Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Hefte 05/1990 Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge VII
Artikelaktionen

Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge VII

Was bisher geschah:

Der ehemalige Stasi-Agent Victor Orloff arbeitet heute als Privatdetektiv für den Chemiegiganten Rosapharrn (Bad Schwartau). Sein Auftrag, ein natürliches Mittel gegen Aids zu finden, ist aufgrund seiner Gummiallergie noch zusätzlich motiviert. Nach Abenteuern in Afrika, Rom, Haiti (mit seinem Erzfeind Paula) und Rumänien kehrt er nach Bad Schwartau zurück, wo er seinen Chef, Klingbeil, in eindeutiger Situation mit seiner Gegenspielerin Sylvie Latex stellt. Er erschießt Klingbeil und flüchtet nach Gütersloh, wo er Zuflucht bei seinem alten Freund Dr. Klingbeil (nicht verwandt) sucht. Dieser hat ihn bereits erwartet und berichtet ihm von einer mysteriösen Pflanze auf Borneo. Erschöpft zieht Orloff sich zurück.

Folge VII: Mrs. T. - Die eiserne Hexe

von Jean Maurice Pelforth ins deutsche übersetzt von Horst Evers

Verdammt. Obwohl ich mich hundemüde fühlte, konnte ich einfach nicht einschlafen. Wie in Trance lag ich auf dem Bett, direkt über mir der stetig-quietschend kreisende Ventilator. Es war, als würde er in meinem Kopf kreisen. Ohne Pause wurden die seltsamsten Gedanken durch mein Gehirn geschoben.

Woher wußten Klingbeil und Indiana Jane von meinem Kommen? Warum arbeitete mein Ex-Chef mit Sylvie Latex zusammen? War es richtig ihn zu erschießen? Würden sie mich jagen? Aber alle diese Fragen waren eigentlich nur Backfischsorgen, verglichen mit meinem großen Problem. Würde ich endlich irgendein Zeugs gegen Aids finden? Hatte ich eine Chance ohne Rosapharm? War vielleicht Brent diese Chance? Könnte ich mit seiner Hilfe endlich wieder...

Vollkommen am Ende meiner geistigen und physischen Kräfte schlief ich doch noch irgendwann ein.

Mitten in der Nacht weckte mich das hysterische Kläffen der Nachbarstöle. Ich hatte die 38er schon angelegt, als mir jemand anderes die Arbeit abnahm. In der nächsten Sekunde hörte ich ein Poltern im Treppenhaus, noch ehe ich meine Hosen greifen konnte, flog die Tür auf, und Sylvie Latex stand im Zimmer. Der Lauf ihres Colts wies direkt auf meinen Unterleib und ihr Blick durchschoß meine Augen. Ohne es zu wollen, ließ ich die 38er fallen.

Zieh dich an. Ich hab versprochen, dich pünktlich zu deiner Verabredung zu bringen, zischte sie kühl.

Ihr herrliches Gesicht war von so leiblicher Strenge, daß ich sofort tat was sie sagte.

Ich kann mich gar nicht erinnern, eine Verabredung gehabt zu haben, versuchte ich die Situation zu lösen, aber Sylvie war ein echter Profi.

Nun eigentlich ist es auch weniger eine Verabredung als ein Termin, grinste sie, und nun beeil dich.

Sie hatte ihr schulterlanges Haar streng zurückgekämmt und mit einer breiten Spange pferdeschwanzähnlich zusammengesteckt. Der Filzhut war genauso schwarz wie der Trenchcoat, nur die grünen Augen funkelten hell. Wenn ich schon in Gras beißen muß, dann wenigstens durch die Hand einer solchen Frau, dachte ich, als sie meine Knarre einsteckte.

Sylvie führte mich zum Wagen. Der Fahrer sah aus wie Jürgen Sparwasser* und schien sichtlich stolz auf die geräumige Innenausstattung seiner Kutsche. Sylvie verband mir die Augen, dann ging es los. Wir waren wenigstens zwei Stunden unterwegs gewesen als der Wagen endlich hielt. Erst nachdem sie mich nochmals durch unzählige Gänge geführt hatte, nahm die Latex mir die Binde ab.

Wir standen vor einem langen Tisch, an welchem eine Reihe von fettleibigen, leidlich kopfhaarlosen Kerlen plaziert war, dessen Ende jedoch eine hausfrauengesichtige etwa 60jährige Lady zierte. Auf Sylvies Zeichen setzte ich mich auf einen der drei freien Stühle. Auch meine schöne Feindin nahm Platz.

Katzenfreundlich eröffnete die Alte das Gespräch. Guten Tag Victor, schön, daß Sie den Weg zu Rubber-International gefunden haben.

Nun, Sie haben mir ja so gut sie konnten dabei unter die Arme gegriffen, speichelte ich im selben Tonfall zurück, was wollen Sie von mir und wer sind Sie?

Die blöde Kuh lächelte wie ein Bulle beim Quittungsschreiben. Nun, wer ich bin, ist, denke ich, nicht so wichtig. Nennen Sie mich einfach Mrs T.. Wir alle hier repräsentieren Rubber-International, und Sie arbeiten, wenn auch ohne es zu wissen, schon eine ganze Weite für uns. Dummerweise hatten Sie sich gestern morgen entschlossen, einen unserer Firmenleiter, ihren Chef Herrn Klingbeil, zu erschliessen. Dies nun zwingt uns wiederum, unsere Personalpolitik zu überdenken.

Ich verstand nichts mehr. Wie kam die Alte, darauf, daß ich für sie arbeitete? War Klingbeil ein Verräter? Was meinte sie mit Personalpolitik überdenken?

Hören Sie gute Frau, wenn Sie mich umlegen wollen, dann tun Sie es gleich. Aber ersparen Sie mir um Apollos Willen ihr triumphales Gefasel von aufgegangenen und weiteren Plänen. Wir sind hier nicht bei James Bond.

Aber, aber, die frigide Ente setzte wieder ihr dämliches Grinsen auf, niemand will Sie umbringen Victor. Wir wollen Sie befördern. Sehen Sie, Rubber-International ist ein weltweiter Konzern. Glauben Sie etwa, wir könnten vom Gummi allein leben. Unsere Firmenkette ist größer als Sie denken, und Rosapharm gehört dazu.

Ich konnte nicht glauben, was ich hörte.

Heißt das etwa, ich habe für einen Teil ihres Konsortiums gearbeitet und bin deshalb vom anderen bekämpft worden.

Bekämpft ist ein zu hartes Wort. Konkurrenz belebt das Geschäft. Eine Regel, die wir auch weiterhin einhalten wollen. Wissen Sie, die Menschheit braucht Aids, sie muß vor etwas Angst haben können, und sie muß die Möglichkeit haben, gesellschaftlich anerkannt zu leiden. Unsere Firmen arbeiten seit langem an Mitteln gegen Aids, nichts was sofort heilt, nur etwas, das die Schmerzen lindert, das Siechtum verzögert. Darüberhinaus brauchen wir Vorsorgeeinrichtungen, Spezialkliniken und Rehabilitationszentren. Das ist es, was Geld bringt, Arbeitsplätze sichert, Zufriedenheit garantiert. Mit einem einfachen Mittel gegen Aids ist doch niemandem geholfen. Glauben Sie mir, vertrauen Sie da ruhig auf unsere langjährige Erfahrung aus der Krebsbekämpfung.

Wenn es aber nun tatsächlich ein schlichtes Naturheilmittel gäbe, so wäre dies für uns und die Menschheit fatal. Zumindest, wenn es in die falschen Hände geriete. Deshalb werden Sie im Anschluß mit Ihre Suche beginnen. Der Sieger bekommt eine verdammt gute Pension und lebenslang das Gegenmittel. Ich weiß wie sehr ihnen daran liegt. Der Verlierer...

Mrs T.s spöttisches Grinsen gefror zur Maske. Das also war das Geheimnis von Rosapharm. Mir war schlecht. Nur mechanisch konnte ich antworten.

Und was ist wenn ich mich weigere?

Dann haben Sie verloren. Mrs T.s Worte hatten nun etwas eisig kaltes. Sie haben keine Wahl Orloff, Sie werden für uns arbeiten. Und versuchen Sie bloß nicht Rubber-Intemational reinzulegen. Wir finden Sie überall. Dafür haben wir als Klingbeils Nachfolger extra einen Experten engagiert.

Sie hob Ihren Blick zur Tür. die sich im selben Moment öffnete. Eine Gestalt trat aus dem Halbdunkel auf mich zu. Es war John Pauls.

- Wird Orloff das Angebot annehmen? Kommt es zum Zweikampf mit Sylvie Latex? Wie verhält sich Victors Intimfeind Pauls? Wird Orloff nach Borneo reisen? Woher wußten Klingbeil und Indiana Jane von seinem Erscheinen in Gütersloh? Was war mit ihnen geschehen? -

Fortsetzung folgt


*) siehe auch Salbader 05/1990: Kvara Bistroj - Vier Anekdoten

Copyright: Horst Evers

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero

Powered by Plone CMS, the Open Source Content Management System

Diese Website erfüllt die folgenden Standards: