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Sarah Schmidt: PMS

»Sag mal, Irina, hast du schon mal PMS ausprobiert?« - »PMS? Na klar, das kommt voll gut.« Das war ein Witz, aber ich hab mir schon gedacht, daß wieder niemand den versteht.

PMS, das heißt Prämenstruelles Syndrom und bedeutet, daß Frauen an den Tagen vor ihren Tagen schlecht gelaunt sind, aber gleichzeitig auch eine unheimliche Kraft haben. Das hab ich im Fernsehen bei Mona Lisa, dem Magazin für Frauen gelernt. Da berichtete eine Frau aus dem Berliner Frauenselbsterfahrungsladen Im 13. Mond, daß immer, wenn sie PMS hat, ihr Auto nicht anspringt, die Kaffeemaschine defekt ist usw. Früher hätte sie den Zusammenhang überhaupt nicht ein Stück weit gesehen, aber jetzt finde sie diese weibliche Power ganz toll beeindruckend.

Ich hab kein PMS, das ist blöd. ich blute auch nie mit meinen Freundinnen oder Schwestern zur gleichen Zeit, was ja auch ganz Klasse sein soll. Aber schlechte Laune, die hab´ ich oft und gerne, und streiten ist eine meiner großen Leidenschaften. Meist kann ich das aber nicht richtig ausleben, weil dann alle sauer sind und nicht mehr mit mir reden. Aber jetzt hab ich die Erklärung dafür: »Tut mir leid, aber ich hab PMS, du verstehst...« Das muß ich unbedingt ausprobieren.

Am Tag des Experiments sitz ich mit meinem Freund am Frühstückstisch. Um den richtigen Einstieg in die schlechte Laune zu bekommen, erzähl ich ihm von einer alten Feindin, einer Schlampe aus den Karpaten, die mal versucht hat, mir einen Mann auszuspannen. Ich bin grad gut in Fahrt mit dem Lästern, als sich meine Verdauung meldet und ich kurz unterbrechen muß. Auf dem Weg zum Klo fallen mir schon die nächsten Beweise für weibliche Dummheit ein.

»Kann echt ein netter Tag werden«, denk ich mir, und heb den Klodeckel hoch. Schluß mit lustig, die Scheiße schwimmt mir entgegen, das Klo ist kaputt.

Ich probier vorsichtig die Spülung, aber es blubbert nicht mal, sondern steigt nur gefährlich in Überlaufnähe. Ich muß jetzt doch nicht mehr, mach den Deckel wieder zu und hoffe, daß sich das irgendwie von selbst erledigt. Zurück in der Küche ist meine Streitlust erheblich gestiegen, und ich setze neues Kaffeewasser auf Seit einiger Zeit dauert das Heißwerden meiner Lieblingsherdplatte immer länger, und heute passiert gar nix. Boah, daß das so schnell funktioniert mit meiner Frauenpower, hätte ich nicht gedacht. Das wird ein Tag nach meinem Geschmack.

»Meine Herdplatte ist kaputt, und auf den anderen Platten koch ich keinen Kaffee, die sind fürs Essen und sonst nix. Los, wir gehen ins Café, ich muß mal, mein Klo ist verstopft. Und du warst als letzter drauf!« Der Liebste bietet sich an, mit einem Kleiderbügel alles wieder ins Lot zu bringen, aber das will ich nicht. Mit Geräten muß man hart sein, sonst setzen die sich durch und beherrschen einen irgendwann ganz und gar.

Das Klo im Café funktioniert einwandfrei, ich trink erst mal was und leg dann los: »Weißt du, ich bin ja eigentlich nur noch aus Mitleid mit dir zusammen. Außerdem, was ich dir schon immer mal sagen wollte, du bist ein so langweiliger Liebhaber, dieser ewige Blümchensex, echt öde. Du bringst es einfach nicht, und Geld hast du auch viel zu wenig, deine Jobs hauen nie hin, aber mein Klo kaputtmachen, das klappt.« Mist, grade jetzt sind meine Zigaretten alle.

»Manno, und du bist so unaufmerksam! Warum hast du keine mitgenommen! Blödmann!«

Aber nein, er will sich einfach nicht streiten, steht auf und will mir weiche holen.

»Das kann ich auch alleine, besten mir lieber noch ´n Drink«, sag ich und rausche davon.

Mein Geld bleibt im Zigarettenautomaten stecken, das hätte ich mir natürlich denken können: mein Einfluß auf Maschinen. Treten und schütteln hilft nichts, also beschwer ich mich am Tresen. Der junge Schnösel hinter der Theke erklärt, er könne da auch nix machen, der Apparat gehöre ja nicht ihm, und ich soll mich nicht so aufregen wegen fünf Mark. Tresenpersonal in Kneipen und Cafés... Ha! Da reg ich mich immer drüber auf. Nicht mal die Aschenbecher ausleeren, lieber rumlungern und weggucken, schlechtes Essen bringen, blöde Musik spielen und dazu noch beknackt aussehen. Meinen Begleitungen ist das immer unangenehm, schon des öfteren bin ich aus solchen Gründen rausgeschmissen worden und hab Hausverbot bekommen. Manchmal werden aber auch prima Prügeleien zwischen meinen Freunden und den Kneipenleuten daraus. Wenn es soweit ist, zieh mich meist aufs Klo zurück, bis die Wellen sich wieder geglättet haben. ich schaff es mittlerweile ja meistens, mich unter Kontrolle zu halten, aber heute nicht. Heute hab ich PMS!

Ich fange einen ordentlich lauten Streit an: »Ich will sofort mein Geld zurück, du Arsch, sonst zahl ich nicht! Außerdem liegt auf dem Frauenklo Kotze rum.« Er wird bleich: »Nee, komm, das stimmt nicht, oder?« - »Geh doch gucken, sicher stimmt das! Das kommt von eurem billigen Fusel, tut mir ja echt leid, aber ich hab´s einfach nicht mehr bis zur Kloschüssel geschafft. Haha!« Damit werden wir rausgeworfen. Auf der Straße fängt mein Freund an zu lamentieren.

»Sarah, mit dir kann man echt nirgendwo mehr hingehen, du bist immer so peinlich, sobald du was getrunken hast. Kannste dich nicht mal zurückhalten?« jetzt kommt mein Einsatz. Ich laß ein paar Tränen übers Gesicht laufen, das kommt immer gut.

»Ich weiß auch nicht, was los ist. ich glaub, ich krieg bald meine Tage.«

Es funktioniert! Mein Freund entschuldigt sich, wird verständnisvoll und tröstet mich. Klasse! Das macht wirklich Spaß. Aber ich würde doch lieber nicht alleine PMS haben und verabschiede mich: »ich muß jetzt alleine sein, verstehste!« Und mach mich auf den Weg zu meiner Freundin Irina.

Zum Glück ist Winter, und die Nacht fängt schon um fünf Uhr am Nachmittag an. Nach einem Joint und zwei Gins frag ich sie: »Sag mal, Irina, hast du schon mal PMS ausprobiert?« - »PMS? Na klar, das kommt voll gut.« Wir ziehen die Jacken an, und auf geht´s! Das wird sicher ein Superabend!

Copyright: Sarah Schmidt

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero
Nummer 16
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Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge XVIII
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