Horst Evers: Wohnungseinrichtung
Ich kenne Menschen, die meine Wohnung kennen, die einfach anfangen zu lachen, wenn ich einen Satz beginne mit:
»Meine Wohnungseinrichtung...«
»Deine was?«
»Meine Wohnungseinrichtung.«
»Du meinst, die Sachen, die in deinem Zimmer rumstehen?«
»Meine Wohnungseinrichtung.«
»Mann, Wohnungseinrichtung, das kommt von Einrichten. Man richtet darüber, wo warum welches Möbelstück steht. Du aber bist für deine Wohnung Richter und Henker zugleich. Sag lieber Wohnungshinrichtung.«
»Das stimmt nicht, ich habe mir viele Gedanken über meine Wohnungshinrichtung...«
»Hör mal, ich weiß noch genau, wie ich dir vor acht Jahren beim Einzug geholfen und gefragt habe: Wo soll der Tisch hin? Und du hast gesagt, stell einfach irgendwo ins Zimmer, wo Platz is. Der Tisch steht heute noch genauso da. Nach acht Jahren. Wohnungseinrichtung!«
»Naja, um ehrlich zu sein, es wäre mir lieber gewesen, du hättest ihn etwas näher zur Wand gestellt. Er steht oft ziemlich im Weg. Wenn ich abends das Licht ausmache und zum Bett gehe, stoße ich immer nochmal gegen den Tisch. Seit acht Jahren schlafe ich immer mit einem schmerzenden Knie ein. Ich hab mich schon richtig daran gewöhnt. Als ich kürzlich im Supermarkt von einem fremden Einkaufswagen einen Schlag gegen das Knie bekam, bin ich sofort eingeschlafen. Ich muß noch ein paar Schritte gegangen sein und hab mich dann in die Tiefkühltruhe gelegt. Blöde Situation gewesen das.«