Vorrede
Nichts, lieber Leser! ist so groß oder so klein unter der Sonne - wie man von Alters her sagt, - oder unter dem Monde, - wie heutigen Tages die schönen Geister zu sagen pflegen, wie ich aber nicht sage, weil ich kein schöner Geist sein mag; denn, so wie du mich siehst, hab ich wohl Leute gefunden, die sich schöne Geister nannten: aber an denen war alles so kunterbunt, und so mächtig gekräuselt, und so verzweifelt hoch, und gar nicht ein bißchen so, wie bei anderen ehrlichen Leuten, daß ich nicht das zehnte Mal klug daraus werden konnte. (...) Nein, dafür lob ich mir die guten braven Leute, die so hübsch gerade vom Munde weg reden, daß es nicht kraus und nicht bunt ist, und doch hübsch herauskömmt. (...) - Also was ich sagen wollte: Unter der lieben Sonne (...) ist nichts so groß und so klein, davor nach einiger Leute Meinung nicht schon Bücher gemacht wären. Diese einigen Leute müssen doch wohl nicht recht zugesehen haben, denn ich habe in allen Buchläden fleißig nachgefragt...
Johann Gottwerth Müller 1779
...und dann hat der alte Fuchs doch noch etwas gefunden, von dem er dem ›Publico‹ Mitteilung machen muß.
Ja, so sind sie, die Schriftsteller. Seiten vollschreiben und so tun, als ob's weiß Gott wie wichtig wäre.
Den Salbader erreichen neuerdings auch mannigfaltig gekräuselte Einsendungen lyrischer Art (z.B.: »Verge_lichkeiten / in T|cher gebunden in makellos wei_e / duften die Erinnerungen an Zdhne / Lachen / Ku_ der ins Blut / Wdrme sandte«), die so verzweifelt hoch, aber von der Unzulänglichkeit der Übertragungstechnik im Internet kunterbunt gezeichnet bei uns ankommen.
Liebe Leserin, lieber Einsender, lest im Salbader, und Ihr werdet feststellen, wir mögen's, wie der Müller schon vor zweihundertzwanzig Jahren, immer ›hübsch gerade vom Mund weg‹.