Dr. Hannes Jensen: Lebenshilfe
Fragen Sie Dr. Hannes Jensen, Dipl. Psych.
Stefan B. (24) schreibt aus Berlin
Ich wende mich an Sie wegen eines Experiments, das ein sehr guter Freund von mir vor einiger Zeit mit seinem Gehirn unternahm. Er beschloss. sein Denken auf ein Thema zu konzentrieren und suchte nach dem Passenden. Zugleich wollte er der Jagd nach Geld und Macht eine Absage erteilen. So kam ihm die anarchistische Kraft der Sexualität in den Sinn. Wie allgemein bekannt ist Sex ein Lebensmittel. Wie oft und wie intensiv wir daran denken, ist sicherlich von Person zu Person und von Tag zu Tag unterschiedlich. Mein Freund nun nahm sich vor, sein Sexualleben - zumindest - gedanklich zu intensivieren. Er bemühte sich, ausschließlich an Sex zu denken und auch sein Handeln auf diesen, seinen selbstgewählten neuen Lebensmittelpunkt einzustellen: Nicht nur um zu sehen, welche Ergebnisse solch ein Experiment hervorbringen könnte, sondern auch um des erwarteten Lustgewinns willen. Später berichtete er mir von den Ergebnissen: Es schien ihm, als hätten seine Gedanken eine seltsame Macht, seine Umwelt tatsächlich zu verändern. Die Gespräche im Freundeskreis wurden unterhaltsamer, die Arbeitskonzentration ließ nach, sein Leben wurde angenehmer und freudiger - er lebte in einer "menschlichen Gesellschaft". Ob diese Veränderungen allerdings wirklich seinen Hirnströmen zuzuschreiben waren, oder ob nicht die veränderte Wahrnehmung ihm diese neue Welt nur vorgaukelte, wusste mein Freund nicht zu sagen. Es war ihm, ehrlich gesagt, auch egal. Jedenfalls fühlte er sich sauwohl und er zweifelte nicht daran, dass er das Richtige getan hatte. Er hatte jedoch, wie er zugab, nach einigen Wochen in der Konzentration nachgelassen und beklagte seine Schwäche, die dazu führte, dass er sich wieder in den alten. ihm mittlerweile verhassten Trott hatte zurückfallen lassen. Aber er beteuerte mir gegenüber seinen Willen, einen neuen Versuch zu wagen, und ruft alle Menschen, die guten Willen sind, auf es ihm gleichzutun. Soll ich ihm folgen?
Dr. Jensen antwortet
Nur zu!