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Andreas Scheffler: Ich sage »Scheffler«

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas über das Wesen eines Menschen herauszubekommen. Eine nennt uns das bekannte Sprichwort »Zeige mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist.« Dies ist eine recht aufwendige Methode, nicht weniger aufwendig wie ein langes Gespräch, bei welchem man zudem noch mancherlei Täuschungen auf den Leim gehen kann. Die größten Erkenntnisse ließen sich aus einem geheimen Tagebuch ziehen, doch ein solches ist naturgemäß schwer zu bekommen. So will ich eine weitaus einfacher zu praktizierende Möglichkeit der Wesensbestimmung erörtern: den Telefonanruf, beziehungsweise die Art und Weise, wie der Proband sich meldet.

Nehmen wir zunächst das knappe und präzise »Scheffler«. Hier haben wir es mit einem Menschen zu tun, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Stellvertretend für alle Menschen, die Scheffler heißen, ist er willens, sich dem Begehr des Anrufers zu stellen. Anders verhält es sich bei »Andreas Scheffler«. Diese Person möchte klarstellen, daß hier erst einmal ausschließlich sie zur Verfügung steht. Die Offenheit, die sie mit der vollen Namensnennung an den Tag legt, erwartet aber auch ihrerseits die Ehrlichkeit des Anrufers, es zuzugeben, falls nicht Andreas, sondern Willi, Fritz, Sabine oder andere Schefflers am Apparat gewünscht werden. Ob diesem Wunsch nachgegeben wird, hängt von der räumlichen und emotionalen Nähe zu den verlangten Personen ab.

Zeichnung von CX Huth

Eine weitere Variante ist »Andreas«, oder auch , »Hier ist Andreas«, Es handelt sich hier um einen sehr leutseligen Menschen, der mit jedem und jeder gut Freund sein möchte. Sei es die Mutter, die anruft, das Finanzamt oder der Kontaktbereichsbeamte. Man ist gleich per Du, und mögliche Konflikte sind auf der Stelle, wenn nicht ausgeräumt, so doch abgemildert. Wenn es darüber hinaus heißt »Hier ist der Andreas«, lebt der Angerufene vermutlich in einer Wohngemeinschaft, möchte aber doch seiner Individualität Ausdruck verleihen und klarstellen, daß er nicht irgendein Andreas ist.

Kommen wir nun zu der großen Gruppe der Anonymisten. Hier ist lediglich ein »Ja«, »Hallo« oder »Bitte«, manchmal auch in den Kombinationen »Ja, hallo.« und »Ja, bitte.« zu vernehmen. Der Angerufene begibt sich. in die Abwarteposition, er ist höchst mißtrauisch, den Verlauf einer möglichen Konversation betreffend. Auf keinen Fall möchte er sich frühzeitig offenbaren, um sich einen Rückzug offenzuhalten. Es braucht seine Zeit, aber hat man erst sein Vertrauen errungen, kann man ihn zu seinen besten Freunden zählen.

Nun möchte ich noch über die pathologischen Fälle sprechen. Da ist als erstes das »Was ist!?«. Diese Person hat garantiert einmal schlechte Erfahrungen mit dem Telefonieren gemacht und geht beim ersten Klingelsignal grundsätzlich von einer Belästigung aus. Ob diese schlechten Erfahrungen auf häufige Vertreteranrufe oder auf ein gestörtes Verhältnis zu Bekanntenkreis und Elternhaus zurückzuführen sind, müßte in einer weitergehenden Therapie geklärt werden. Einfacher liegt der Fall. wenn die Person sich mit »Schnauze!«. meldet. Hier kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, daß der Angerufene ein kurz zuvor sehr unerfreulich verlaufenes und deshalb abgebrochenes Gespräch nicht fortzusetzen gedenkt.

Auf Sonderfälle wie »Hier bei Scheffler.«, »Hier bei Andreas«, »Hier bei dem Andreas.« oder »Hier bei Schnauze.« einzugehen, würde den Rahmen dieser Schrift sprengen. Fest steht aber, daß dies ist der Anschluß von Andreas Scheffler. Ich bin zur Zeit mal wieder unterwegs (und so weiter) bestimmt gelogen ist.

Und wenn ich nun ende, können wir alle zusammen sagen: Da haben wir wieder etwas gelernt.

Copyright: Andreas Scheffler

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero

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