Dr. Hannes Jensen: Lebenshilfe
Fragen Sie Dr. Hannes Jensen, Dipl. Psych.
Barbara G. schreibt aus Bonn:
Sehr geehrter Herr Dr. Jensen,
in tiefster Verzweiflung wende ich mich an Sie. Ich weiß weder ein noch aus, denn ich mache mir furchtbare Sorgen um meinen Mann. Schon immer war er sehr beschäftigt und selten zu Haus, aber seit seinem großen Karriereschub vor nunmehr 16 Jahren ist er nur noch unterwegs - im Außendienst. Ich weiß: Er verträgt das Fliegen nicht, doch er spricht von Berufung und fühlt sich unentbehrlich. Heute in den USA, morgen in dem Sowjetland und übermorgen schon in Afrika. Manchmal glaube ich, einen Superhelden geheiratet zu haben, einen Behüter der Witwen und Waisen, Rächer der Enterbten. Aber was nützt mir das?
Doch dann bekam er im letzten Herbst seinen zweiten Herzinfarkt. Kaum aber fühlte er sich etwas besser, war er schon wieder unermüdlich auf den Beinen. Er sagte, der berufliche Erfolg gebe ihm recht, doch es zehrt ihn auf, ich weiß es, trotz der guten Ergebnisse.
Bei seinen Kollegen ist er beliebt, weil er verständnisvoll ist, doch zuhause schimpft er viel. Ich glaube, er hat Streit mit seinem Vorgesetzten, "dieser Dumpfbeutel", brummt er ständig vor sich hin.
Lieber Dr. Jensen, ich halte das nicht länger aus. Manchmal sehe ich den Sensenmann ums Haus schleichen. Helfen Sie meinem Mann und so auch mir. Nehmen Sie meinen Mann ins Gebet. Nach ihm kann niemand mehr kommen.
Dr. Jensen antwortet:
Liebe Frau G.
Nicht alle Menschen sind für den Weg des Irdischen geschaffen. Vielen liegt die Ewigkeit weit näher als die Gegenwart. Lassen Sie mich deshalb mit einem Kafka-Zitat antworten: »Daß unsere Aufgabe genau so groß ist wie unser Leben, gibt ihr einen Schein von Unendlichkeit.«
Seien Sie stark!