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Andreas Scheffler: So nebenbei

Heinz ist unser Redaktionsfaktotum und muß überall seinen Senf dazugeben. Wenn er keine Ahnung hat, sagt er, dies Thema würde maßlos überschätzt und fängt an, stattdessen über Beziehungsprobleme und Schwachköpfe zu reden.

Neulich sprachen wir über Toleranz und so, und schon war Heinz zur Stelle:

Über Geschmack läßt sich ja nicht streiten, sagt man. Gerade beim Essen. Wenn nun der Hans Duschke gern scharf ißt und, wenn ich schon keine Luft mehr kriege, sich noch ordentlich Chili aufs Gemüse knallt, dann ist das zwar merkwürdig, aber: Wenn man's mag. Ich überleg ja schon lange, ob ich ihm nicht das Tütchen Cayenne-Pfeffer, das bei mir schon ewig rumsteht, schenken soll. Ich würd sagen: "Hier, Hans, is'n Geschenk. Reden wir nicht weiter drüber." Na ja, es wär vielleicht etwas läppisch, aber: Bevor's verkommt. Man soll ja keinen zu was zwingen. Ich zum Beispiel tu Ketchup drauf, wo ich will, und wer das unkultiviert findet, soll wegbleiben oder mich nicht einladen. Ich könnt auch den ganzen Tag in Pantoffeln rumlaufen, wenn ich wollte. Ich will auch, aber wenn ich die Leute in der U-Bahn sehe, wie die blöd gucken, dann hab ich schon keine Lust mehr, obwohl es denen doch egal sein könnte, ob ich nun Schlappen anhabe oder Halbschuhe. Aber irgendwie will man ja auch wieder nicht, daß den Leuten alles an einem egal ist. Obwohl das ja nun mehr auf Lob abzielt als auf Schimpfen.

Toleranz ist ja nur, solange man es aushält, und das ist bei jedem verschieden. Ist ja auch jeder anders aufgewachsen. Und alles hat seine Grenzen. Das hat dann auch nichts mehr mit Geschmack zu tun. Wenn zum Beispiel nun ein Trottel dem Fräulein, das ich schon seit Monaten umwerbe, ganz tölpelhaft den Hof macht, daß es eine Art hat und ganz unerträglich anzusehen ist, dann hat es dort keine Akzeptanz mehr, und ich muß ihn verwemmsen, daß er's läßt. Man soll sich nicht alles bieten lassen, find ich. Das beeinträchtigt die Lebensfreude, und wenn man den Burschen alles durchgehen läßt, dann setzt es bald Sodom und Ghomorra, oder so ähnlich. Ich streite mich auch manchmal gerne. Das ist auch so eine Form von Miteinander-Reden, was vollkommen aus der Mode gekommen ist. Früher war das anders. Wir hatten ja wirklich große Köpfe: Röntgen zum Beispiel, und Sauerbruch. Die haben noch miteinander geredet. Vielleicht nicht grad die zwei, aber egal. Ich sag auch immer, man sollte einfach mal Sätze in den Raum sprechen, oder Zitate. "Sehn sie sich das an, nun sehn sie sich das mal an: Seemannsjacke, Matrosenknöpfe und einen Admiralshut. Was denkt die denn wer sie ist? Neptuns Mutter? Höhö." Das war Captain Ramston In MÖRDER AHOI! - Toll. - Und schon kommt man wieder auf den Geschmack zu sprechen.

Illustrationen von Gästen der Feierlichkeiten im Haus von Seggern am 20.10.1990

Oder Worte, einfach Worte aufwerfen. Beispielsweise "Schwindsucht". Ich habe es einmal erlebt, daß jemand an einem Abend mindestens ein Dutzend mal "Schwindsucht" sagte, ohne Zusammenhang. Das war großartig. "Kautschuk" ist auch nicht schlecht, "Stoffwechsel" nicht ganz so, das Höchste ist immer noch "Rundfunk". In einem Kreis mit lauter "Rundfunk"-rufenden Menschen zu sitzen, ist ein Erlebnis. Was da für Gedankengänge ablaufen! Manche Worte aber müßten verboten werden. Neulich saß ich in einem Taxi, da wollte der Fahrer die ganze Zeit mit mir übers Ficken reden. Nun ist "ficken" ja eines der häßlichsten Worte überhaupt und liegt noch vor "kacken". Man kann ja denken, was man will, aber es muß doch nicht immer alles gleich thematisiert werden. Ich habe dann auch nichts dazu gesagt. Ich bin ja eigentlich sowieso davon ab. Und überhaupt gibt es nichts Schlimmeres, als Taxifahrer, die einen vollabern.

In der Redaktion habt ihr's ja auch dauernd mit Ficken und Kacken und so...

Da ist darin meistens der Punkt erreicht, wo wir Heinz zum Kopierer oder zur Druckerei schicken. Aber alles in allem verdanken wir ihm manchen Anstoß und manche Idee.

Copyright: Andreas Scheffler

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero
Nummer 06
Titelbild
Vorrede
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Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge VIII
Kvara Bistroj: Der Ausländer
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