrer sah aus wie Heinz, ein Kneipier aus Diepholz: gutmütig, aber etwas dümmlich. Ich hatte den Eindruck, als lachte er über jeden Scheiß.

Zeichnungen von Kvara Bistroj

Später im Petersdom: Überfüllt mit Touristen, die sich hechelnd auf die Schnitzereien stürzten. Ich ließ sie links liegen und drängelte mich in Richtung Altar. Monsignore Graziani hielt die Predigt, hatte mir ein Priester gesteckt. 10.000 Lire. Ich ließ den ganzen Sermon über mich ergehen und beobachtete den Hansel: ein behäbiger, geiler Mönch, der vom Hochaltar den Frauen ins Dekollete glotzte. Kurz trafen sich unsere Blicke, er zwinkerte mir ungeschickt zu und fuhr dann mit der Predigt fort: "Ich aber sage euch: Tragt nicht euer Begehr in Gefilde, die der Herr euch verbietet. Auch der Heilige Stuhl gebietet, daß die päpstlichen Gärten nicht euch zur Lust geöffnet seien, auf daß ihr nicht in Versuchung geführet werdet; - ob im Stoff oder der Pflanze des Lebenslichts..."

Scheiß auf den Heiligen Stuhl. Das war es. Ich wühlte mich durch die Menge, besorgte mir eine Stange ´Nazionali´ meine ´Karo´-Lieferung war nicht gekommen - und legte mich erst mal auf´s Ohr.

Zeichnungen von Kvara Bistroj

Zwei Uhr. Vier Bommi´s auf die Leber und dann los. Der Eingang zu den päpstlichen Gärten war streng bewacht von zwölf Schweizergardisten. Ich ging die Mauer ein Stück in Richtung Norden und fand nach fünfzig Metern eine passende Stelle. Der Stein war bröckelig, und meine Füße fanden genügend Halt, mich hinüberzuschwingen. Platanenalleen, Rosen und anderes Grünzeug bedeckten eine riesige Fläche. Vorsichtig ging ich einige Schritte, da knackte knapp hinter mir ein Ast. Sofort lag die 38er in meiner Rechten und ich warf mich zur Seite. "Komm ganz vorsichtig raus, ich habe nämlich einen Krampf im Finger", raunte ich und stand ganz langsam auf.

Zeichnungen von Kvara Bistroj

"Steck die Wumme weg, ich bin´s", hörte ich eine vertraute Stimme; Jane Jackson, genannt Indiana Jane, legte mir ihre kräftigen Arme um den Hals.

"Keine Sorge, Victor", hauchte sie, "was ich suche, wird dich nicht interessieren."

"Spucks aus."

"Okay: Das Genforschungszentrum Homunculus Ltd. und die Zeugen Jehovas haben mich beauftragt, den Penisknochen Jesu zu finden. Nach neuesten Untersuchungen soll seine Anziehungskraft auf diese Abnormität zurückgehen. Unser Informant sagt, der Papst hält die Reliquie unter Verschluß."

Na ja, wenigstens kam sie mir nicht in die Quere. Stattdessen drängte sie sich mir entgegen und flüsterte mir Eindeutiges ins Ohr. Doch da mußte ich wieder ans Gummi denken, und schon verging es mir. Scheiß Allergie.

"Ich habe übrigens was Spaßiges entdeckt", grinste Indiana Jane. "An der Südmauer steht ein hübsches Cannabis-Feld. Der Papst stopft sein Pfeifchen auch nicht mit Weihrauch."

Verdammt. Das war es also. wieder nichts.

Ich machte, daß ich wegkam und telegraphierte sofort meinem Auftrageber.

In der Pension besorgte ich mir eine Einheit Bommerlunder und knallte mir einen. Der nächste Tag war ein Scheiß-Tag. Ich fühlte mich wie Scott am Südpol, als ich das Telegramm von Rosapharm, Bad Schwartau, entgegennahm: ´um 17.25 abflug nach port-auprince - haiti - treffen dort prof helsing iii - erwarten dringend bericht´.

Zeichnungen von Kvara Bistroj

Ich hatte mir verdammt vorgenommen, diese Pflanze zu finden, die Pflanze, die Aids besiegt. - Langsam wurde ich ungeduldig.

Zeichnungen von Kvara Bistroj

Fortsetzung folgt

Copyright: John T. Chance

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:10
erstellt von jero
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Vorrede
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Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge I
Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge II
Kvara Bistroj: Der Ausländer
Impressum
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