Anna Riesol: Frau Z.

Wie es Frau Z. einmal schlecht ging
Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte Frau Z. einmal viele Sorgen. Diese drückten ihr heftig auf's Gemüt, so daß es ihr sehr schlecht ging.
Ein lieber Freund bemerkte dies und fragte sie, ob er ihr irgendwie helfen könne.
Frau Z. war gerührt. Sie lächelte freundlich, erklärte ihm dann jedoch: " Es ist ein sehr gutes Gefühl, liebe Freunde zu haben, die helfen, wenn es einem schlecht geht; und eben dieses gute Gefühl möchte ich auf keinen Fall auf's Spiel setzen, indem ich die Hilfe in Anspruch nehme".
Wie Frau Z. einen jungen Mann glücklich macht
Neulich wurde Frau Z. auf der Straße von einem jungen baskenbemützten Mann angesprochen.
Er hielt einen großen Block in der linken und einen Kugelschreiber in der rechten Hand. Diesen reichte er Frau Z. hin und bat sie, sich durch ihre Unterschrift der Forderung nach einer "Freilassung aller politischen Häftlinge auf den Philippinen" anzuschließen.
Frau Z. stutzte kurz und fragte dann, was er sich denn von dieser Unterschrift erhoffe. Hierauf erläuterte der junge Mann, daß man diese, zusammen mit vielen anderen dem Außenministerium vorlegen wolle, um demselben zu zeigen, daß die Bevölkerung hinsichtlich der Situation auf den Philippinen ungehalten sei, und es für die Regierung Zeit zum handeln wäre.
Frau Z. betrachtete den jungen Mann einen kurzen Moment, fand tatsächlich so etwas wie Wut hierüber in seinen Augen und unterschrieb dann auf dem Block, wohlwissend, dem jungen Mann hiermit eine große Freude gemacht zu haben.