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Hans Duschke: Im nächsten Heft

Er hatte rote Flecken im Gesicht und einen Job in der Psychiatrie, Aushilfspfleger in der geschlossenen Abteilung für Langzeitfälle. Dort, wo die Patienten Lobotomie und Elektroschock noch aus eigener Erfahrung kennen. Bzw. kennen könnten. Daß er davon überzeugt war, selbst einmal in der Klapse zu landen, konnte ihm jeder ansehen.

Ich nannte ihm die Namen einiger stadtbekannter Psychopharmaka - harmlos. Aber es gäbe da einige Teile: Antidepressiva, ehemalige Schlankheitspillen, die seien schon wild. Er könne sie mal vorfuhren, und holte eine Filmdose aus seiner Jackentasche. Eine Vielfalt an Formen und Farben.

»Die hier«, er zeigt mir eine dicke Aspirin, »das ist die härteste. Damit werden die Leute bei uns abgestellt. Ich hab´ immer eine dabei: Wenn sich auf ´ner Party jemand blöd aufführt: Ich tu ihm die Pille ins Glas, und er ist ruhig.« »Und? Is´ das irgendwie geil, die zu nehmen?« »Nee. Das ist furchtbar. Du bist wie ´n Zombie. Du bist abgeschaltet. Du bist ...«

Die Schilderung von Drogenerfahrungen ist neben der Naturbeschreibung sowieso das schwierigste, da behilft man sich gern mit einem poetischen Bild: »Wenn du beim Zahnarzt bist und du kriegst ´ne Spritze, dann ist da eine Hautregion, die ist taub ... Die Pille macht das gleiche mit dir, mit deiner Person, mit deinem Gehirn: Du bist tot - für vier bis sechs Stunden.«

»Und warum sollte ich sowas nehmen?«

»Weiß nich´. Aus Neugier?«

Jetzt liegt sie bei mir auf dem Schreibtisch und lockt.

Niemand nimmt das Zeug freiwillig. Außer mir, Hans Duschke.

Warum?! Um drüber zu berichten...

Copyright: Hans Duschke

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero

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