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Falko Hennig: China

»Man kann sich da ganz sicher nicht auf die Existenz von China und Albanien verlassen...« Stephan Hermlin*

Zhong guo cun zai bu cun zai? Zhong guo zhen de cun Z zai ma? China, das Reich der Mitte, geheimnisvolle Gerüche, Schlitzaugen und gebratene Hunde, wer hat davon nicht schon geträumt? China ist uns heute so selbstverständlich wie die fünf neuen Länder oder Deodorant. Warum sollte auch ein vernünftiger Mensch an China zweifeln? Auf jeder Weltkarte ist es eingetragen und in jedem Nachschlagewerk. Aber, erinnern wir uns: 1987, eine sehr genaue Landkarte der DDR, Sperrgebiete fehlen einfach, ganze Straßen und die gesamte Waldsiedlung in Wandlitz, die Karte ist so verzerrt, daß man statt Bonzenhäusern nur Wälder sieht.

Leichtgläubige Leute sagen jetzt: »Na und? Was hat das mit dem Thema zu tun, und was ist überhaupt das Thema?« ich antworte: »Das Thema heißt: China gibt es gar nicht!« Kennt denn jemand von Euch einen Chinesen? Die Leute, die hier in Berlin als Chinesen fungieren, sind. meiner Meinung nach, Gesichtsoperierte mit Sprachfehler. War schon mal jemand in China? Darauf komme ich später zurück. Hat sich schon mal jemand auf einer Weltkarte die angebliche Größe von China angeschaut und wieviel Zeitzonen China hat? Kann mir jemand erklären, warum die deutlich kleinere USA sechs verschiedene Zeitzonen hat und das so riesige China nur eine einzige, oder sogar gar keine? Wieso taucht China nicht in Katalogen mit Time-Sharing-Angeboten auf. Wieso können selbst Universitätsprofessoren, die sich seit 20 oder 40 Jahren mit der chinesischen Sprache beschäftigen, nicht sagen, ob ein bestimmter Satz richtig oder falsch ist, ja, ob er überhaupt irgendwas bedeutet? Und was, um bei der Sprache zu bleiben, sollen diese ganzen Verweise auf den Kontext?

»Es kommt immer auf den Kontext an.« Eine Sprache, in der exakt derselbe Satz bedeuten kann: »Bringen Sie mir Bier, zackzack, du gelbe Kröte!«, oder aber: »Die Großmutter hat eine lange und erfolgreiche Entwicklung hinter sich.« Oder aber auch: »Die Pferde rennen über die Hügel wie ein Schwarm silberner Bienen.« je nach Zusammenhang und Kontext. Diese Sprache soll es geben? Und dazu noch 300 Millionen Dialekte, die alle nur das gemeinsame Ziel haben, zu verschleiern, daß es diese Sprache nicht gibt, das Land nicht gibt und das Ganze eine Riesenschweinerei ist.

Welche Erklärung soll es dafür geben, daß es in allen China-Restaurants gleich schmeckt? Aus einem China, das angeblich sonstwie groß ist und 1,3 Milliarden Einwohner hat. Einem China, das aus Hunderten von Provinzen bestehen soll und aus ganz unterschiedlichen Kulturen. Und in den Restaurants schmeckt alles gleich, hä?

Der Schlüssel, die Antwort auf diese ungelösten Merkwürdigkeiten ist so einfach wie schockierend: CHINA GIBT ES GAR NICHT!

Aber wer steckt dahinter, wer kann ein solch potemkinsches Dorf, ja solch einen potemkinschen Erdteil errichtet haben? Wer kann nur ein Interesse daran haben, diese unhaltbare China-These zu vertreten, und warum ist davon noch nichts in der Presse aufgetaucht? Die Antwort ist so einfach wie erschreckend: Gerade die Massenmedien, die sind es, die aus eigensüchtigen Motiven China erfunden haben. Was macht denn die Zeitung, wenn sie kein Thema hat? Sie berichtet über China! Worüber kann man denn Titel bringen in der Saure-Gurken-Zeit, und Reportagen und Features? Über China! Wie schwierig ist sorgfältiges Recherchieren, wie teuer sind Korrespondenten in Japan, USA oder Argentinien? Und wie billig ist es dagegen, über ein selbsterfundenes Thema zu berichten. Man braucht nicht hinfahren, niemand kann es überprüfen, und alle Kollegen schreiben den Unsinn über »Ein-Kind-Familien«, »Frauenkongresse,« und über uralte sterbende Patriarchen einfach ab. Wir haben also die schlimme Situation, daß die Vierte Gewalt nicht die geistige Luft reinhält, sondern selbst ihr schlimmster Verpester ist. Es ist so: Bei China lügen die Medien aus eigenen Interessen mit.

Die nächste Lobby, für die es China geben muß, sind die China-Gaststätten. Wer würde denn da noch essen, wenn jeder weiß, daß es das Land gar nicht gibt? Die China-Gastwirte Hand in Hand mit der Weltpresse, schon schlimm genug. Die nächste große Interessengruppe ist Hongkong. Wenn ans Licht kommt, daß es dieses riesige China, hinten an Hongkong dran, nicht gibt, dann kommt heraus, daß in Hongkong nicht gearbeitet wird, sondern nur verschoben. Eine Stadt, in der keiner was produziert, wo stattdessen nur Plastikentchen irgendwo anders billig aufgekauft werden und Made in China oder Made in Hongkong raufgedruckt wird.

Dann natürlich Tibet. Der friedliche und nette Dalai-Lama im Exil, das tibetanische Volk in Lager gesperrt und fies unterdrückt. Die uralte Weisheit der Lamas aus den Klöstern und Bibliotheken geholt und feige verbrannt. Die tollen Partys, für die Tibet früher berühmt war, sind verstummt, und Weinen hub an. Tibet meine Trauer. Was würden wohl die Tibeter machen, wenn sie erfahren, China gibt es gar nicht? Wer auch immer Tibet in seinen blutbefleckten Krallen hält, er muß die China-Legende lebendig halten, sonst sind seine Unterdrücker-Tage gezählt.

Bewiesen habe ich bis hierher, ohne den Schatten eines Zweifels, daß es China nicht gibt, und wer dahinter steckt. Hier nun beschreibe ich noch, wie sie es machen. Das, was Reisenden als China gezeigt wird, hat ungefähr die Größe von Luxemburg und eine Stadt von 100 000 Einwohnern in der Mitte. Von dieser einen Stadt führen von unzähligen Bahnhöfen die Gleise in kleinen und größeren Kreisen weg und wieder hin. Der Reisende kommt beispielsweise in Peking an und setzt sich in den Zug. Wie er denkt, nach Shangai. In Wirklichkeit fährt er im Kreis und kommt in der selben Stadt wieder an. Die Stadt ist genauso labyrinthisch aufgebaut wie das ganze Land. Nie kann es also passieren, daß man aus dem Shanghai-Teil aus Versehen in den Peking-Teil gelangt. Vor sechs Jahren, als die Sicherheitsbestimmungen noch lockerer waren, wäre fast alles rausgekommen.

Eine kleine Gruppe schwedischer Touristen war betrunken durch die rückwärtige Pappwand einer Hatschi-Bar gefallen und plötzlich nicht mehr in Nanking, sondern in Peking - eigentlich, nach offizieller Lesart, eine Entfernung von mehreren zehntausend Kilometern. Das Ganze wurde damals mit diesem unglaublich brutalen Massaker auf dem Tiananmen-Platz vertuscht. Abschließen will ich meine Ausführungen mit dem Satz eines der bedeutendsten Wirtschaftsexperten der USA, der mir vertraulich mitteilte, daß, wenn es stimme, daß es China nicht gibt, »es bestimmt seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat verlieren wird.«


*) »..., die ja nicht gerade positive Vorbilder für einen sind.«
In: Deutsche Lebensläufe, Hg. Manfred Engelhardt. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 1991, S. 11

Copyright: Falko Hennig

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero
Nummer 16
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