Andreas Scheffler: Kopfstand
Der zynische Melancholiker
bemerkt auf einmal,
daß seine bereitliegenden Klingen
stumpf geworden,
und seine verträumten Augen
leuchten ins Endlose,
wenn er mit einem breiten Grinsen
durch die Umgegend gleitet.
Solch ein Gedicht
muß man eigentlich im Park schreiben.
-Und ich dachte schon,
mir wäre die Liebesthematik
ein für alle Mal
abhanden gekommen.
Was gibt es schon sonst noch für Zustände,
die die Mundwinkel
unvermittelt himmelwärts heben?
Klar: den Wahnsinn.
Dann aber definier mir erstmal
die Differenz zum Nu.
Der Nihilismus ist schließlich
auf lange Sicht
auch keine Perspektive
und hat in so 'nem Gedicht
eigentlich gar nichts verlorn.
Also fang jetzt nicht auch noch mit
Dialektik an
Sicher hat es auch etwas von Absturz,-
aber was ist gegen den freien Fall zu sagen,
wenn der Aufprall thematisch
im Orkus hängt.
Vom Alter schon gar nicht zu reden.
Ich hab noch ganz andere Reserven.
Grad jetzt
interessiert mich weit mehr,
daß die Katze im Hof
die gleichgrünen Augen hat;
und das
Sonnenschein-durch-Baum-Geblinke
rührt mich mehr an,
als das Leck in der Leitung am Klo.