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Falko Hennig: Wahnsinn, eine kleine Fallstudie

Gegenwärtig wird von den Europäern der Rinderwahnsinn am meisten gefürchtet, der durch die Einnahme von Fleisch wahnsinniger Rinder herrühren soll. Vielen Vegetariern ist das die Begründung für die aberwitzigsten Rachetheorien. Doch wie sieht die Wahrheit aus? Verschwiegen werden von den eitlen Medien die vielen anderen Gehirnkrankheiten, die auch durch Pflanzen übertragen werden können.

Als erstes will ich den Spargelwahnsinn vorstellen. Übertragen wird diese in ihren Effekten an Schizophrenie erinnernde Krankheit durch das Düngen der Spargelfelder mit Gülle wahnsinniger Schweine. Nachgewiesen ist diese Krankheit bei mehreren Bauern der Mark Brandenburg, die sich nach Zeugenaussagen »fast ausschließlich« von Spargel ernährt hätten. Erfreulich scheint noch der Beginn dieser Störung. Verwandte der Opfer berichten über Dauererektionen (bei Frauen ist diese Krankheit noch nicht nachgewiesen), die nach wenigen Tagen in Dauerorgasmen übergehen. Urplötzlich, nach ca. zwei bis drei Wochen, flauen die Orgasmen ab, ein Bauer berichtete auch von einem einzigen Dauerorgasmus, der zweieinhalb Wochen währte. Aber auch dieser hörte abrupt auf, und eine Vielzahl diffuser Ängste stellen sich bei den Patienten ein. Aufgezählt seien hier: die Angst gefressen zu werden; die Angst, von einem großen schaberähnlichen Werkzeug geköpft zu werden; und natürlich die Angst, daß ein riesiger Erdwall auf einem errichtet wird, damit »der Hals schön lang wird, weil der Kopf zum Licht will«. Weitere Stadien der Krankheit sind vollkommene Kommunikationsunfähigkeit, wiederholte Fluchten in Wald und Wiesen und zum Ende völliges Siechtum und Hirntod.

Genauso verschwiegen wird eine andere, ähnlich geartete Krankheit, die im Graubereich zwischen Vegetariern und Fleischessern auftritt. Eine Hausfrau aus Berlin, die vorher überhaupt noch nicht aufgefallen war, setzte sich einen Kaffeewärmer auf den Kopf und versuchte, ihren Mann mit einer Gabel zu stechen, wobei sie ungefähr folgendes Geräusch von sich gab: Puock, pock pock pock, puock, pock pock pock. Zweifellos war die Frau dem heimtückischen Hühnerwahnsinn zum Opfer gefallen. Nachforschungen ergaben, daß besagte Dame täglich 10 bis 20 Eier in den verschiedensten Formen zu sich nahm, die meisten jedoch roh. Auf Hühner hatte sich diese Krankheit vermutlich durch Fütterung mit Affenkadavern übertragen. Warum jedoch die Hühner mit Affenkadavern gefüttert wurden, konnte bisher trotz aller Forschungen nicht geklärt werden. Die weitere Krankengeschichte der erwähnten Berlinerin ist schnell erzählt. Während sie anfangs nur ihren Mann überfiel, wurde sie zunehmend aggressiv gegen jeden Anwesenden. Bald konnte sie ihren Stuhl nicht mehr halten und mußte gewindelt werden. jedoch blieb ihr Zustand in dieser Phase stabil und ist jetzt seit einem halben Jahr unverändert. Sowenig wie beim Spargelwahnsinn ein weiblicher Fall dokumentiert ist, ist beim Hühnerwahnsinn etwas von einem männlichen Opfer bekannt. Interessant ist vielleicht noch folgendes: Wie der Ehemann der Patientin berichtet, litt die Frau schon seit Wochen unter dem Alptraum, daß die ganze Wohnung dicht von Hühnern bevölkert wäre, die alle kleine Windeln trugen. Natürlich ahnte die Dame damals noch nicht, auf wie grausame Weise dieser Traum wahr werden würde, noch verringerte sie ihren Eierkonsum.

Über Haferflockenwahnsinn, Mohrrübenirresein, das sogenannte Karpfen-Blau-Syndrom und den großen Müsli- oder Corn-Flakes-Wahn sind durch die Verheimlichung der zuständigen Stellen noch immer keine gesicherten Daten veröffentlicht, außer halt das bißchen jetzt hier.

Zeichnung von Dorothee Mahnkopf

Copyright: Falko Hennig

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero

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