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Hans Duschke: Zurück zur Natur

Man sollte in eine Kommune auf das Land ziehen. Wie wär das? Das wär schön!

Gar nicht so teuer, ich hab da von ´nem Schnäppchen gehört, das könnte sogar ich mir leisten. Zwei Stunden von Berlin. Wir könnten versuchen, im Einklang mit der Natur zu leben, ganz undogmatisch.

In Berlin ruiniert man sich auf lange Sicht doch Verstand, Gesundheit und Charakter. Claudia berichtet von einer Backstube in Westdeutschland, wo sie so freundlich begrüßt worden sei, daß sie sich umgeblickt habe, ob da vielleicht die langverschollene beste Freundin der Verkäuferin stehe. Aber nein, der Gruß galt ihr.

Man sollte in eine Kommune auf das Land ziehen. Mit e-mail, fax und internet ist das doch überhaupt kein Problem mehr. Aber mit wem?

Mit mir!

Nee, nee, nimm das bitte nicht persönlich, aber mit dir möcht ich nicht. Ich find dich ja so ganz nett und alles, aber mehr als, sagen wir mal, zehn Stunden in der Woche könnte ich deine Gegenwart nicht ertragen.

Das geht mir genauso.

Aber ich hab´s zuerst gesagt. Man sollte in eine Kommune auf das Land ziehen.

Man sollte auf das Land ziehen. Wo der Umweltschutzgedanke schon Fuß gefaßt hat, wo ökologischer Landbau betrieben wird, und die Frauen Batikblusen tragen, wenn sie sich zu einem Konzert mit afrikanischen Rhythmen im nahegelegenen Kulturzentrum treffen.

Man könnte die Natur beobachten, die Vogelstimmen erkennen lernen, und die Baumarten, die Libellen beim Liebesspiel beobachten und in einsamen Seen baden. Im Mondenschein.

Wir könnten im Garten schöne Feste feiern, wenn uns die alten Freunde aus Berlin besuchen, zweimal im Jahr. Hier in der Stadt, den ganzen Lärm, die ganze Hektik: Du, das brauch ich nicht! Und selbst wenn... : Es gibt ja kaum noch einen Ort, an dem man nicht wenigstens die Autobahn rauschen hört.

Ein Kleingarten außerhalb Berlins: Haste da schon mal dran gedacht? Oder ´n Ferienhäuschen? Wenn man sich das zu acht teilt... Ja, ja, kaufen natürlich. Was dachtest du denn? Mieten? - Na ja, warum nicht. Oder einfach mal ´n Wochenende wegfahren, das würde mir schon reichen... Also ganz ernsthaft jetzt: Laß uns doch mal versuchen, ´n Termin zu finden... Wie wär´s übernächste Woche Donnerstag und Freitag? - Schade. Sonst siehst bei mir ganz schlecht aus... Wir könnten natürlich jetzt: Mauerpark, zum Beispiel, da is´ doch auch immer schön... Aber weißt du: Ich muß einfach mal raus aus der Stadt!

Zeichnung von atak

Copyright: Hans Duschke

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero
Nummer 18
Titelbild
Vorrede
Kurznachrichten: Schnipsel
Jürgen Witte: Encyclopedia Teutonica Andreas Scheffler: Im Schoße des Krans Horst Evers: Zukunftsfragment 13 Bov Bjerg: Volkstrauertag Ahne: Ins Museum Hans Duschke: Zurück zur Natur Horst Evers: Der Käfer Funny van Dannen: Das Trauma Sarah Schmidt: Gott Hinark Husen: Alltagsphänomene Gabi Schlaug: Rosi Bov Bjerg: Rausgeben Andreas Scheffler: Baggern für Ralf Sönke Lars Neuwöhner: Ein bißchen Inge Michael Stein: Als ich ein Genie wurde A. Ballert und M. Maurenbrecher: Offenes Künstlergespräch Falko Hennig: Der erste Joint Gustav Bewer: Informationsgespräch Bov Bjerg: Safari, süß und ehrenvoll Hinark Husen: Mein Kiwi Horst Evers: Probleme unserer Zeit I Hans Duschke: Meine Gespräche mit der Jugend Jürgen Witte: Aussterbende Produkte VI Horst Evers: Probleme unserer Zeit II
Victor Orloff: Geheimauftrag Aids - Folge XX
Kavara Bistroj: Der Ausländer
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