Hans Duschke: Zwölfmal aufs Maul I-IV
Folgen I-IV
I.
Halblaut kamen Beschimpfungen aus seinem Mund, als wir aneinander vorübergingen. Da ich trotz der dunklen Straße schon von weitem gesehen hatte, daß er zumindest fahruntüchtig betrunken war, und da ich das nächtliche Beschimpfen im Vorübergehen immer als Versuch einer Kontaktaufnahme verstanden habe, blieb ich stehen.
Und blickte mich um.
Und sagte: »ls was?«
Und wußte, daß es jetzt sehr stark auch um Körpersprache gehen würde.
Er schwankte - im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Sollte er jetzt Prügel androhen oder mit einem »Nix, nix, schon in Ordnung" den Schwanz einziehen? Während des anschließenden Blickduells zuckt plötzlich seine Faust heraus.

II.
Es war an mir, am Tresen neues Bier zu holen. Die Getränkeausgabestelle war dicht umlagert, ein unübersichtliches Gedränge und Gewusel. Wie einen Basketball-3-Punkte-Wurf versuchte ich die Bestellung aufzugeben. Doch dann hatte ich die Linie übertreten, und es muß ein wie epileptisch zurückzuckender Ellenbogen gewesen sein, der mich knapp unterhalb des Rippenbogens traf.
III.
Wer in Berlin mit sichtbar guter Laune auf die Straße tritt, muß damit rechnen, für einen Psychopathen gehalten zu werden. »Ej, du schwule Sau«, wurde ich von einer Gruppe Pubertierender angesprochen. Mir fehlte die Geistesgegenwart, die Ansprache zu überhören. Ich war zu gut gelaunt. Einzelne stellten sich mir in den Weg und »erbaten« Zigaretten und Kleingeld. Durch ein wie unabsichtliches Anrempeln wurde Körperkontakt hergestellt. Letztendlich gelang die Flucht.
IV.
In mir steckt ein kleiner ordentlicher Bürger mit einem Hang zur Selbstjustiz. Wenn zum Beispiel ganz viele Automobile den Gehsteig vor mir zugeparkt haben, dann holt der kleine Bürger seinen Schlüsselbund aus der Jackentasche und streicht damit die Wagenflanken entlang. Das macht ein schönes Geräusch, und der Autofahrer macht sich Gedanken, hinterher.
In einem graumetallicfarbenen Audi 80 mit Alufeigen sitzt noch einer - und steigt aus.
