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Bov Bjerg: Wie ich einmal fast in der Illegalität gelandet wäre

Später, sehr später Abend. Bespreche mit Freunden den Lauf der Welt, d.h. ihre schlimme Lage im allgemeinen und die Ekelhaftigkeit der Zustände hierzulande im besonderen. Mit jedem Glas wird es - das heißt: alles - hoffnungsloser. Und ungerechter, vor allem ungerechter. Mit der Hoffnungslosigkeit wächst die Ungerechtigkeit. Die anderen zeichnen strategische Linien in die Bierpfützen, wie um die Ausweglosigkeit unserer Situation, d.h.: der Situation der Welt, zu beweisen. Sie reden sich die Lippen heiß, doch mich drängt es zur Tat!

Nicht daß ich genau gewußt hätte, worin diese Tat dereinst hätte bestehen sollen. Trotzdem mußte ich mich vorher absichern, Rückzugsmöglichkeiten vorbereiten, am besten hier und heute noch, gleich jetzt. Ich fixierte meinen Freund Horst, eine verläßliche Seele, die zudem schweigen konnte wie ein Grab. Kann sein, daß wir die einzigen waren, die noch am Tisch saßen oder in der ganzen Kneipe, jedenfalls fragte ich in eine länger anhaltende Diskussionspause hinein: "Horst? - Wenn ich mal untertauchen muß, wenn ich mal, ich mein´, das geht ja oft schnell...- also, ich weiß jetzt auch nicht so genau warum, aber wenn, wenn ich dann vor deiner Tür stehe, gell, also: würdest du mir dann helfen?!"

Ich blickte in seine großen, ehrlichen Augen. "Natürlich", sagte er sofort. "Das beste wär´ dann wohl, dich erst mal bei meinen Eltern unterzubringen, in Lembruch. Bei Diepholz."

In Lembruch bei Diepholz. Im Bermudadreieck zwischen Vechta, Espelkamp und Bramsche. Womöglich in einem verlassenen sogenannten Jugendzimmer: Tierfreund-Poster an der Wand, Mottenkugelgeruch, abgewetzte Stofftiere, mitten im Zimmer ein Bügelbrett. Und an der Schreibklappe eines Resopalschrankes sitze ich und schreibe mit Hilfe eines verstaubten Schülerdudens Bekennerbriefe. - So werden junge Karrieren zerstört, noch bevor sie richtig begonnen haben.

Copyright: Bov Bjerg

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:09
erstellt von jero

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