Frantisek Depping: Sie schweigen
Sie sitzen sich gegenüber und schweigen schon seit Stunden. In ihren Augen liegt ein schwer deutbarer Glanz, und Iris in Iris spiegeln sich zahllose Reflexe gebrochenen Kerzenscheins.
- Welch traurige Blicke -, mag ein zufällig das Paar streifender Beobachter denken. Ja, sie halten einander an den Händen, streichen - zum Trost - hin und wieder über Handrücken und Fingerspitzen, sanft den Unterarm entlang. Von Zeit zu Zeit ein ruhiger Griff zum langsam sich leerenden Rotweinglas. Schauernd Schauende im Zigarettenlicht, und Ihre Augen schimmern feucht.
Sie schweigen bewegungslos saugende Blicke. Wie leidend leicht seitwärts geneigte Gesichter, scheinbar auf verzweifelter Suche nach Beistand.
Dabei möchten sie jubeln. Doch in diesem Moment ihrer jungen Liebe sind alle anderen ausgeschlossen. Kein bombastisches Wort, keine großen Gesten werden das Paar stören. Ihre Hände brauchen keine Übersetzungshilfe. Tausendfach vormals gesprochene Sätze können dieses Glück nicht fassen, das Glück welches in Bildern lebt, im Wellenschlag ihrer Blicke.