Vorrede*
Liebe Lesegesellschaft,
danke dir recht biedermännisch und herzlich für die Aufmerksamkeit, die du dem Salbader., unsrer deutschen Chronik, schenkst. Dein Tadel ist uns so lieb als das Lob eines seichten Kopfes, das den Geist mehr erniedrigt als erhebt. Nimm's uns aber nicht übel: Ganz sind wir mit deiner Kritik nicht zufrieden; du gehörst zur Schule des Anmerkers über die deutsche Literatur, das merken wir aus deinem Stile.
Hast recht: Unser Stil ist sehr ungleich-, aber, lieber Gott, unsre Laune ist's auch. Wüßtest du unsre Umstände, was wir täglich lesen, schreiben, leiden und kämpfen müssen und was es für ein mühsames Geschäft sei, ein periodisches Blatt ohne Gehülfen zu schreiben, so würdest du Nachsicht mit uns haben. Unser Geist arbeitet unter einem Aschenhaufen; wir sind zufrieden, wann hier und da eine Kohle glimmt. Indessen wollen wir uns bemühen, soviel es Kopf und Laune verstatten, deinen Beifall zu erringen: denn der Beifall der Biedermänner und -frauen ist achtungswert. Lebe wohl, liebe Lesegesellschaft, und beehre uns ferner mit deinem Beifall oder Tadel.
Die Redaktion.
*) Vorrede aus Christian Friedrich Daniel Schubart: Deutsche Chronik. Aus dem 65. Stück vom 10. November 1774. Gefunden, dem Salbader. auf den Leib geschrieben und grammatikalisch androgynisiert von Bov Bjerg.