Knut Knoll: Fernsehn? Ich tu's!
Heute: Liebling Kreuzberg
Also eigentlich kann man echt nich sagn, daß ich nu grade zuviel Fernsehn kucke, das wär ja wull ganz falsch ne. Ich mein, so echtgutte Sachen, die kuck ich, klar!, abba deshalb sitz ich doch nu nich den ganzen Tach vorrer Kiste.
Wassich kucke, daß sin' mehr so ausländische Filme, verstehste, nich so'n amärikonischen Särienscheiß, mehr so kritische Sachen, so mehr politisch ne. Ich mein, wassich total gut finde, dassecht Liebling Kreuzberg ne. Also wie der Krug, so mitte Fälle umgeht, daschon super. Das tolle dran is ja, daß das alles wie wirklich is, ich mein, das basiert alles auffen total realen Hintergrund, der faktischen Rechtslage eben ne. Dascha auch der eigentliche Sinn von diese Särie ne, das auch der absolut normale Bürger sieht, wasser so alles mit seine juristischen Möglichkeiten fürn Recht hat, ne, dasser eben weiß, die könn ein nich so einfach ausse Wohnung schmeissen, wasser macht wennsen beklaut habn, wier sich gegen ne Vergewaltigung wehrt oder wie man, wenn die Scheiße sowieso schon dampft, das derbe Urteil noch abbügelt und noch immer mehr lauter son Kram. Eben dies lehrreiche find ich so super!
Auch, daßdas der Jurek Becker, n richtiger Schriftsteller geschrieben hat is toll. Ich hab zwar noch nix von dem gelesen, abba der is echt angesehn, reich und berühmt. Obwohl, irgendwie will der jetzt wohl nich mehr so richtig weitamachen oder so. Er schreibt jetzt wiedern richtiges Buch sachta und hört deswegen mittem Fernsehn auf. Wahrscheinlich ärgert er sich, daß keina seine Superwortspiele mitkricht: Sie heißt Dollbein und das stimmt auch!!!, echt toll, abba keina merkts.
Trotzdem find ich das scheiße von dem Becker. Es is ja nich nur, weil ich seine Büchers sowieso nich lese, die lesen doch überhaupt nur'n ganz paar und wenn dies gelesn habn, darf ich da sowieso nix mehr zu denken. Abba selbst wenns ganz viele lesen würden, wärs auch verkehrt. weil dann isses wull zu volkstümlich und die wenigen, dies sonst lesen, lesens nich mehr, obwohl von die der Becker gerade will dasses lesen. Dassis vielleicht nich ganz einfach, abba so isses nu mal.
Viel schlimmer is sowieso, daß so Leute wie der Becker gar nich wissen. was sie anne Särie habn. Ich mein, was wolln die denn mit ihre Bücher, doch irgendwas sagen, was verändern und wenns nur im Kopp is ne. Das geht abba nu mitner Särie viel besser, als mit som blöden Buch. Ich mein dasso: Mal vorstellen, Brecht wär jetzt Becker (wobei Brecht heute sowieso Särien machen würde) und er wollte sein Gallilei schreibn, um damit irgendwie klarzumachen, wie sich die Wissenschaft vonner übrigen Menschheit abgelöst hat und wir deshalb die Atombombe kriechten, was Brecht schlecht findet. Dann könnte er als Becker doch einfach Manfred Krug in ein Fall mit eim varrückten Wissenschaftler vawickeln, der was ganz schlimmes erfindet, wasser aber nich darf und wasses, wies sich am Ende rausstellt in Japan sowieso schon gibt.
Schopenhauer würde einen schrecklichen Professor einführn, der ewig unnütze Prozesse anleiert, Böll könnte sich nen fettleibigen katholischen Pfarrer, der nachts inne Bordelle is und deshalb tachsüber alle betrügen muß, ausdenken und Rilke nen bässerwissrischen Literaturkritiker, der alle naselang wegen Belaidigung und Dumpfbaselei aufs Maul kriecht.
Gut und böse wär einfach viel klarer ausgemacht, die könnten sich dieses ganze Gefasel da drumrum span. Aber dies Gelaber macht wull ziemlich viel vonner Kunst aus, wenns nich überhaupt die eigentliche Literatur is. Deshalb muß der Becker jetzt wull son beknacktes Buch schreibn, weil das sons irgendwann keine richtige Kunst mehr is ne, obwohl ich ja Liebling Kreuzberg echt die tollste Kunst überhaupt finde.