Tristan von Sinnen: Momente in Blau und Azur
Seitdem du fehlst, seit einem langen Tag
- und was noch einen weiteren, längeren dauert -
ist meiner lichten Augen Glanzbelag
von Schatten überschauert.
Ich dreh den Ring an meiner linken Hand
und saug mich fest am virtuellen Schimmer,
als schautest du, im Lächeln sehr galant,
von Kreuzberg in mein Zimmer.
Doch allzu kurz der Trug; gefährlich lockt
die mächtige Last der Liebe bei Entfernung.
Im Herz ein Pflock, der Magen aufgebockt
- neurotische Belehrung.
Die düstre Kämmerin Melancholie
gebiert aus Trübsal traurige Gespenster.
Im flauen Sonnenschein Schizophrenie
im schmutzverhangnen Fenster.
Hinaus! Die graue Stube drückt zu arg,
und Mitleid stampft die Wirbelsäule selber.
Zudem: Getretner Quark wird breit, nicht stark*
und wenn er gammelt, gelber.
Die Sonne freut sich, der Bürgersteig steigt,
der Frühling malt meistens die Bilder bunter.
Wenn mir jetzt noch jemand ein Grußwort geigt,
geht das Fieber herunter.
Das Leben kommt wieder, das Herz macht bumm!,
von den Nerven regt sich diese und jener,
der Leichtsinn tobt in der Leber herum
und im Schädel du, Lena.
*) von Goethe geklaut