Andreas Scheffler: Notizen
24. Oktober
Plötzlich befällt mich ein sich steigernder Schmerz. Zunächst leicht pulsierend um das Knie herum, helltönig wie ein eingeklemmter Nerv, dann dumpf sich auf die Innenseite des Beingelenks konzentrierend. Es scheint, als amputiere jemand mein rechtes Bein knieabwärts, entschließe sich aber noch während der Operation, auch weiter oben das Skalpell ins sich aufbäumende Fleisch zu senken. Stunde um Stunde schneidet die Klinge in ruhigem Rhythmus höher und höher die Innenseite des Schenkels hinauf Richtung Schritt. Die ASS Ratiopharm wirken erst mit Hilfe mehreren weißen Bordeaux.
26. Oktober
Lange Nachdenkensphasen über die Schuld- und Sinnlosigkeit mancher Leidenszustände. Nebenbei die Erkenntnis, daß die Menschheit absolut unfähig ist, die Intensität eines Schmerzaufkommens nachzuempfinden. Die Existenz von Siechtum wird liebstenfalls ignoriert. Traut es sich in Gesellschaft, hat es sich die Larve der Gesundheit überzuwerfen.
28. Oktober
Ein Arrangement mit dem Schmerz hat stattgefunden. Ich höre auf, ihn mit Pharmaerzeugnissen zu bombardieren, dafür läßt er seine Stärke nicht mehr die Grenze des Ertragbaren überschreiten.