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Kvara Bistroj: Drei Anekdoten (I.)

Illustrationen von Silja Zeese

Der Dachdeckermeister Paul Pott aus Bottrop hatte noch in den späten 70er Jahren sehr unter seinem Namen zu leiden. Obwohl er bei jeder Gelegenheit betonte: "Ich habe mit dem Völkermord in Kambodscha nichts zu tun: Ich bin Humanist", sah er sich doch einem nächtlichen Telefonterror übereifriger Friedensfreunde ausgesetzt. Daß es mittlerweile recht ruhig um ihn geworden ist, will Paul Pott jedoch auch nicht gefallen.

Der 83jährige Kellner Alfredo Rebello im katalanischen Städtchen Figueras erzählt noch heute gerne, wie im Jahre 1936 der spätere Sozialdemokrat Herbert Wehner mit der Kasse seines aufgeriebenen Regiments die Taverne »La Mosca« betreten habe. Zu ihm gesellte sich der amerikanische Journalist Earnest Hemingway. Instinktiv erkannte Herr Hemingway, daß Herr Wehner eine größere Menge Bargeld bei sich hatte, und überredete den Spanienkämpfer zu folgender Wette:

Sollte es Wehner gelingen, ihn unter den Tisch zu trinken, werde er auf der Stelle in die Kommunistische Partei eintreten und "zusammen mit der Thälmann-Brigarde" den Kampf gegen die Faschisten aufnehmen; im umgekehrten Falle aber möge ihm Wehner die prallgefüllte Kasse überlassen.

Daraufhin habe Alfredo große Mengen Brantweins heranschaffen müssen. Unter reger Anteilnahme der gesammten Bevölkerung zechten die beiden drei Tage und drei Nächte ohne ein Anzeichen der Erschöpfung. Am Morgen des vierten Tages aber, als es ans Bezahlen ging, erwies sich der Inhalt der Kasse als gerade ausreichend, die Zeche zu begleichen.

Mit Blick auf das zerronnene Gold stellte Hemingway fest, daß die Wette nunmehr für ihn gegenstandslos geworden sei, stand auf und verließ pfeilgeraden Schrittes das Lokal.

"Ich frage mich oft", so pflegt der Kellner Alfredo seine Geschichte zu beschließen, "was aus den beiden wohl geworden sein mag."

Auch der Fürst Bismarck kannte so manchen Literaten, unter diesen auch den ehemaligen Apotheker Theodor Fontane, mit dem er ab und an ein Glas Punsch auf die Schönheit der Mark Brandenburg leerte. Als an einem Abend aber die Wirtsfrau im Ratskeller ihnen beichten mußte, daß der Punsch nunmehr gänzlich ausgegangen sei, begnügten sich die beiden Zecher notgedrungen mit klarem Weizenkorn. Mit einem Mal sprang der alte Bismarck auf und rief: "Potzblitz! Der ist so gut, der könnte von mir sein!"

Copyright: Kvara Bistroj

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero
Nummer 03
Titelbild
Vorrede
Bov Bjerg: Berichte aus der Redaktion Bov Bjerg: Kackvogel der Saison: Gg. G. Siegfried Löwy: Zuspruch für Krenz Kvara Bistroj: Die Salbader.- Worterklärung Hans Duschke: Glotzen als Lustgewinn Kvara Bistroj: Drei Anekdoten (I.) Hans Duschke: Mehlbeutel des Monats Ciao Tsheskou: Über das Entwenden von Mercedessternen Hinnerk Casanova: Fernsehn? Ich tu´s!! Hans Duschke: Klaus, der Papst und die IRA Heinrich Muoth: Diegicht Hans Birger: Frühlingsgefühle Hans Birger: Wie´s so läuft Roland Oelfke: Hier geht es ums Verrecken Frantisek Depping: Sie schweigen Kvara Bistroj: Drei Anekdoten (II.) Heinrich Muoth: Von Vätern und Söhnen Tristan von Sinnen: Ein Kaffee zu zwein Andreas Scheffler: Haltlos
Kvara Bistroj: Der Ausländer
Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge V
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