Andreas Scheffler: Ergänzung in Form einer Notiz
Ergänzung in Form einer Notiz
28.Dezember:
Das eigentlich Tragische ist, daß man nicht drumherum kommt, von Zeit zu Zeit seine Wohnung zu verlassen, sein Refugium gleichsam aufgeben muß, zuweilen sogar in einer Zeit, in welcher man den Anfechtungen des Draußen, die ohnehin schon ständig durch alle Ritzen und kleinste Öffnungen hindurch Raum zu greifen suchen, in der man durch innere Zerrüttungen verschiedenster Herkunft sich vollkommen hilflos diesen Angriffen durch die Umwelt ausgeliefert sieht, diesen Angriffen, die zu verhindern man nicht in der Lage ist, weil man sehen muß, wie Menschen sich absolut katastrophal verhalten, wie sie ihre Kinder schlagen und Schläger erzeugen, wie sie durch Lautstärke fehlende Intelligenz unbewußt auszugleichen glauben, wie sie nichts mehr interessiert, als die Existenz eines Menschen mit noch weniger Macht, dies alles sehen zu müssen und um das Vorherrschen dieses Bewußtseins zu wissen, das rechtfertigt den instinktiven Selbsterhaltungstrieb, den Wunsch, einen halbwegs gesunden Geist zu behalten, und dies erklärt die Angst davor, seine Wohnung, sein Refugium zu verlassen, worum man aber - das ist das Tragische - nicht herum kommt.