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Andreas Scheffler: Duden, Deutsches Universalwörterbuch

Eine Rezension

Nieman kan mit gerten
kindes zuht beherten.
den man z'eren bringen mac,
dem ist ein wort als ein slac.

Walther von der Vogelweide

Hatte Konrad Duden - der Sage zufolge - sein Hauptwerk noch in einer Nacht heruntergeschrieben, in einem rauschähnlichen Zustand, weil ihn der damalige Apotheker Theodor Fontane wüst beschimpft hatte (siehe Salbader. 04/1990), so wird sich die Dudenredaktion unter der Leitung des grandiosen Günther Drosdowski über diesem Epos wohl eine Unzahl von Nächten um die Ohren geschlagen haben.

Auf mehr als fünfzehnhundert Seiten entfaltet sich die ganze Schönheit der Sprache, ihre "Ausdrucksfülle und Eindrucksvielfalt" (d. Verf.) und nicht zuletzt ihre heitere Ambiguität (, die:~, -en [(frz. ambiguité <) lat. ambiguitas] (bes. Fachspr.): Mehr-, Doppeldeutigkeit.)

Es ist den VerfasserInnen keinesfalls ein Floskeln nachzuweisen, wenn bereits im Vorwort versprochen wird: "Ganz bewußt stellt, sich das »Deutsche Universalwörterbuch« in den Dienst der Sprachkultur". Im Gegenteil: Auf jeder Seite sind allein die hehresten Beweggründe zu spüren. Mit Dankbarkeit verfolgt die Lesegesellschaft den expositorischen Teil; wie wir es von den Autorlnnen gewohnt sind: kurz und prägnant (< Adj.; -er, -este > [frz. prégnant < lat. praegnans (Gen.: praegnantis) = schwanger; trächtig; strotzend]: etw. in knapper Form genau treffend, darstellend).

Die Handlung gestaltet sich weitgehend retardierend und ist doch in ihrer Stringenz bestechend; die ganze Palette germanischer Sprachkunst entfaltet sich lebendigen Leibes vor unseren Augen, wobei die VerfasserInnen einen erstaunlichen Wortreichtum entwickeln. Doch bei aller Phantasie ist nichts dem Zufall überlassen. Folgerichtig gleitet das Geschehen von "a = a-Moll; 1Ar." über "furzen <sw.V.; hat [spätmhd. vurzen] (derb): eine Darmblähung [laut] entweichen lassen." und "stockkonservativ <Adj.> (ugs.): äußerst konservativ" bis hin zu "z.Z., z.Zt. = zur Zeit". Zu verspüren ist das stetige Bemühen, nichts auszulassen, in die Breite zu gehen; und gerade in den opulenten Teilen kommen die Freundinnen und Freunde des Zotigen voll zum Zuge. Auch hier ein ausgesuchtes Beispiel: "Schwein, *kein S., *S. haben, Schweinebacke, (...) Schweinegeld, Schweinegulasch, Schweinehackfleisch, Schweinehund, *der innere S., (...) Schweinepest, Schweinepriester, Schweinerei, (...) Schweinigel, Schweinigelei, schweinigeln, schweinisch, Schweinkram (...)"

Doch ebenso wie das Volkstümliche finden sich Ausführungen intellektuellster Brillianz. Philosophie (S. 946) und Soziologie (S. 1177) werden ebensowenig unterschlagen wie Asthetizismus (S. 105) und Pornologie (S. 962).

So liegt vor uns ein versammeltes Abbild bester Literatur. Dies Epos, längst ein Standardwerk, ist den edelsten Geistern Streitschrift und Gebetbuch zugleich. Und sollte der breitgreifenden Intellektualgegengesinnung beizukommen sein, so finden sich hier die wunderbarsten Mittel. getrost in den Kampf zu ziehen.

Zeichnung von Salbader.-Redaktion

Copyright: Andreas Scheffler

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero
Nummer 07
Titelbild
Vorrede
Andreas Scheffler: Und überhaupt Kvara Bistroj: Kalter Arsch Hans Duschke: Ein kurzer Blick in die Medien Bov Bjerg: Kackvogel des Monats Andreas Scheffler: Mehlbeutel des Monats Andreas Scheffler: Duden, Deutsches Universalwörterbuch Bova Bovsson - Konradottir: Das Räuspern Hans Duschke: Vier fast unverständliche Bemerkungen Jürgen Witte: Drei Gedichte Horst Evers: Eine Kriminalgeschichte Hans Duschke: Andrea E 338: Wer A sagt, mu? auch B sagen Andreas Scheffler: Offener Schlußakt
Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge IX
Kvara Bistroj: Der Ausländer
Was die anderen schreiben
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