Hans Duschke: Verliebt
In ähnlichen Situationen wie dieser, beispielsweise bei einem Herzinfakt im Jumbo-Jet über dem Atlantik, steht jemand auf und ruft über die Sitzreihen hinweg: »Ist ein Arzt an Bord?« Und dann kommt ein Arzt, denn es ist immer ein Arzt an Bord, und führt mit Hilfe des Plastik-Einweg-Geschirrs eine komplizierte Herzklappen-Operation durch. Bei der Landung in New York gibt es dann Applaus für den Arzt und den tapferen Patienten, der schon wieder lächeln kann.
Und so würde ich gerne durch den Raum rufen: »Ist ein Therapeut im Raum?« Denn es ist folgendes: Ich bin verliebt. Das hört sich so schlimm nicht an, doch es ist das Objekt meiner Begierde, das mir Sorgen bereitet. Ich bin verliebt in eine Frau aus dem Fernsehen, ich bin verliebt in die Calgon-Ultra-Frau. jeder kennt sie. Sie sitzt auf ihrer Geschirrspülmaschine, ein fleckiges Weinglas in der Hand. Sie ist ironisch, laut und nervig. Sie sagt:
»Ich bin total im Streß:
In einer halben Stunde kommt mein Nachbar, Den find ich richtig gut,
Das is n ganz toller Typ,
Der hat auch immer saubere Gläser,
Nur ich nich.«
Ich wär so gern ihr Nachbar, doch sie ist unerreichbar fern. Ich schalte hin und her, von einer Werbeinsel zur nächsten - zehnmal am Tag hab ich sie schon gesehen. Ich hab mir das Pulver gekauft, dabei besitze ich gar keine Geschirrspülmaschine.
»So muß n Glas aussehn,
Dann klappts auch mit´m Nachbarn.«
Ich wär so gern ihr Nachbar. Also, wie gesagt: »Ist zufällig ein Therapeut im Raum?«
