Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge III/2
Victor Orloff, ein ehemaliger DDR-Bürger, der heute im Westen als Privatdetektiv arbeitet, wurde vom dem Bad Schwartauer Chemiekonzern Rosapharm beauftragt, ein natürliches Mittel gegen Aids zu finden. Orloffs persönliches Interesse an diesem Fall ist, motiviert durch eine Gummial1ergie, außerordentlich groß. Nach Abenteuern in Mabuki und Rom ist er jetzt auf Haiti dem Voodoo-Priester Kalul auf der Spur, welcher ein Ritual entwickelt haben soll, das gegen Aids immun macht. Allerdings setzt der Zauberer dieses Wissen nur zu einem kriminellen Mädchenhandel ein. Prof. Helsing, der Kalul dicht auf den Fersen war und auch Orloff informiert hatte wurde vom Voodoo-Stamm, den Kiouchou, grausam ermordet.
Folge III: Kalul - der tödliche Zauber (2.Teil)
von Jean Maurice Pelforth ins deutsche übersetzt von Horst Evers
Gerade 8 Stunden war es her, daß ich den grausam ermordeten Helsing gefunden hatte und nun lag ich bereits in einem Versteck in Sichtweite der heiligen Stätte der Kiouchou. Diese erwies sich als eine Waldlichtung auf der ein riesenhafter, Ludwig Erhard erschreckend ähnlich sehender, Götze über zwei Altären und einer weiten Steinplatte thronte.
Bei Einbruch der Nacht erschienen auch die Kiouchou. Zu einem monotonen Trommelschlag boten sie mir für die nächsten zwei Stunden ein ungeheures Schauspiel. Kreaturen, die in ihrer vollkommenen Ekstase anscheinend alles menschliche verloren hatten, warfen ihre Gliedmaßen zu allen Seiten, rieben die zuckenden, beinahe nackten Körper aneinander, bespritzten sich mit dem Blut frischgeschlachteter Hühner und gaben Laute ähnlich eines Husumer Kirchenchores von sich.
Plötzlich jedoch war alles still. Aus dem Nichts erschien eine riesige Gestalt mit weitem Umhang und einer dem Götzen nachempfundenen Maske.
KALUL !!!
Nach einer ewig anmutenden grausamen Stille setzten die Trommeln wieder ein. In ihrem Takt bewegten sich ungefähr 30 junge Mädchen in weißen Gewändern zu einem Erdloch neben Kalul. Nach dem letzten Mädchen veschwand auch der Zauberer und dann das Loch selbst; die Trommeln verstummten, aber nur um gleich wieder in den Tanztakt zu verfallen.
Ich hatte keine Zeit zu überlegen, was hier eigentlich geschah, ich wußte nur: Kalul würde nun das Ritual vorgehen, und wollte ich das Geheimnis erkunden, so mußte ich in die unterirdischen Gänge eindringen, und zwar...
In einem Sessel gefesselt kam ich wieder zu mir. Alles woran ich mich noch erinnerte war ein dumpfer Schlag. Nur mühsam nahm ich die Umgebung wahr. Ich befand mich in einem Raum voller elektronischer Geräte, vergleichbar mit der Kommandobrücke der Enterprise, nur das Käpt'n Kirk hier Kalul hieß.
Er stand direkt vor mir und an seiner Seite - Sonja, das junge Mädchen, welches mich noch gestern verführt hatte: mir war schwindelig.
"Hallo Victor !, ich hoffe unsere Abendvorstellung hat Ihnen gefallen. Unsere Wachposten beobachteten Sie natürlich schon seit Ihrem Eindringen. aber ich wollte Ihnen Ihr letztes Vergnügen unbeschwert lassen."
Ich verstand nichts, warum tat Kalul so vertraulich und diese Stimme, sie kam mir bekannt - war er...?
"Ja Victor, wir kennen uns gut, ich bin's, und so sehe ich ohne Maske aus."
Verdammt !, er war es. John Pauls, der skrupelloseste, gebräuchlichste, aber auch genialste Verbrecher, den ich kannte. Vor Ewigkeiten. wir, waren beide noch bei unseren ersten Arbeitgebern beschäftigt, hatten wir erstmals miteinander zu tun gehabt. Pauls Firma war es damals gelungen eine Spezies von Supermaulwürfen zu züchten. Die Biester konnten in kürzester Zeit Unmengen von Sand, aber auch Stein und Metall wegschaffen.
Pauls plante, sie unter unseren Garagen auszusetzen, um durch deren Einsturz dem verbal existierenden Sozialismus einen empfindlichen Schlag zu versetzen.
Glücklicherweise schlossen wir aber rechtzeitig ein Wirtschaftsabkommen mit der BRD ab, welches einigen Chemiekonzernen das Versickern von Abfällen auf beiden Seiten der Grenzanlagen erlaubte. Das überlebten die Maulwürfe nicht.
Noch in seiner Rede schaltete Kalul einen Monitor ein.

Die Firma kündigte Pauls nach dieser Panne, und da er nichts anderes gelernt hatte, wurde er ein größenwahnsinniger Schurke.
Sein letzter, mir bekannter Versuch mit einem riesigen atombetriebenen Tauchsieder den Nordpol zu schmelzen, um Billionen von den Küstenländern zu erpressen, scheiterte als noch in der Aufheizphase versehentlich ein russisches Atom-U-Boot in den Sieder schepperte.
"Nun Victor, hat meine Überraschung geklappt ?, ich wußte, Sie würden hier irgendwann auftauchen, und ich habe auch etwas für Sie vorbereitet. Vorher möchte ich ihnen aber noch zeigen, was Sie nicht mehr erleben: Meinen endgültigen Triumph über die Welt."
Auf dem Schirm erschien ein riesiges Laboratorium.
"Schauen Sie nur Victor, hier vollziehe ich das Ritual, das Aids besiegt." Ein geringschätziges Grinsen zog über Pauls Gesicht. "In einer simplen Operation lasse ich alle inneren Geschlechtsorgane mit einer praktisch nicht zu spürenden Gummihaut überziehen. Das tiefere Eindringen verhindert dann ein Ventil, das ist alles !!!" Pauls lachte.
Mein Marlowe, was mußten diese unschuldigen Mädchen leiden. Mein allergischer Anfall in der letzten Nacht erkklärte sich somit von selbst, auch Sonja hatte diese unmenschliche Prozedur über sich ergehen lassen müssen.
"Doch dies ist nur der finanzierende und damit geringste Teil meines eigentlichen Plans", fuhr Pauls fort. Das Bild des Monitors wechselte auf ein anderes noch größeres Laboratorium. "Hier nämlich hat ein von mir zusammengestelltes Team aus Medizinern, Chemikern und Biotechnikern den endgültigen Aids-Virus entwickelt. Endgültig, weil er durch einen einfachen Mückenstich übertragen werden kann." Die Bildführung wanderte nun zu einem gigantischen Glaskasten, in dem sich Unmengen von Mückenschwärmen tummelten.
"72 Stunden lang muß ich meine kleinen Lieblinge bei einer konstanten Raumtemperatur von 36,70°Celsius mit dem Virusextrakt versorgen, dann sind sie einsatzbereit", Pauls griente unerträglich, "und das wird in genau 153 Minuten soweit sein. Gleichzeitig macht sie ein weiterer zugesetzter Stoff extrem aggressiv gegen Menschen, was mir garantiert, daß fast jeder von ihnen angefallen wird, jeder bis auf jene, die über das von mir entwickelte Gegenmittel verfügen: ein Deodorant, das sie abschreckt.
Aber ich, ich allein bestimme, wer das Deo bekommt und wer nicht. Jedem, der mir den bedingungslosen Gehorsam verweigert, entziehe ich das Deo, was seinen sicheren Tod bedeutet." Pauls Augen funkelten bei diesen Worten, vollkommen entrückt hob er seine Stimme. "Durch dieses Deo werde ich nicht nur der Herr über die Welt, sondern auch Herr über Leben und Tod
ICH WERDE GOTT !!!
Keine Frage, er war verrückt, aber es half nichts, sein Plan war genial und perfekt, wie sollte ich ihn noch stoppen?
"Victor, alles was sie noch tun werden ist sterben. Wenn in 4 Stunden meine ersten Lieblinge in die Weit verstreut werden, hat sich ihr Schicksal bereits erfüllt." Wieder wechselte das Motiv des Monitors.
"Ich habe eigens für Sie eine vollkommene Gummi-Zelle anfertigen lassen. Alles in diesem Raum", Pauls wies auf den Schirm, "ist mit Vollgummi überzogen, und wenn sie gleich splitternackt von Sonja in diese Zelle geworfen werden, sitze ich hier, um mich an ihrem langsamen Allergietod zu erlaben."
Ich wurde kreidebleich. Dieses Schwein, diese Bestie, er würde es tatsächlich...
Unter Sonjas Befehl führten mich 4 Männer ab. Es erschien mir ewig bis wir an der Zelle waren, doch irgendwann hielten wir an. Einer der Männer öffnete eine Tür... da war dieser Raum: Gummi, nur Gummi,

eine Ohnmacht schien mich zu befallen - doch plötzlich, Schüsse !!, Schreie !!!, die vier Männer sanken kläglich stöhnend zu Boden. Sonja mußte sie in sekundenschnelle exekutiert haben.
"Schnell !". sie nahm mich am Arm, "wir müssen fort von hier." Ich verstand nichts mehr, wie gelähmt blieb ich stehen und flehte geistesabwesend um eine Erklärung. "Mein Gott !", Sonja war ärgerlich, "auch ich hasse Pauls. Was er mit mir gemacht hat, vergesse ich ihm nie. Als ich die gestrige Nacht mit dir verbrachte, spürte ich zum erstenmal so etwas wie Liebe und Wärme. Ich liebe dich. Ich will mit dir leben und nicht mit Pauls. Komm jetzt !!!!, überall im Lager sind Sprengladungen montiert, sie werden die Mücken vernichten, aber auch alles technische Gerät zerstören und Pauls töten. In 160 Sekunden fliegt hier alles in die Luft."
Wir rannten um unser Leben, durch Gänge, Gassen, Schächte, ständig tauchten Sicherungstrupps auf, aber Sonja fand immer einen Ersatzweg, und ich rannte ihr blind hinterher. Plötzlich standen wir im Freien, dennoch rannte Sonja weiter, Schüsse peitschten uns um die Ohren, die ersten Explosionen und Schreie waren zu hören, aber ich schaute mich nicht um, ich rannte nur, rannte...
Alles, was mir vorher so wichtig gewesen war, war nun egal: John Paula, der StaSi, Rosapharm. das Anti-Aids-Mittel; neben mir rannte eine Frau, die mich liebte und ich liebte sie, nur das zählte noch...
Vor einer lichten Anhöhe blieben wir stehen. Als wir zurückschauten, sahen wir einen riesigen Feuerberg. Ständig zuckten neue Explosionen durch den rotglühenden Pilz, nur sie übertönten kurz die Schreie und Sirenen, welche von dort durch die Nacht heulten. Längst hatten Rauchwolken den Himmel zusätzlich verschleiert. Dennoch konnte man erkennen, wie sich mühsam, aber doch in enormer Eile die Positionslichter eines Hubschraubers den Weg aus dem Chaos genau in unsere Richtung bahnten.
"Das ist Pauls Fluchthelikopter", Sonja war außer sich, "das Schwein darf nicht entkommen, ich muß...!!!!", noch ehe ich reagieren konnte, rannte sie auf die Lichtung und schoß wie von Sinnen auf das Luftgefährt ein. Dies warf nur eine Handgranate...
Bumm!!!
Entsetzt lief ich zu ihr, nahm ihren blutenden Körper in den Arm und fing einen letzten stummen Blick als Liebesbeweis auf, ehe sie ihre Augen für immer schloß. Ich zog ihr noch den Splitter aus der Schläfe; dann begrub ich sie und ging.
Es war schon weit nach Sonnenaufgang als ich die Stadt erreichte. Eilig holte ich meine Sachen aus der Pension. Es war auch ein Telegramm und ein Flugticket für mich da.
Bukarest!?!. Ich riß das Telegramm auf:
durch turbolente ereignisse hat sich spur in rumänien
ergeben stop erwarten dringend bericht stop
rosapharm bad schwartau
Nun ja, mir war's egal. Schnell besorgte ich zwei Flaschen Bommerlunder und bestellte ein Taxi. Schließlich gabs noch viel zu tun. Ich mußte das Mittel gegen Aids finden. Mochte es kosten, was es wollte, nur dauern durfte es nicht mehr lange, denn langsam verlor ich jede Geduld.
