Bov Bjerg: Aus Forschung und Wissenschaft
Der Blick zurück beim Kacken1
Eine repräsentative Umfrage des Institutes "Salbader puscht die Demoskopie" (SPD) führte unlängst zu dem trotz aller Voreingenommenheit2 doch überraschenden Ergebnis, daß 76,8% aller Deutschen3 nach der Darmentleerung sich noch einmal umschauen4, bevor sie durch Betätigen der Spülung Abschied von ihrem Produkt nehmen. Berlin (West) liegt dabei mit 83,3% nicht nur deutlich über dem Bundesdurchschnitt, sondern auch unangefochten auf Platz 1 in der Gruppe der Städte mit mehr als 500 000 Einwohnern5. Das sind Zahlen, die selbst hartgesottene Demoskopen betroffen machen6.
Der Erklärungen ist Legion, wobei sich die psychoanalytischen7, die soziologischen8 und die kulturphilosophischen9 Ansätze besonderer Beliebtheit erfreuen. Doch wollen wir uns jenseits aller Weltanschauung lieber an die Fakten halten: Da die sonst übliche Motivationsbefragung bei vorliegender Studie unterbleiben mußte. kann uns nur die begleitende Interdependenz-Forschung weiteren Aufschluß geben (s. Abb.1).
(Abb.1)
Die wichtigsten Ergebnisse im einzelnen:
- Die signifikanteste Interdependenz besteht zwischen der Umschau einer- und dem Besitz einer Verbleib-Toilette (VT)10 andrerseits. Nur 2% aller Umschauer besitzen keine VT. 91% davon erklären allerdings, früher im Besitz einer VT gewesen zu sein.
- Zwar besteht zwischen dem bloßen Besitz eines Microwellenherdes (MWH) und der Umschau kein nachweisbarer Zusammenhang. allerdings vergrößert der MWH-Besitz bei VT-Besitzern die Umschauwahrscheinlichkeit. Die Ursachen dieses Zusammenhangs sind noch weitgehend ungeklärt.
- Kein signifikante Interdependenz besteht auch zwischen der Verwendung umweltfreundlichen Toilettenpapiers (UTP) und der Umschau; allerdings steigt wiederum die bei faltend nachbereitenden Versuchspersonen ohnehin schon hohe Umschauwahrscheinlichkeit (88%) durch UTP-Gebrauch auf satte 94.8%.
Nach soviel trockener Wissenschaft wollen wir Ihnen die gelungene Zeichnung einer Leserin nicht vorenthalten (Abb.2)
(Abb.2)
Mögen auch die Produkte dieses Hinterns nicht unbeachtet bleiben.
1) d. i. im engen Sinne des Begriffs K.: "nach dem K."; jedoch fußt die Meinungs- bzw. Verhaltensforschung auf einer umfassenderen K.-Definition, weiche sämtliche Vor- und Nachbereitung des K.-Vorganges mit einschließt, sich also vom Betreten des K.-Raumes bis zu dessen Verlassen erstreckt (sog. Schwellen-Definition). Der Prozentsatz derer, die sich im Wortsinne "beim K." umblicken, dürfte gering sein.
2) vgl. Duschke, Hans: Lob des Vorurteils. In: Salbader 0/1989, Berlin, 1989.
3) Deutsche Staatsangehörige über 14 Jahre in der Bundesrepublik einschließlich Berlin (West). Eine entsprechend ausführliche Untersuchung für Ostberlin und die DDR, am 10. November 1989 begonnen und nach dem 18. März 1990 weiter verfeinert, wird in Kürze vorliegen.
4) "umschauen" meint hier wie auch der "Blick zurück" nicht die quasizwangsläufige Rückwendung des Oberkörpers und damit auch des Kopfes zum Behufe des Knöpfchendrückens (100% aller Druckknopfspülungstoilettenbenutzerinnen und -benutzer), sondern das bewußte oder auch instinktive Senken des Kopfes zur Erlangung eines visuelle-geruchlichen Gesamteindruckes
5) Platz 2: Stuttgart (78,2%).
6) Besonders bestürzend ist die extreme Ballung der "Umschauer" in der Neuköllner Leinestraße und im Gräfenberger Weg (Lichterfelde): 95,7 bzw. 96,1%.
7) Theorie von der Analphasenverhaftung (APV).
8) vgl. Legeweich et al.: Der Blick zurück als Ausdruck der Angst vor dem sozialen Abstieg. Berlin 1990 (unveröff. Typoskript).
9) vgl. Köttel, Katharina (Pseud.): Die Koprophilie der Deutschen. Rosenheim 1990.
10) eine VT ist definiert als "Toilette mit leicht muldiger, mindestens handtellergroßer horizontaler Fläche, welche die vorübergehende Aufnahme insbes. der festen Ausscheidungen des Toilettenbenutzers (TB) ermöglicht". Die in Rede stehende Fläche wird in der scherzhaften Ausdrucksweise der Fachleute im allgemeinen als "Seziertischchen" bezeichnet.