Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge XI
Victor Orloff, ehemaliger Stasi-Agent, seit nunmehr 17 Jahren aber westlicher Privatdetektiv, sucht im eigenen Interesse (Gummiallergie) die Pflanze, die Aids besiegt. Gejagt vom Multikonzern Rubber International (Sylvie Latex) und dem deutschen BKA (Weber zwo), das ihn fälschlicherweise für den Mörder des Superagenten John Pauls hält, gelangt er mittels eines gestohlenen Toyotas in das niedersächsische Göttingen. Hier erfährt er aus einem Telefongespräch mit seinem alten Freund Klingbeil, daß seine heimliche Liebe, die sensationelle Indiana Jane auf Borneo eine heiße Spur hinsichtlich der Anti-Aids-Pflanze gefunden hat. Er beschließt ihr so schnell als irgend möglich nachzureisen. Jedoch...
Folge XI: In den Krallen der Firma
von Jean Maurice Pelforth ins deutsche übersetzt von Horst Evers
»He!!!, wachen Sie auf und kommen Sie aus dem Wagen raus!!!«
Verdammt. Irgendwer war offensichtlich reichlich scharf darauf mich aus meinen beschissenen Träumen zu reißen. Mit der Lust, die ein Dan Quayle verspürt, wenn er im amerikanischen Fernsehen an einem Buchstabierwettbewerb teilnehmen muß, gab ich meiner Hand den Auftrag, sich durch den dick-dumpfen, von der stechenden Morgensonne aufgeheizten Dunstbrei aus Schweiß, Zigarettenqualm und Alkoholgasen zu kämpfen und ein apfelsinengroßes Guckloch in die fingerdick beschlagenen Scheiben zu reiben. Es gelang und mein Blick fiel auf ein debiles Nichts oder korrekter, auf ein doppeltes debiles Nichts oder ganz korrekt, auf zwei niedersächsische Bullenköppe, die recht unprofessionell auf meinen eher zufällig geklauten Toyota einwirkten. Das Ganze sah tatsächlich ein bißchen nach Ärger aus. Den konnte ich jetzt weiß Gott nicht brauchen. Ich mußte dringend zu Indiana Jane nach Borneo, für die 38er war mir die Munition ausgegangen und von der leeren Bommerlunderflasche auf dem Wagenboden war auch nichts Gutes mehr zu erwarten. Ganz klar, eine schnelle Idee mußte her, damit ich mich endlich Wichtigerem zuwenden konnte.
»Und machen se man mal keine Tricks ne. Da kommse bei uns aber an die Falschen. Nur dasse das man mal wissen ne. Und nu raus hier, aber´n bißcken hopp ´ne.«
Mit einem Ruck riß ich die Tür auf und setzte eine gewaltige Wolke meines edlen Wageninnenraumgases frei. Schlagartig erbleichten die beiden großen Bummvögel, wanden sich in Hustkrämpfen und sanken dann benebelt in sich zusammen. Routiniert nutzte ich die Sekunden ihrer Kampfunfähigkeit, stürmte aus der Japseschleuder und entwaffnete die Blödbacken.
»Netter Versuch Jungens, aber jetzt bin ich mal an der Reihe. Was haltet ihr denn davon, wenn ihr mir jetzt mal die Schlüssel für eure Dienstbeule leiht und ich damit noch´n bißchen durch die Republik juckel.«
»Ach Orloffchen, es ist vollkommen egal, was die Kollegen davon halten. Ich bin dagegen und nur meine Meinung zählt hier.«
Irgendwoher kannte ich diese Stimme. Das war doch...
Keine zehn Meter weiter auf dem Parkplatz stand Weber zwo und hinter ihm strahlten mich die Gewehrläufe von ungefähr 150 Bundesgrenzschützern an. 150 Probleme und eine Filzlaus, das war wirklich zu viel.
»Du läßt nach Victor. Dachtest du wirklich, ich wäre auf deinen alten Bummerlundertrick in Gera reingefallen? Wenn du nur in jeder vierten Folge ein paar gute Ideen hast, wirst du die Pflanze gegen Aids niemals finden. Wie kann man nur so bescheuert sein und nochmal wieder Klingbeil anrufen? Klar, daß wir den überwachen, und dabei wollt ich's noch spannend machen, indem ich dich warne, aber du bist einfach zu blöd.«
»Tut mir leid, Weber zwo, aber in den meisten Folgen kann ich eben nicht selbst entscheiden, was ich tue.«
»Ach erzähl mir doch nix. Den gestohlenen Wagen zu finden war übrigens auch ziemlich leicht. Du stehst im Halteverbot.«
»Darum geht's also. Gut, was habe ich zu zahlen?«
»Haha. Sehr witzig. Du hast natürlich wie immer Glück, Orloff. Die Situation hat sich schon wieder geändert. Wir werden dich sofort an die Firma übergeben.«
»Die Firma?«
»Die Firma. C.I.A. Mit der Ermordung John Pauls hast du gewaltig Eindruck auf die Burschen gemacht. Sie haben großes Interesse an dir.«
»Ich habe Pauls nicht ermordet.«
»Wenn schon. Komm jetzt. Du wirst erwartet. Herr Jones geht zeitig schlafen.«
Weber zwo ließ mich in seinen schwarzen Dienstmercedes verfrachten und in irgendeinen Wald am Stadtrand bringen. Nach einer halbstündigen Fahrt über holprige Feldwege gelangten wir an eine kleine Jagdhütte. BKA und CIA zeigten hier alles was sie zu können glauben. Nach den Sicherheitsvorkehrungen mußte man denken, George Bush und Hannelore Kohl würden sich hier zu unsittlichem Firlefanz treffen. Aber der ganze Schnickschnack war tatsächlich nur für mich allein. Irgendwie war ich stolz. Man brachte mich ins Kaminzimmer zu Jones. Ein Verhör im Ledersessel?, das war doch mal was anderes.
Jones war so schwarz wie der Kaffee, den er mir anbot. Ohne Umschweife kam er zur Sache.
»Sie also sind der berühmte Mister Orloff. Sie haben ja im Moment ganz schön Scheiße an den Backen, was?«
»Stimmt, aber wir sind unterwegs einfach an keiner öffentlichen Toilette vorbeigekommen.«
»Tja, so geht's, aber mit der Ermordung Pauls haben Sie sich auch ein ganz schönes Ei ins Nest gelegt. Pauls hat fürs BKA und für uns gearbeitet. Wer Leute, die für uns arbeiten, umnietet, für den ist's in der Regel nix mehr mit lange lustig Bommerlunder trinken.«
»Ist das alles.«
»Och nein, dann ist da ja immerhin noch Rubber International. Für die sind Sie auch nur noch ein päpstlicher Arschkrebs, der wegoperiert werden muß. Rubber ist sehr groß und sehr, sehr mächtig.«
»Na und?!«
»Nun, wir haben uns gedacht, es wäre doch schade Sie einfach nur so sinnlos wegzublasen. Sie haben mächtige Feinde und für ihr Vorhaben, die Pflanze gegen Aids zu finden, sieht's gar nicht gut aus. Aber wenn es Ihnen gelingt einen dieser Feinde in einen Freund zu verwandeln, dann wäre Ihre Welt doch wieder in Ordnung. Sie hätten eine zweite Chance.«
»Sie wollen mein Freund werden?«
»Wir wollen Ihre Freunde werden. Sie tun uns einen kleinen Gefallen, und wir finanzieren dafür in der Folge Ihre Suche nach der Aids-Pflanze und halten Ihnen Rubber, inklusive Silvie Latex vom Leib.«
»Was für einen Gefallen?«
»Sie haben doch bestimmt schon mal von diesem kleinen nordafrikanischen Politchaoten gehört. Ghaddafi heißt er wohl. Wissen Sie, der nervt, der stört irgendwie die Weltordnung, das friedliche Miteinander und die Völkerverständigung. Der is´ lästig. Schaffen Sie uns den doch bitte vom Hals.«
»Ich soll Ghaddafi aus der aktuellen Weltgeschichte herauslösen?«
»Umnieten! Schlicht und einfach.«
»Niemals.«
»Auch nicht, wenn wir dafür Indiana Jane am Leben lassen?«
Wird Victor Orloff auf das Angebot eingehen? Geht jetzt endlich die wichtige Liebesgeschichten zwischen ihm und Indiana Jane los? Lebt Indiana Jane überhaupt noch? Was müßte man Ihnen bieten, damit Sie nach Tripolis fahren, um Ghaddafi zu ermorden? Wird der Südsternverlag in Kürze das wirksame, orloffsche Bommerlunder- und Karowolke-Verteidigungsspray vertreiben. Beginnt jetzt endlich eine richtige Handlung oder werden die anderen Autoren wieder aus Unverstand alles Aufgebaute zerschreiben?