Bov Bjerg: U-Bahn im internationalen Vergleich
Kalkutta
Die U-Bahn von Kalkutta kennt sechs Klassen. Die zweite Klasse ist für die Brahmanen-Kaste, die dritte für die Adels-Kaste, die vierte für die Bauern-Kaste, die fünfte für die niederste, die Schudra-Kaste. Die erste Klasse ist für die Kühe, was oft zu großen Problemen führt, da die Bauern drei Waggons weiter hinten fahren müssen. Die Unberührbaren dürfen die U-Bahntunnel nur zu Fuß benutzen. Auch das führt oft zu großen Problemen. Der Einzelfahrschein kostet zwischen 50tausend Rupien für die Unberührbaren und zwei Millionen Rupien für die zweite Klasse. Die Kühe fahren umsonst, deshalb ist das so teuer.
Teheran
In Teheran fahren jede Stunde zwei U-Bahnen im Abstand von zwei Minuten. In der ersten U-Bahn die Männer, in der zweiten die Frauen und die Einkaufstüten. Das ist wegen dem Islam. Auf den U-Bahnhöfen bieten die Penner ein tristes Bild. Seit Schah-Zeiten altgediente Säufer erkennt man daran, daß sie ihre ganze Phantasie darauf verwenden, allerlei Vorrichtungen zu ersinnen, mithilfe derer sie trotz abgehackter Hände aus Bierdosen trinken können. Das ist ziemlich schlimm, denn wie wir alle wissen, sind Getränkedosen nicht gerade umweltfreundlich, zumal auf Teheraner U-Bahnhöfen der Müll noch nicht getrennt gesammelt wird.
Paris
In der Eiffelturm-Stadt erwirbt man mit dem Fahrschein für 90 Franc, umgerechnet 30 Mark, ein Croissant, eine Flasche Beaujolais und eine Musikkasette mit mindestens 40 Prozent französischer Musik drauf. Die Stadt Paris verfügt mit den U-Bahn-Linien Paris-Dakar und Albert-Paris-Gütersloh über zwei der längsten Strecken der Welt. Aber von Nahverkehr im eigentlichen Sinne kann hier nicht mehr die Rede sein.
Tokio
Die Bahnhofsdecken sind für europäische Verhältnisse ungewöhnlich niedrig, ungefähr 1 Meter 60. Der Preis des Fahrscheins errechnet sich aus der in Tokio üblichen Vergleichsmiete von 20tausend Mark pro Tag und Quadratmeter. Eine halbstündige Fahrt kostet also umgerechnet etwa 208 Mark 33. Dafür wird aber auch in wohl keiner anderen Stadt der Welt die U-Bahn-Fahrt ähnlich zelebriert wie hier. Nachdem der Kunde einen Fahrschein erstanden hat, begibt er sich ins Badehaus, das zwischen dem U-Bahn-Eingang und dem Bahnsteig liegt. Bezaubernde Geishas servieren Sake und Sushi. Nach einer Stunde in 95 Grad warmem Wasser und einer weiteren Stunde Massage und Hautabpellen zieht der Fahrgast die bereitgestellten frischen U-Bahn-Puschen an und setzt sich auf eines der Kissen im Waggon. Am Ausgang erhält er von seiner persönlichen Fahrgastbegleiterin seine Straßenschuhe zurück, und wenn er möchte, darf er sie gegen einen kleinen Aufpreis begatten. Die Begleiterin, nicht die Schuhe. Schuhe zu begatten gilt in Japan als schlimmer Fauxpas.
Berlin
BVG. Na prima.
