Kvara Bistroj: Vier Anekdoten (II.)
An einem heißen Juli-Nachmittag ging Thomas Mann einmal ins Münchner Hofbräuhaus. Dort sah er seinen älteren Bruder Heinrich an einem der langen Tische sitzen, im Arm die Frau, die Thomas schon seit Wochen begehrte. Flugs holte er sich eine große Spezi und schüttete sie seinem Bruder von hinten in den Hemdkragen. Die beiden ungleichen Geschwister haben daraufhin monatelang kein Wort miteinander gesprochen.
Als Goethe einmal wieder die Charlotte von Stein zu betören versuchte, entfuhr ihm unversehens ein Wind. Frau von Stein entgegnete daraufhin sehr feinsinnig: "Druff jeschissen, mein lieber Geheimrat."
Viele glauben ja heute, der Venezianer Giacomo Casanova hätte in der Blüte seiner Mannesjahre jede Frau, die ihm vor die Flinte geriet, flachgelegt. Das ist aber keineswegs der Fall. Als er nämlich die Lisette von Perbant zu verführen suchten, erklärte ihm diese, sie habe schon vor Jahren von ihrer Cousine Victoire die Nachricht erhalten, der Casanova könne zwar schön reden und sei auch ein Fleißiger, aber kein Guter.
So mußte unser wackerer Herzensbrecher feststellen, daß ihn diese Frau ohnehin nicht im geringsten reizte.
An einem kalten Herbstnachmittag des Jahres 1965 in Schweden begab es sich, daß Uwe Seeler den blutjungen Franz Beckenbauer (17) zur Seite nahm und den grünen Jungen, um ihm vor seinem ersten Länderspiel die Nervosität zu nehmen, fragte, ob er denn stolz sei, für Deutschland zu spielen. Daraufhin sagte der aufgeweckte Jungstar rotzfrech: "Jo mei, schau mer mal."