Johann Tobias Schmitt: Einer jener flauen Fortsetzungswitze
Teil 1: Frau Meier bekommt Post.
Frau Meier, die ihrem Mann davongelaufen war, bekam eines Tages Post. Es handelte sich um einen Brief aus der Feder des Herrn Meier, welcher (der Brief) tatsächlich den Eindruck zu erwecken im Stande war, sein Verfasser stünde auf einer hohen Brücke, über seine bisherige Existenz reflektierend, abwägend Vor- und Nachteile des ins Auge gefaßten Sprunges. Frau Meier, längst davon abgekommen, sich um ihren Mann noch zu sorgen, untersuchte das Kuvert, entfernt mit möglichen Umständen, Unannehmlichkeiten rechnend. Doch der Brief war ordentlich gestempelt, dies außerdem in einer Stadt, von der Frau Meier bekannt war, daß sie über keine hohen Brücken verfügte, über keine einzige. Und im übrigen konnte ihr Mann sowieso schwimmen.
Teil 2: Herr Meier schreibt einen Brief.
Herr Meier, dem seine Frau davongelaufen war, ging eines Tages spazieren. Sein Weg führte ihn in einen Park, der von etlichen fließenden und stehenden Wassern durchzogen war. Um Wasserflöhe zu betrachten, blieb Herr Meier auf einem kleinen Brücklein stehen. Versunken ins eilige Zickzack der possierlichen Tierchen geriet er in Reflexion seiner bisherigen Existenz, bis er schließlich einen Augenblick lang gleichsam versteinerte, abwägend Vor- und Nachteile des ins Auge gefaßten Sprunges. Herr Meier nahm einen Briefbogen zur Hand, weiß der Himmel, woher er diesen hatte oder wieso er ihn bei sich trug; die Episoden, die das Leben schreibt, sind eben nicht immer ganz logisch - die Witze, die es erzählt, schon gar nicht. Jedenfalls verfaßte Herr Meier nun einen Brief. Als er ihn beendet hatte, steckte er ihn in einen Umschlag und bat einen Passanten, der ihm ehrlich genug auszusehen schien, das Schriftstück gegen Erstattung der Auslagen ordentlich zur Post zu geben.
(Variante, nicht ganz so lustig: Herr Meter geht nach den Worten "abwägend Vor- und Nachteile des endlich ins Auge gefaßten Sprunges" nach Hause und schreibt dort den Brief.)