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Bov Bjerg: Aufruf 1 (Brauchtumspflege)

Womit muntert Familie Schäuble den Herrn
Papa auf, wenn er am Wochenende
deprimiert und abgespannt nach Hause
kommt? - Alle spielen miteinander "Reise
nach Jerusalem".

Dr. Seltsams Frühschoppen, von jeher Refugium des gepflegten Schäuble-Witzes, wird zum Oktober eine Broschüre zusammenstellen. Schickt uns Schäuble-Witze!

Die schönste Einsendung wird mit dem

Dieter-Kaufmann-Preis für angewandte Kurzprosa

ausgezeichnet - der Preis ist nach dem leider längst vergessenen Attentäter Dieter Kaufmann benannt, dessen unvollendetes Lebenswerk wir damit würdigen wollen.

Der feinsinnige Aphorismus ist uns genauso willkommen wie der derbe Kalauer, die Anekdote genauso wie Zweizeiler und Sonett. Wir freuen uns auch über Zeichnungen, Collagen und andere bildliche Darstellungen. (Mit dem Begriff Prosa nehmen wir es nicht so genau). Witze, die ganz ohne Anspielung auf Schäubles Handicap auskommen, bekommen einen Sonderpreis.

Zur Anregung und als Antwort auf die leidige Frage, was wir eigentlich gegen den armen Mann haben, das Folgende: Er ist der Architekt der großdeutschen Einheitsburg. (Der Preis für den schönsten Krause-Witz wird verliehen, sobald ein Namenspatron zur Verfügung steht.)

Er ist nicht nur der unwiderstehliche "Berlin-muß-Hauptstadt-werden"-Redner, er ist auch bei anderen Gelegenheiten ein glänzender Rhetoriker in drei verschiedenen deutschen Dialekten, im Weizsäkkern, im Schwäbeln und im Schönhubern.

Er ist der pragmatische Rassist, der so niedlich lispelt, daß man ihn aus seinem Rollstuhl lupfen und in den Armen wiegen möchte. Nein, er könnte keinem Ausländer etwas zu leide tun, jedenfalls nicht mit Baseballschläger oder Brandsatz. Höchstens ein Gesetzle hier, ein Erlässle da.

Der Rollstuhl ist sein Markenzeichen, die Behinderung sein Sympathiegarant. Kurz vor der Bundestagswahl 1990 trat er zum ersten Mal nach dem Attentat wieder öffentlich auf. Die Bildzeitung berichtete damals: "Über eine Hebevorrichtung war er hinter der Bühne hochgehievt worden und dann - Vorhang auf - aus der Kulisse gerollt. Die Menschen riß es von den Stühlen." - Die Süddeutsche Zeitung schrieb: "Eine ältere Frau bleibt an einem Plakat mit seinem Konterfei stehen, sagt leise 'Ach Gott' und streichelt über das Bild." Und weiter: "Ein Polizist wischt sich verstohlen einige Tränen aus den Augen. (...) Die Solidarität gilt einem Behinderten, der sich vor aller Welt gegen sein Schicksal behauptet."

Er ist der durch den Schicksalsschlag Gereifte. Was für andere Politiker die intelligente Brille, das ist für ihn der Rollstuhl: ein Image-Accessoire. Er ist der Invalide Parteisoldat, der einen Zimmermann so gut ersetzen kann wie einen Dregger und der irgendwann in die Fußstapfen eines Kohls rollen wird. Er ist die Charaktermaske, die durch den Rollstuhl einen telegenen Anschein von Individualität erhält.

Wer versetzt Wolfgang Schäuble den finalen Gelächterschuß? Der Einsendeschluß steht noch nicht fest, dafür aber der erste Preis: Eine wertvolle Wasserspritzpistole im schicken Wellpappeköfferchen (Oberfläche: Edelholzfurnier-Imitat).

Außerdem gibt's für jede Einsendung ein druckfrisches Exemplar der Broschüre, Sonderpreise für den subtilsten und den gemeinsten Schäuble-Witz, und: Wer den abgedroschensten Witz liefert, muß sich von Dr. Seltsam zu Selbstgekochtem einladen lassen.

Den oder die Witze bitte an:

Dr. Seltsams Frühschoppen c/o Südstern-Verlag Freiligrathstr. 12 W- 1000 Berlin 61

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Achtung: Wir bitten alle unsere Informellen Mitarbeiter in den Redaktionen, Nachrichtendiensten, Abteien und Schwimmbädern um die Verbreitung dieses Aufrufes.

Copyright: Bov Bjerg

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero

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