Funny van Dannen: Die Geschichte der Arbeit
Wie ich bereits in einer früheren Geschichte ausführlich aufgeschrieben habe, waren Adam und Eva gar nicht die ersten Menschen. Nun hat sich vor einigen Wochen ein weiterer Irrtum aufgeklärt: Eva hieß gar nicht Eva, sondern höchstwahrscheinlich Ekla oder Elke. Deshalb ist in der folgenden Geschichte auch von Adam und Elke die Rede, soviel vorweg.
Als Gott die Welt erschuf, hatte er an alles gedacht, nur nicht an die Arbeitsplätze! Adam und Elke waren also von Anfang an arbeitslos, und sie wußten gar nichts mit sich anzufangen. Den ganzen Tag hingen sie auf einem Baum herum und spielten mit seinen seltsamen Früchten. Nachts konnten sie vom vielen rumhängen nicht einschlafen. »Warum fickt ihr nicht ein bißchen?« schlug Gott drum hin und wieder vor. Dann fickten sie ein bißchen. »Ach Scheiße!« rief Elke irgendwann nach Mitternacht. »Laß uns ein Arbeitsamt aufmachen, dann ist uns nie mehr langweilig!«
Also bauten Adam und Elke in den nächsten Jahren ein supermodernes Arbeitsamt mit Alpenveilchen vor dem Eingang und überall Salzstangen. Als alles fertig war, bezogen sie ihre Büros und warteten auf Arbeitslose von nah und fern.
Es kamen aber nur die Heiligen Drei Könige, mit denen wir ja bei der bisherigen Geschichtsschreibung erst viel später rechnen. Sie wollen Wasser für ihre Kamele und frische Peitschen für die Sklaven. Als sie wieder weg sind, haben die Kamele alle Alpenveilchen abgegrast. Auch Gott ist traurig. Er verspricht, neue zu besorgen, und kommt am nächsten Tag mit Stiefmütterchen aus Afrika zurück, naja.
Adam und Elke sitzen in ihren Büros und denken an die schöne Zeit auf den Bäumen zurück. Sie sehnen sich nach den seltsamen Früchten und werden melancholisch. Da wird es Gott zu bunt! Er schmeißt die beiden raus: »Den ganzen Tag auf dem Arbeitsamt rumhängen und auch noch melancholisch werden! Haut ab, und laßt euch hier nie wieder blicken!«
Adam und Elke werden böse. Sie haben das schöne Arbeitsamt mit eigenen Händen aufgebaut und wollen es nicht verlieren. Sie spucken Gott vor die Füße, immer wieder, bis ihre Münder trocken sind und die Mundwinkel einzureißen drohen. Herpesbläschen bilden sich auf ihrer Haut.
»Ihr habt Fieber«, sagt Gott.
Seine fiesen Tricks scheinen zu greifen. Adam und Elke fallen auf die Knie, und Gott lächelt schon zufrieden. Da hört er, daß die beiden gar nicht richtig beten, sondern immer nur »Arschloch« murmeln. Gott überlegt, wie er den Widerstand brechen könnte. Er zeigt ihnen herrliche weiße Strände, Luxushotels mit Delphinen (die damals noch an Land lebten) als Bedienung und Begleitung. Adam und Elke bleiben hart. »Ich verstehe euch nicht«, sagt Gott. »Auf dem Arbeitsamt langweilt ihr euch zu Tode!«
»Zu Tode!??« Die beiden Menschen horchen auf.
Sie hatten noch nie etwas vom Tod gehört, und eigentlich hatte Gott damit noch etwas warten wollen. Nun war es ihm herausgerutscht! Er erklärte ihnen die Sache mit dem Tod, und Adam und Elke lachten sich schlapp. Sie spielten Totsein. »Das ist ja wie auf dem Arbeitsamt rumhängen«, rief Adam.
Da hatte Gott die Schnauze voll von seinen Kreaturen.
Er sprang in sein Solarmobil und ließ die Erde ganz schnell hinter sich zurück. Seitdem wird über seine Rückkehr spekuliert. Adam und Elke aber stellten bald schon fest, daß sie, wie von Gott vorhergesagt, tatsächlich älter wurden.
Sie entdeckten ein Fältchen nach dem anderen und machten sich ernsthaft Sorgen, eines Tages wirklich tot zu sein.
Es waren quälende Gedanken, die sie verrückt zu machen schienen. Sie rannten auf eine Lichtung hinaus und fingen an, die Erde zu verhauen. »Dreckige Erde!« brüllten sie wie von Sinnen. »Gemeine Erde! Deiner Anziehung haben wir unsere Schwermut zu verdanken! Ohne dich würden wir fliegen wie Raketen oder kreisen wie die Geier. Sauerde, Schweineerde!« Sieben Tage verprügelten Adam und Elke die Erde, und am achten Tag kam ein kleines Auto angerumpelt. Es war ein DAF. Ein kleiner Holländer stieg aus und schenkte Adam und Elke Gladiolensamen. Er zeigte ihnen, wie man die Samen in das Erdreich steckt. Es waren schnellwachsende Turbogladiolensamen, und nach zwei Tagen war der kleine Holländer wieder da, nun mit einem Truck. Er nahm die Gladiolen mit und gab Adam und Elke dafür je 500 Gramm geschnittenen jungen Gouda. Eine neue Welt tat sich für die beiden auf!
Nun war der Tod kein Thema mehr. Nach wenigen Wochen zogen Adam und Elke nach Belgien und fuhren nur noch zum Arbeiten ins Paradies. Das Arbeitsamt verkauften sie für viele Gulden an einen Lebensmittelmulti, der es zum Forschungszentrum ausbaute. An früher erinnern nur noch die Stiefmütterchen am Notausgang. Dort hängen auch zwei Bilder des niederländischen Minimalisten Jan van Houten. Das eine heißt ON, das andere OFF.
Beide sind dezent signiert.