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Selen Telesz: Kackvögel des Monats

Heute: Dr. Seltsam, Cluse Krings, Frank Fabel, Wiglaf Droste und Michael Stein oder Die höhnende Wochenschau

Ja, ja, ja, als hätte ich das nicht von vornherein gewußt! Der Alt- oder wohl besser Nostalgiekommunist Dr. Seltsam wäre wohl auch der erste seiner Art gewesen, der nicht einer gleichwohl verlockenden Versuchung wegen alle seine oralonanierend ausgeworfenen hehren Ideale und Moralbegriffe neu definieren könnte: Eine Theorie von der Realität des Geldwertes; Geben ohne gefragt zu werden und ohne Dank zu erwarten, das ist wahres Glück.

Politische Unterhaltung für alle, nämlich umsonst, hieß ihr oberstes Gebot. Und wie dankbar wir waren für jene Sonntagnachmittage unter Ähnlichgesinnten, für diese belanglosen Aufschrei wider der herrschenden Verdummung. JedeR, der/die Zeit hatte, durfte zusehen, mitmachen oder schimpfen.

Dann jedoch geschah es. Der berechtigte Beifall und kleine Veröffentlichungen ließen den permanent betroffenen Cluse Krings, unsern Banklehrling Dr. Seltsam, das Technikkind Frank Fabel, den Schimpfkarrieristen Wiglaf Droste und seinen Neuköllner Zögling Michael Stein den Blick nach oben richten.

Scheißegal. was man mal mit Stolz eingezogenem Bauch selbstbegaffend herausmonologisiert hatte. Das war dann eben anders gemeint, und wer daran zweifelt, verstehts halt nicht.

Ab jetzt wird Kabarett gemacht für linksneurotische Studienratsehepaare und autonome Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, RevolutionsschwaflerInnen aus gutem Hause und Alternativ-Yuppies, geschiedene Studierte und WissenschaftssenatorInnen. Die können eben erst am Sonntagabend (das war immer so) und zahlen gerne 10 Mark für ihr politisch flippiges Bewusstsein.

Drecksäcke vor die Säue !!!, fällt mir dazu nur ein. Wahrscheinlich werdet ihr jetzt wieder euer Guter-Mensch-Alibi runterseiern.

Das ist für den Schauplatz, damit der seine Miete...

Ihr Rülpsratten !!!, als wenn dem Schauplatz nicht auch geholfen wäre, wenn ihr eure egophile Ökonomie-Neurose ein Wiglaf zurückgesteint hättet und weiter nachmittags für 3 oder 5 Mark (wer kann, gibt mehr) spielen würdet.

So aber kann ich nur hoffen, daß die nächsten Wochenschauen vor leeren Rängen stattfinden oder ihr das zu erwartende Pack bald leid seid und zur alten Idee der Höhnenden Wochenschau zurückfindet.

Copyright: Selen Telesz

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero
Nummer 01
Titelbild
Vorrede
Siegfried Löwy: Berichte aus der Redaktion Bov Bjerg: Zwei Anekdoten, die DDR betreffen Selen Telesz: Kackvogel des Monats Dr. Hannes Jensen: Lebenshilfe Kvara Bistroj: Die Salbader.- Worterklärung Hans Duschke und Siegfried Löwy: MehlbeutelIn des Monats Hans Duschke: Die moralische Autorität des Schreiberlings Kvara Bistroj: Der kalte Arsch des Monats Siegfried Löwy: Fernsehn? Ich tu's! Siegfried Löwy: Juliette, der Marquis und das Ich Tristan von Sinnen: Abspann Johann Tobias Schmitt Heiß und Kalt Johann Tobias Schmitt Einer jener flauen Fortsetzungswitze Anna Riesol: Frau Z. Gerhard Richter: Konzentriertes Hineinschauen Hans Birger: Bürgerliche Erziehung Ciao Tsheskou: Über die Unberechenbarkeit unserer Feuerzeuge Andreas Scheffler: Müde
Kvara Bistroj: Der Ausländer
Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge III/2
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