Hans Duschke: MehlbeutelIn des Monats

Ich bin ein alter Mann. Ich habe schon viel gesehen und erlebt. Und es gibt ZeitgenosseInnen, deren öffentliches Wirken ich seit langem mit großem Interesse verfolge. Eine davon ist "Brunhilde". Ob sie wirklich so heißt, weiß ich nicht. Brunhilde bleibt anonym.
Das erste Mal fiel sie mir mit ihrem Plakat "Vergewaltiger, wir kriegen euch" auf: Brunhilde posierte dort mit Hasskappe und Kalaschnikov. Jetzt hat unsere Mehlbeutelin wieder zugeschlagen, ihr neusten Werk, ein Aufkleber (Spuckie), wirbt wieder mit Bild (blutige Schere) und Text ("Wir kastrieren auch ohne Krankenschein") für direkte Aktion.
Zugegeben, ich war im Zweifel, ob diese spektakuläre Manifestation eines schwanzfixierten Verstandes ihr Werk sei, oder ob nicht arbeitslose Veterinärmediziner ihr Können anbieten wollten. Doch nein, ich habe mich entschieden: die "vagina dentata" war's.
Es ist, las könnte ich in ihr Hirn schauen: ICH habe den Beitrag geleistet zur Solidarisierung im Kampf gegen das Patriarchat. Und wie mulmig wird den verdammten Kerlen zumute sein. Angst und Alpträume werden sie heimsuchen, Angst vor mir und meinen Schwestern vom Frauen- und(!) Lesbenplenum.
Tatsächlich reagiere ich ein wenig anders, der alte Schwung ist hin. Die therapeutische Neugier geht mit mir durch, ins blaue. Ob Brunhilde sich vor Mäusen fürchtet, sich übergeben muß, wenn sie Blut sieht? Vegetarierin? Iro? Springerstiefel? Ob es, wenigstens theoretisch, möglich wäre, mit Ihr eine Diskussion zu führen?
Doch leider, Ich bin der einzige (Mann), der noch mit Ihr reden will. Die anderen haben sie längst abgehakt unbelehrbar - unverbesserlich. Nur ich bin noch fähig zu einer differenzierten Reaktion. An ihr trainiere ich meine Toleranz, es ist mir nicht egal, was sie sagt. Meine Fortschrittlichkeit treibt mich so weit, daß ich mir wünsche, von ihr ein Attest als 'Ausnahme' zu bekommen. Wie dumm. wie dumm.