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Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge XVII

Was bisher geschah:

Victor Orloff, Privatdetektiv, ist im eigenen Auftrag (Gummiallergie) auf der Suche nach der Pflanze, die Aids besiegt. Nach etlichen Irrungen und Wirrungen landet er auf der Osterinsel. Dort gerät er in die Fänge des CIA, wird gekidnappt und in ein Flugzeug nach Bengasi Libyen, verfrachtet. Hier findet er seine alte Vertraute Indiana Jane wieder. Er soll für die Amerikaner Ghadaffi ermorden. Die Maschine wird jedoch von arabischen Terroristen nach Mogadischu, Somalia, umgelenkt.

Folge XVII: Afrikanische Nächte

von Test A.User ins Deutsche übertragen von Hans Duschke.

In Mogadischu war es endlich still geworden, das Gewehrfeuer und das Zirpen der Raketenwerfer war verstummt. Nur de charakteristische Schrei der ostafrikanischen Fledermaus drang aus der Ferne durch das offene Hotelfenster. Seit es hier keine Straßenbeleuchtung mehr gab, war der Himmel wieder voller Sterne. Es war ein heißer Tag, sogar eine heiße Nacht gewesen, jetzt schien ein kühlen Hauch direkt vom Indischen Ozean heraufzuwehen. Die Armbanduhr auf dem wackeligen Nachttisch zeigte 3:47 Uhr.

Die Landung in Mogadischu am Nachmittag, war ohne Probleme verlaufen. Die Entführer hatten das Flugzeug sofort verlassen und waren auf der Rollbahn von - offenbar - befreundeten Guerillas mit Maschinengewehrsalven empfangen worden. Nach etwa zehn Minuten stürmten ca. 200 junge Somalis die Landebahn und begannen in Windeseile, das Flugzeug zu demontieren. Orloff hatte an Heuschrecken denken müssen. Schließlich gelang es ihm, eine Art Autoritätsperson ausfindig zu machen, er stellte sich vor: Er und Indiana Jane, sie seien die Handelsdelegation.

»Ah: Gardening tools«, rief der junge Mann aus, tätschelte seine Kalaschnikov und lachte.

So waren sie in diesem Hotel gelandet, am nächsten Tag, da würde man ein business machen, das hatten sie dem clan-chief versprechen müssen.

Orloff räkelte sich träge, blind tastete die linke Hand zwischen den abgelegten Kleidungsstücken, Zigaretten suchend. Indiana Jane, putzmunter wie es schien, zeichnete mit den Lippen die Narben nach, die Orloffs Körper bedeckten.

»Und die?«, sie küßte ihn knapp unterhalb des rechten Schulterblatts.

»Schußverletzung«, sagte er. Kühlend trocknete der Schweiß auf seiner Haut.

»Und die?«, sie biß ihm in die Seite.

»Messer. Weißt du doch«, brummte er zufrieden.

Seine linke Hand hatte die Schachtel endlich entdeckt, er klaubte eine Kippe heraus, das Feuerzeug mußte ganz in der Nähe liegen. Ihre Lippen wanderten seinen Rücken herab, verweilten dann dort, wo sich in einiger Tiefe eine seiner - Gott sei Dank immer noch tadellos funktionierenden Nieren befinden mußte, ihr Mund öffnete sich, und mit ihrer spitzen Zunge trug sie ein wenig Balsam auf seinen geschundenen Körper.

»Und die?«, fragte sie.

Orloffs linke Hand hatte endlich das Feuerzeug ertappt und wollte sich eben mit den Fundstücken auf den Weg zum abgewendeten Gesicht machen. Indiana Jane wiederholte die Frage, ihre Hand kraulte ihn zwischen den Beinen.

»Mmh«, brummte es aus ihm, »da ist nichts.« - »Aber ja doch. Die Narbe ist noch ganz frisch.« - »Zeig mal,« die linke Hand ließ alles stehen und liegen und machte sich auf den Weg.

»Weiß nich´«, seufzte er, aber die angenehme postkoitale Trägheit (er hatte sich wieder mal verfuhren lassen) war wie weggeblasen.

Es war nur ein feiner, rosiger, drei Zentimeter langer Strich, keine Kampfwunde, sondern eine Operationsnarbe, doch Orloff konnte sich nicht erinnern, eine schriftliche Einwilligung gegeben zu haben.

In seinen Ohren pulsierte das Blut, seine Augenbrauen schoben sich zusammen: Nicht weit unter der Haut ertastete er einen Gegenstand, Was war das? Es fühlte sich an wie ein Miniaturmodell des Raumschiffs Enterprise - nicht größer als eine Briefmarke.

In Washington saß special agent Jones über der Spesenabrechnung. Aus einem braunen Versandbeutel schüttete er die Belege auf die Schreibtischunterlage und begann, diese zu sortieren. Das war eine Arbeit nach seinem Geschmack. Er kramte ein Formular aus der Schreibtischschublade und begann, zunächst mit Bleistift, die Beträge in die passenden Spalten einzutragen. Sein Ehrgeiz, denn er hatte einen Ehrgeiz, auch wenn es seine Kollegen in der CIA-Zentrale bestreiten mochten, sein Ehrgeiz war es, die Anzahl der Einträge in der Spalte sonstige Ausgaben so gering wie möglich zu halten. Er hatte sich eben in den Durchführungsbestimmungen zur Spesenabrechnung festgelesen, als sein Telefon klingelte. Interne Leitung.

»Was ist? Ich hab´ zu tun.«

Er ließ sich nicht gern stören bei seiner Lieblingsbeschäftigung.

»Ihr Ghadaffi-Mann: Wir haben ein Signal. Es wird das beste sein, wenn Sie sich das selber mal ansehen.« Orloff. Er hatte ihn beinah schon vergessen.

Es war Samstag, die Hälfte der Weltkarten in der Nachrichten-Zentrale war nicht besetzt. Fenshaw stand mit drei anderen Männern hinter einem Operator in Reihe drei.

»Wir haben den Orloff-Sender lokalisieren können: Mogadischu.

»Das entspricht nicht genau ihrem Plan, oder?«, »Lassen Sie mich mal sehen.«

Der Satellitenempfang über Ostafrika war störungsfrei, die Signalkennung unmißverständlich.

»Was sollen wir jetzt tun?«

Jones kannte Fenshaws Vorliebe für schnelle Entscheidungen, er selbst wollte zurück an seine Spesenabrechnung, daher sagte er nur: »Leiten Sie die Selbstzerstörungssequenz ein«, und wandte sich ab. Fenshaw nickte, und der Operator begann, eine Explosion in 15000 Meilen Entfernung auszulösen.

Indiana Jane klappte die kleine Klinge des Schweizer Offizierstaschenmessers zu und legte Nadel und Faden beiseite. Auf dem Nachttisch, neben der Armbanduhr, lag eine flache, silbrig-graue Kapsel, nicht größer als ein modernes Hörgerät. Das Bett war voller Blut, und Victor Orloff fühlte sich noch benommen von der Operation. Noch einmal tupfte sie Blut von seinem Rücken und Schweiß von seiner Stirn. Vorsichtig entfernte sie den Schuh, den er im Mund hatte: Die Sohle war zerrissen. Dann streifte sie die Einmalhandschuhe von ihren schönen Händen und trat ans Fenster.

Jetzt wußte er, woher die Narbe stammt: Sie hatten ihm einen Sender implantiert. Er versuchte sich einzureden, daß alles vorbei sei, sein Herz nicht mehr rasen müsse und auch seine Halsschlagader wieder abschwellen könne, da gab es eine dumpfe Explosion. Das Nachttischschränkchen zerfiel wie in Zeitlupe, und seine Armbanduhr traf ihn hart hinter dem Ohr. Indiana Jane drehte sich langsam um, sie war sehr schön im Licht des frühen Morgens, Orloff nickte ihr zu, er versuchte zu lächeln.

»Vielleicht wenn du noch ein Pflaster drüberkleben würdest ...«, hauchte er, »wir müssen um neun auf der Messe sein. «

Über dem Lagerhaus am Hafen hing ein Bettuch mit der Aufschrift trade fair. Im Inneren standen einzelne Tische in einer Art Halbkreis, hinter den Tischen saßen einzelne Männer. Sie alle trugen teure Anzüge und dunkle Sonnenbrillen. Orloff hatte es sich kaum hinter einem freien Tisch bequem gemacht, als die ersten Kunden eintrafen. Orloff verkaufte, so wie die anderen Händler auch, Gartengeräte und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge aus Lagerbeständen in Ostdeutschland. Briefumschläge mit Provisionen - nur Dollar, kleine Scheine wanderten über den Tisch, bis zum Mittag hatte er zwei Schiffsladungen verkauft. Vorschüsse werden gern entgegengenommen; Lieferung in sechs Wochen.

Während er dort saß, abwechselnd lächelte und ein grimmiges Gesicht machte, dabei dicke Briefumschläge, die mit Gummibändern umwickelt waren, in seiner Jacke verstauend, war sie unterwegs, um ein Fahrzeug aufzutreiben. Um halb drei war sie wieder da, ein Ford Granada und fünf Kanister Benzin waren ihre Beute; sie brachen sofort auf. An jeder Straßensperre schmolz ihr Bargeldvorrat, doch das war egal. Gegen Abend erreichten sie Barewe, sie beschlossen, die Nacht durchzufahren und erreichten Dschilib bei Sonnenaufgang. jetzt mußten sie sich entscheiden: Die Küste entlang nach Kismanio oder ins Landesinnere, um sich über Afmado nach Kenia durchzuschlagen. Sie entschieden sich für letzteres.

Wohl ein Dutzend mal hatten sie sich an jenem Tag, es war der 5. April, gefragt, ob sie die Straße nicht schon vor Stunden verlassen hatten, doch dann kam ihnen stets ein 38-Tonner entgegen und hüllte alles in Staub. ja, das war die Straße. Gegen 18:00 Uhr versank die Sonne hinter den Bergen. Dann sahen sie die Straßensperre am Horizont.

»Die Grenze. Wir sind draußen«, jubelte Orloff, doch er hatte sich entschieden zu früh gefreut.

Fortsetzung folgt

Copyright: Hans Duschke

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero

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