Hans Duschke: Mehlbeutel des Monats
"Happy couples ain't no friend of mine", zu deutsch etwa: "Mit glücklichen Pärchen kann ich nichts anfangen." Joe Jackson hat schon vor zehn Jahren gesagt, was Sache ist.
Dabei fing es so harmlos an, auf dieser Party: ich dachte: 'Oh, Scheiße, die Beiden haben ihren Spaß, und ich muß mich in ernsthafte Gespräche flüchten.'
Aber das ist ja noch normal. Wochen später turteln die beiden immer noch unverständlich daher: Wir träumten voneinander/ und sind davon erwacht (Hebbel). Jetzt sagt er nicht mehr: "Alles in Ordnung, nur der Alltag macht Probleme" zur Begrüßung, jetzt hat er Illusionen, der Trottel: Er wird jetzt erst mal privateren, seine Liebe wird ihn retten!
Und das ist jetzt was Festes, und ich darf nicht mal ungestraft meine miesen Gedanken drüber ausschütten. Mit-freuen soll ich mich, solange die Liebe noch frisch ist, mein besseres Ich weiß es genau, und nur der innere Schweinehund, den ich so lieb gewonnen habe, singt das alte Ärzte-Lied: "Dreckig, feige und gemein, ja so muß ein Cowboy sein ...[eehoo]... das Böse siegt immer."
Feste Beziehungen, das eingespielte Team, sind ja sowieso ein Greuel und sollten verboten werden, doch dank Aids strahlt die spießige Zweierbeziehung, Keimzelle des Staats, heuchlerisches Lügengebilde, wie verjüngt im Kerzenschein. Und was hat das mit UNS zu tun, fragt er. Nichts!
Aus Neid versuche ich ihn zu retten - mit diesen kleinen Weisheiten, die mir so gut gelingen: Ich behaupte einfach: 'Liebe, das ist doch eine romantische Illusion. Schau mich an, ich hab' keine Gefühle, - ich hab' Launen, Charaktereigenschaften und Vorurteile und manchmal hab' ich meine Tage, aber ich hab' keine Gefühle - alle Menschen sind so, auch Du, Du Träumer.' Aber für solche Wahrheiten hat er natürlich kein Ohr (Hormonstörungen!). Der Mensch will betrogen sein, und notfalls besorgt er 's sich selbst.
Was soll's? Die beiden sind glücklich, was will man mehr? Und nach dem Happy-End wird abgeblend't.