E 338: Saufaus in der Unterwelt
Wenn es mir früher gelegentlich Schwierigkeiten bereitete, mich beim Erwachen des Wochentages zu erinnern, so bleibt mir heute allenfalls, die äußerst vage Vorstellung einer Jahreszeit, etwa die eines herbstlichen Winters, und ich wäre außerstande zu sagen, ob Oktober oder Februar ist. Spätestens beim Frühstück freilich weiß ich wieder, was zu tun ist: dieses und jenes, dies besonders, vor allem aber das. Dann bemühe ich mich um einen möglichst wege-, zeit- und geldsparenden Tagesplan und stelle fest: das Beste wäre, nichts zu tun. Ich werde es also nicht weit bringen, und es schon gar nicht. Zumal ich nicht wüßte, wohin.
Neulich war ich in der Kneipe. Und wer war wieder vor mir da? "Hallo Saufaus, alter Kumpel, altes Haus! Dich gibt's auch noch?" Saufaus rülpste, ich durfte mich setzen. "Wie geht's? Was treibst Du, alte Laus?" "Wie soll's schon gehen? Arbeit, Arbeit, immer Arbeit." "Arbeit?" Ich stutzte. "Was für Arbeit?" Er zeigte auf den Tisch vor ihm. Da standen vier kleine und acht große Bier, diverse Schnäpse, mehrere Sekt-, zwei Wein- und Longdrinkgläser, nebst 413 Flaschen Beck´s.
"Saufaus! Mach mal langsam zu! Ich brauche die Gläser!" Der Zapfer brüllte durch den Raum. Saufaus rülpste. "Ist in Arbeit. Fünf Minuten." Er leerte drei Schnäpse, zwei Whiskey. Dann machte er sich an den Sekt. "Für die Ladies", seufzte er. Ich begann zu begreifen. "Du trinkst die halben Gläser aus?" - "Hör auf, mich zu stören. Trink lieber einen." Ich nahm ihm ein Bier ab. "Wie kommt man an so einen prima Job?" - "Blöde Frage." - "Los, nun sag schon." - "Beziehungen." Saufaus grinste und rülpste geniert. "Wie sonst?" "Und was kriegst Du?" - "Alles gratis." -"Saufaus! Mensch! Du hast' s geschafft!" Ich war begeistert. "Saufaus! Die Flaschen! Ich brauche die Flaschen!" Saufaus schluckte. "Ich muß mal kurz kotzen. Kannst mir helfen." Ich nahm mir noch ein kleines Bier.