Hans Duschke: Nachbarn in Europa
Eine rassistische Hilfestellung
Nachbarn: - kennt jeder. Hat jeder. Und weiß doch oft kaum etwas von ihnen. Das geht nicht nur dir und mir so, sondern auch uns allen: als Volk, als Stolk, als Staat leben wir in einem gemeinsamen Haus, dem sog. europäischen.
Aber was wissen wir schon von den Sorgen und Nöten unserer Nachbarn, von ihren kleinen Fehlern und Charakterschwächen. Dabei haben gerade wir Deutschen es so nötig, uns zu informieren, denn kaum jemand hat so viele Nachbarn wie der Deutsche, sei es zum Fluch, sei es zum Segen. Und ist nicht auch auf diesem Gebiet ein Informations- und Aufklärungsplus ein Friedensplus?
Nehmen wir beispielsweise den eher unauffälligen Holländer. Was wissen wir schon über ihn? Daß er ein herzensguter Mensch ist und uns alle für Nazis hält. Das mag wohl stimmen, macht aber nichts, denn wir sind viel stärker als er.
Und: bin ich etwa ein Nazi? Wenn er das noch einmal behauptet, der westfriesische Fischkopf, dann schmeiß ich ihm 'ne Bombe auf'n Kopp!
Fakt Nummer Eins also: Der Holländer ist ein Ignorant, der zu Pauschalurteilen neigt.
Zum Zweiten: Wie lebt der Holländer? Der Holländer lebt in einem kleinen, sehr schmalen Haus mit haufenweise Blumen im Garten, vorzugsweise Tulpen, einem Haus, das so schmal ist, daß der Briefkastenschlitz senkrecht angebracht ist, einem Haus ohne Gardinen vor dem zur Straße gelegenen Wohnzimmerfenster (der Holländer liebt die soziale Kontrolle, ähnlich wie der Schwede), einem kleinen Haus aus rotem Backstein.
Morgens verläßt der Holländer das Haus, nach einem leckeren Rama-Frühstück, ein Abschiedskuß von seiner tatsächlich blonden Frau vor der Haustür, und radelt auf dem Deich in die Stadt. Der Holländer fährt gerne Fahrrad, aber nicht sehr schnell, das ist auf seinem Holländer-Fahrrad auch gar nicht möglich.
Er radelt ins Kontor, so heißt sein Büro, denn er ist Kaufmann. Ein sehr geschickter noch dazu, der selbstgedrehte Zigaretten raucht, so daß jeder denkt, er wäre o.k. und liberal, und schon hat er dich über den Tisch gezogen.
Früher war der Holländer auch Seefahrer, doch das ist lange her. Damals war er eine Weltmacht und hat sich mit dem Engländer gestritten. Sie hatten beide wunderschöne Segelschiffe und haben da Kanonenkugeln hineingeschossen. Im Zuge dessen verloren etliche Seeleute ihr Leben oder einzelne Gliedmaßen oder ertranken, denn Matrosen können bekanntlich nicht schwimmen. Schlimmer noch: In diesen wilden Zeiten, die Gott sei Dank lange zurück liegen, schwammen noch große Haifische in der Nordsee. Die sind mittlerweile ausgestorben, und das ist auch richtig so. Der Tier- und Artenschutz, dem sich beispielsweise so löbliche Institutionen wie der WWF verschrieben haben, muß da eine Grenze haben, wo Menschen oder auch nur Teile von Menschen gefressen werden.
Doch zurück zum Holländer: Früher hat der Holländer auch einmal Kunst gemacht. Gemalt und philosophiert. Und gar nicht mal so schlecht. Ich erwähne nur Erasmus von Rotterdam, Spinoza, Rembrandt oder auch van Gogh. Diese Zeiten sind vorbei. Der Holländer hat einen kulturellen Niedergang. Der berühmteste Holländer dieses Jahrhunderts ist eine Frau und kommt aus Frankfurt am Main. Ihr Name: Anne Frank, jenes tapfere, kleine Persönchen,... aber lassen wir das.
Seitdem bildet sich der Holländer was ein auf seine Freiheit; ist stolz auf sich, weil ich mit 16 seine Sex-Shops besichtigen durfte und mir dort betrachten, wie Frauen es mit Tieren treiben. Das ist bei uns verboten. Und zu Recht.
Der andere Grund, den Holländer zu besuchen, sind die Drogen. Er selbst verschmäht das afganische Küchengewürz und berauscht sich lediglich am Anblick der beklagenswerten jungen Menschen - für ihn sind es einfach Ausländer, obwohl viele aus Deutschland stammen -, die in den berühmt-berüchtigten Coffee-Shops sitzen und sich Haschisch spritzen, bis sie umfallen.
Zwischendurch darf ich nicht versäumen, den anwesenden kritischen VerbraucherInnen und KonsumentInnen eine wichtige Information zukommen zu lassen: Obst und Gemüse aus Holland ist hochgiftig, schmeckt nicht, ist überteuert und belastet die Umwelt.
Zum Abschluß aber noch etwas positives über den Holländer: Er hat in seinem Land nicht so große Klassengegensätze wie bei uns. Aus sicherer Quelle weiß ich nämlich, daß es in Groningen einen Studentenclub gibt, in dem man - an bestimmten Tagen - sein Bier von Johann Friscoe von Oranien, zweiter Sohn der holländischen Königin Beatrix, gezapft bekommt. Und dann mit einer lässigen Geste dem Prinzen ein angemessenes Trinkgeld geben, das ist fortschrittlich.