Gustav Bewer: Informationsgespräch
Neulich, Verlag Sowieso in Berlin, Redaktion Dingsbums, na, Sie wissen schon, irgendsowas. Dame am Telefon. Jung, hübsch, man hört´s an der Stimme. Obwohl man sich täuschen kann. Ich weiß ja auch nicht. Begrüßung - wir nuscheln Namen, also ich nuschle bißchen, sie sagt nur ein ausländisches Wort, soll ihr Name sein, schätze ich.
Ich: Ich bin Autor in Ihrem Heft, dem letzten da, Sommerausgabe oder so.
Sie: Ich weiß.
Ich: Wo bleiben denn bitte, Kollegin, die Belegexemplare? Habe schon Leserbrief bekommen, aber kenne das Heft gar nicht.
Sie: Ach ja, das muß ich Ihnen erklären: Wir kriegen ´nen neuen Teppich.
Ich: Was? Warum? Ich versteh nicht!
Sie: Na was was? Und wieso warum? Neuer Teppich eben! Was gibt´s da zu verstehen? So einen Stofffußboden, nach der Rechtschreibreform mit drei f. Und bei der Gelegenheit kriegen wir neue Computer.
Ich: Gratuliere!
Sie: Man dankt. Für den Computer müssen wir Leitungen legen.
Ich: Was Sie nicht sagen!
Sie: Eben. Und deshalb haben wir das Büro ausgeräumt. Alles verpackt, Sie verstehen?
Ich: Na, alles voller Kartons oder wie?
Sie: Korrekt, mein Gutster! Alles voller Kartons. Haben Sie grad Lust und Laune, einen vollen Flur zu sehen?
Ich: Als Schriftsteller hat man Phantasie, meine Liebe, danke ergebenst, und nichts für ungut!
Sie: In den Kartons sind übrigens Ihre Belegexemplare.
Ich: Warum? Wie kommen Sie denn darauf jetzt?
Sie: Wollten Sie das nicht wissen?
Ich: Oh ja, ja eben, ja Sie sagen es, ja was man nicht im Kopf hat...
Sie: ... haben wir im Karton. Sie hören wieder von uns! Und schönes Wochenende auch! Ciao!
Nun hab ich gar nicht gefragt, ob auch der Kammerjäger kommt, ob ich nochmal anrufe? Oder selber hingeh? Und wer kriegt die alten Computer?
