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Vorrede

Ein Leserbrief als Vorrede*

"Vor ein paar Tagen wohnte ich einer Gesellschaft bei, worin das Gespräch durch die Erwähnung des Salbader. auf die Zeitschriften überhaupt gelenkt ward. Ein ernsthafter alter Mann verwarf sie durchaus und gänzlich. Er erklärte ihre Lesung für einen sündhaften Zeitvertreib, welcher mit den Komödien, Spielen, Bällen und anderen Lustbarkeiten in eine Klasse gehörte. Sie wäre eine Pest für die Jugend und, wenn es nach ihm ginge, verdienten sie ohne Unterschied, obgleich eine mehr als die andere, verbrannt oder sonst vertilgt zu werden.

Er erklärte sich folgendermaßen: 'Es haben schon viele vor mir angemerkt, daß die vermaledeiten Zeitschriften den Geschmack durchaus verderben. Das Abenteuerliche, das Unwahrscheinliche, das Kauderwelsche, das Matte, das Unflätige und Zotenmäßige herrscht in den meisten Heften, und wer noch nicht unsinnig ist, der kann durch dieselben recht methodisch verrückt werden. Wir Deutschen haben noch keine einzige Zeitschrift aufzuweisen, vonder man sagen könnte, daß sie den Geschmack mehr verbessere alsverderbe. Der Salbader. ist noch das beste Periodikum, undgleichwohl muß jemand einen männlichen und gesunden Geschmackbesitzen, der ihn ohne seinen Schaden lesen will.

Unsere geschäftigen Herren Salbader.-Redakteure vermehren noch die Anzahl der verabscheuungswürdigen Schriften. Was andere Autoren ausdunsten, solch unsinnige erdichtete Lebensbeschreibungen werden von ihnen begehrt.

Und die Erfahrung zeigt, daß diese Zeitschriften gewaltig gelesen werden. Die meisten Frauenzimmer, die lesen, verschwenden ihre Zeit mit den Magazinen. Ich will nicht einmal sagen, daß sie daraus zu buhlen und Hahnreie zu machen lernen, ich will nur sagen, daß sie ihren Geschmack verderben. Die Mannspersonen machen es übrigens nicht besser. Und so lange das unsinnige Vergnügen der Deutschen an den Schundblättern währt, so lange hat man nicht zu hoffen,..."

In diesem Sinne "Viel Vergnügen" wünscht

Die Reaktion.


*) nach Der Westphälische Beobachter: Das 71. Stück; Kleve 1756 und G. F. Meier: Untersuchung einiger Ursachen des verdorbenen Geschmacks der Deutschen; Halle 1746 kompiliert und aktualisiert von Hans Duschke.

Copyright: Salbader.-Redaktion

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero
Nummer 02
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Vorrede
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