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Kurznachrichten: Gabelbissen

Hausputz 1 - Grobreinigung

(Horst Evers) Wenn das Gerümpel und der Müll, die in meinem Zimmer rumliegen, soviel geworden sind, daß man alle künstlichen Erhebungen wie Tisch, Stuhl, Bett und Schreibtisch mit bloßem Auge nicht mehr als Erhebung erkennen kann, dann ist es Zeit zum Aufräumen.

Erst recht, wenn Tisch und Stuhl innerhalb des allgemeinen Chaos schon mehr wie Mulden wirken.

Bei einem durchschnittlichen, über ein halbes Jahr angesammelten, flächendeckenden Gerümpelberg in meinem Zimmer unterscheide ich zwischen folgenden Schichten: die oberste Schicht meines Ablagesystems besteht aus neuzeitlichen, kaum beschädigten Sachen, die noch voll nutzbar sind. Die mittleren Schichten nenne ich Jurazeugs, Kreidekrams und frühes Müllozän. Die unterste Schicht ist im Regelfall durch monatelanges Festtreten bereits zu einer recht brauchbaren Braunkohle evolutioniert, die ich in kleinen Fläzen aus dem Boden heraussteche und an Freunde mit Ofenheizung verkaufe - ein lukrativer Nebenverdienst.

Marco Polo-Anekdote

(Andreas Scheffler) Wie vor kurzem bekannt wurde, wird dem Fernreisenden Marco Polo die Erfindung des Polospiels vollkommen zu Unrecht zugeschrieben. In Wahrheit hat Herr Polo diese Sportart lediglich auf einer seiner Ostasienreisen der einheimischen Bevölkerung abgeguckt, die es allerdings auf Dromedaren reitend spielte. Ebenfalls nur wenigen bekannt ist, daß Marco Polos Mutter in zweiter Ehe einen Herrn Naise heiratete. Diese Frau Polo-Naise entwickelte während ihrer sehr launigen Hochzeitsfeier den gleichnamigen Gesellschaftstanz. Marcos Stiefbruder Majo übrigens, gelangte später ebenfalls zu einiger Berühmtheit.

Erwachsen werden

(Jürgen Witte) Eine junge, hübsche Tresenkraft in der Kalkscheune, gefragt, was sich denn nach ihrem 18. Geburtstag nun ändern werde, antwortete spontan, sie wolle im Laufe der folgenden zwölf Monate endlich erwachsen werden.

»Dann mußt du dich aber auch von deinem Pferd trennen«, warf ihre etwas ältere, lebenserfahrenere Kollegin ein.

Erwachsen werde, das hatte sie leichtfertig dahingesagt, als ginge es dabei nur um einen innerpersönlichen Verwaltungsakt, die Beschlußfassung über einen neuen Grundlagenvertrag zwischen Ich, Es und Über-Ich. Man schläft eine Nacht drüber und schon ist man erwachsen. Plötzlich standen ihr die Konsequenzen dieses Reifungsprozesses klar vor Augen.

»Aber mein Pferd ist doch so lieb, und groß...« verteidigte sie sich halbherzig. Dann schwieg sie. Sie wußte, ihre Kollegin hat recht. Junge Mädchen verlassen ihre Pferde, wenn sie erwachsen werden.

Weshalb ich immer blau bin

Jeden Tag gehe ich und kaufe ihr Lieblingsbier ein. Aber sie kommt nicht.

(Roland Oelfke)

Hausputz 2 - Abwasch

(Horst Evers) Wohl jeder Mensch hat Hausarbeiten, die er gerne macht, und solche, die er nicht so gerne macht. Das ist auch bei mir nicht anders. Gerne mach ich: Kaffee kochen, Tisch decken und Abwaschen. Alles andere mach ich nicht so gerne.

Abwaschen entspannt, find ich. Außerdem ist ein großer Abwasch sowas wie ein gut geführtes Poesiealbum. Jeder Teller mit verkrusteten Essensresten bringt die Erinnerung zurück an die glücklichen, manchmal geselligen Stunden des jeweiligen Essens.

Wenn ich besonders lecker gekocht habe, hol ich mir in der Regel noch zwei frische Teller aus dem Schrank und schmiere sie mit etwas von der Sauce ein, damit ich beim Abwasch länger was zum Erinnern habe. Bei extrem leckeren Mahlzeiten drück ich sogar noch ein paar Reste in die Zitronenpresse, weil die abzuwaschen, dauert immer extrem lange.

In der Straßenbahn

(Andreas Scheffler) Ich fahre in der Straßenbahn und fühle mich sicher, denn ich habe vorher eine Fahrkarte erworben. Bei solchen Gelegenheiten wünsche ich mir immer, daß auch eine Kontrolle stattfindet, und tatsächlich - es geschieht. Ich zeige meinen ordnungsgemäß abgestempelten Fahrschein, der junge Mann neben mir, ein Mensch mit einer lustigen Mütze, schaut verlegen und erklärt: »Tut mir leid, ich fahre schwarz.« - »Tcha«, sagt da die Kontrolleurin, »das macht dann 60 Mark.« Darauf er: »Und Kurzstrecke?«

Das Gartencenter Eden

(Jürgen Witte) Eine sechzehnjährige erzählt einen alten Politiker-Witz mit Petrus und dem Paradies. Nachdem die Himmelspforte durchschritten ist, schmückt sie die Handlung etwas aus. »Das Paradies ist natürlich voll geil,« sagt sie, »alles kostenlos und so!«

Manchmal bin ich total schräg drauf

Dann denk ich mir: »Ey, soll´s das jetzt gewesen sein?« Dann pfeif ich auf das ganze Sicherheitsdenken und mach total verräckte Sachen. Zum Beispiel mit ´nem Kurzstreckenfahrschein vier Stationen weit fahren, solche Sachen. Allerdings ist man heutzutage ganz schön allein, wenn man nicht so´n 08/15-Leben führt. Und jetzt lassen einen sogar die Punks im Stich. Es war so´n junger. Wie aus´m Bilderbuch. Grüne Haare, im Gesicht Metall, zerrissene Klamotten: »Haste mal ´ne Zigarette? - Haste noch eine? Für morgen?«

»Wie, für morgen?«

»Na, für morgen.«

»Für morgen? Was bist´n du für´n Punk?«

»Wie, was fürn Punk?«

»Ich denk, Punks leben nur so in den Tag hinein?«

Mir geht´s echt nicht um die Zigarette, sondern ums Prinzip. Wenn sich schon Punks verhalten wie die Eichhörnchen, dann ist doch was faul. Mich beschleicht ein schrecklicher Verdacht: »Sag mal, hast du womöglich auch ´ne Umweltkarte?«

»Logo.«

Tja, so sieht´s aus. Schlimm.

(Bov Bjerg)

Klonen - Macht alle mit

(Jürgen Witte) Abgesehen von Michael Jackson wird es bald quasi jedem Menschen möglich, sein eigenes Ebenbild auf natürlichem Wege wiederzuerschaffen.

Verschlußsache

(Hans Duschke) Wir Menschen können schon seit 20 Jahren mit den Delphinen kommunizieren. Die Forschungsergebnisse sind nur geheim gehalten worden, und ich will Euch verraten warum.

Die ersten Gespräche zwischen Mensch und Delphin waren noch recht einfacher Natur, also etwa: »Hallo, wie ist das Wasser?« - »Wunderbar, komm doch auch rein!« Nach einigen Jahren aber waren die Übersetzungsprogramme ausgereift; die gesamte Bandbreite menschlich-delphinischen Miteinanders lag vor uns. Dabei stellte sich dann leider heraus, a) daß die Delphine uns nicht ausstehen können und b) daß es sich bei den Delphinen um eine Bande besserwisserischer Langweiler handelt, fanatische Nichtraucher ohne Sinn für Humor. So sind Delphine. Wenn das bekannt geworden wäre, sie wären längst ausgerottet. Und darum ist es vielleicht besser, wenn diese Geschichte unser Geheimnis bleibt.

Tresengespräch 1 - Männertheorien

Hinark: Wenn ich noch ein Bier trinke, bin ich betrunken.

Horst: Das war jetzt unpassend.

Hinark: Wieso?

Horst: Hättest Du das vor zwei Bieren gesagt, hätte es gestimmt, jetzt ist es unpassend.

Hinark: Moment, ab wann ich betrunken bin, entscheide immer noch ich.

Horst: Das galt vielleicht noch vor zwei Bieren, jetzt liegt diese Entscheidung nicht mehr in Deiner Hand.

Hinark: Der Zigarettenautomat ist auch leer.

Horst: Mensch, mensch, mensch, wo soll das nur alles enden.

Hinark: Ganz genau, es geht alles den Bach runter in diesem Land.

Horst: In diesem Land? Auf der ganzen Welt. Ich sage nur: Nahost-Friedens-Konferenz.

Hinark: Genau, Nahost-Friedens-Konferenz. Da sagste was; geht alles den Bach runter.

Horst: Hinark: Du bist einer der wenigen Menschen, mit denen man sich heute noch richtig über Politik unterhalten kann.

(Horst Evers)

Völkerfreundschaft

(Jürgen Witte) Es ist zwar schon dunkel, aber so betrunken fällt sie in dieser frühen Abendstunde auf, wie sie gebrochen deutsch krakeelend in die S-Bahn Richtung Wannsee stolpert. Das hier jetzt Freiheit sei, das betont sie immer wieder, und dann stellt sie sich plötzlich einem frühen BZ-Verkäufer in den Weg.

»Du kommst hier nicht durch!« herrscht sie ihn an. Der dunkehäutige Inder reagiert unsicher, behält aber sein landestypisches Lächeln auch dann noch auf den Lippen, als sie ihm unverholen Schläge androht. »Ist Schluß mit Ausländerpower und so«, kreischt sie höhnisch lachend, »das ist hier für deutsch-polnische Menschen, verstehst du!«

Warum der Sommer blöd ist

Männer, wie Maden so blaß, in Shorts und Sandalen, T¨rkenjungs die ihre Hormone über das Gaspedal ihrer häßlichen Autos loswerden, Frauen, die ihre T-Shirts danach aussuchen, ob man ihre mißlungenen und irgendwie keltische Tatoos auf der Schulter sehen kann, keinen Platz im Cafe bekommen, weil alles von Müttern mit 1-3jährigen Kindern besetzt ist, häßliche Sonnenbrillen, meine fette Nachbarin nur im Bikini auf ihrem Balkon.

Ist das wirklich besser, als wenn es regnet und einem dies alles erspart bleibt?

(Sarah Schmidt)

Hähnchen werden auch nur jung gegessen.

(Jürgen Witte) Da sitzen zwei vielleicht 17 jährige Möchtegern-Männer auf dem Weg zum workout im Bus, und reden ganz ernsthaft darüber, daß sie im Laufe des Jahres noch mindestens drei bis fünf Kilo zunehmen wollen. Kontrollierte Mästung, um ihr ideales Schlachtgewicht zu erhöhen. Ohne die Zufütterung von Eiweißpräparaten wird das nicht zu erreichen sein, meint der eine kritisch.

Mit 20 sind sie dann vielleicht soweit zufrieden mit ihren Muskeln. Aber man kann nicht einfach aufhören, und der body bleibt dann so. Ein Körper, der täglich 4000 Kalorien aufnimmt, weil das für den Sport gebraucht wird, der gibt sich nicht plötzlich mit der Hälfte zufrieden. In einigen Jahren wird ein ganzer Haufen dicklicher Ex-Muskel-Männer die Strassen bevölkern. Man wird einen anglophilen Namen für sie erfinden, die Fitneßstudio-drop-outs.

Zwei Geschäftsleute

(Bov Bjerg) Der jüngere versucht, auf die leutselige Tour Punkte zu machen und erzählt lautstark einen Witz: »Woran erkennt man den Papst in der Sauna?« Pause. Ah, eine Zote. Da bin ich ja mal gespannt. »Russische Eier sind grmblpffft.« Leider vernuschelt er die Pointe. Der Adressat verzieht keine Miene. Aber was stimmt denn nun nicht an dem Witz, verdammte Kiste? Ich überleg und überleg und komm nicht drauf. Drückend liegt das Schweigen im Abteil. Da ruft mit rotem Kopf die Scherzkanone: »Ach nee, polnische, polnische!« Genau, das war´s. Polnische.

Im Baumarkt

(Horst Evers) Ich hab´s eilig. Wenn ich´s eilig habe spreche ich nicht immer unbedingt druckreif. Erst recht nicht, wenn ich nicht genau weiß, wie das, was ich haben will, eigentlich heißt. Deshalb bin ich aber noch lange kein Idiot.

Frage einen Verkäufer:

- Entschuldigen Sie, wo haben Sie denn diese weißen Dinger, zum wo man damit die Kabel festmacht?

- Die was?

- Na diese weißen Plastikdinger mit ´nem Nagel drin, zum damit die Kabel an die Fußleisten festnageln zu.

- Sie meinen Kabelschellen?

- Ja, Kabelschellen, die mein ich, mir war das Wort entfallen, deshalb bin ich aber noch lange kein Idiot! Wo sind die?

Er lächelt mich überlegen an, und sagt dann genießerisch:

- Die sind unten bei die Regale, wo die Eisenwaren mit drinne sind, mit bei.

- Danke.

Fluch des Fortschritts

(Andreas Scheffler) An der Straßenbahnhaltestelle geht ein junger Punk mit einer Bierdose in der Hand jammernd auf und ab. Alle Vorübergehenden werden von ihm angesprochen, denn sämtliche Wartende hat er bereits mit der Frage bedrängt: »Geben Sie mir mal kurz ihre Telefonkarte; ich muß dringend telefonieren?« Niemand kommt seinem Wunsch nach. Ich selbst besitze keine Telefonkarte, und ich bin auch nicht sicher, ob ich sie ihm zur Verfügung gestellt hätte. Mit drei Groschen wäre das kein Problem gewesen. Aber hier gibt es nur Kartentelefonzellen. Fünf Minuten verfolge ich das Geschehen, da bemerke ich, wie seine Stimmung umschlägt. Aus Jammern wird Zorn. »Ich töte euch alle«, bricht es aus ihm heraus, »ich werde euch alle töten! Ich könnte mir eine Atombombe kaufen. Ach was, ich kaufe mir zwei Atombomben. Und dann töte ich euch alle.« Keiner nimmt ihn ernst, ich aber werde nachdenklich. Ist die Umstellung von Münz- auf Kartentelefone wirklich solch ein Fortschritt?

Tresengespräch 2 - Männertheorien

Horst: Sag mal Hinark, was hälstn Du von Arnold Schwarzenegger?

Hinark: Von Arnold Schwarzenegger?

Horst: Ja.

Hinark: Naja, vonner Bettkante stoßen würd ich den nich.

Horst: Das würdeste ja wohl auch kaum schaffen, wa? Nee, so meint ich das nich. Ich meinte, was hälstn von seine Filme? Haste schon Eraser gesehn?

Hinark: Nee, guck ich mir auch nich an. Du etwa?

Horst: Nee, issn scheiß Film.

Hinark: Ja, issn scheiß Film. Irgendwie is´ dieses Action-Kino meine Sache nicht mehr.

Horst: Wieso?

Hinark: Ich hab das Gefühl, das Action-Kino nimmt dieselbe Entwicklung, wie die Pornofilme.

Horst: Kenn ich mich nicht so mit aus.

Hinark: In den 70er und 80er Jahren waren die Pornofilme eine Ansammlung von Fickszenen, die verzweifelt durch eine total haarsträubende Handlung zusammengehalten wurden, ab Ende der 80er Jahre dann haben sie ganz auf die Handlung verzichtet und nur noch sinnlos Fickszenen hintereinander geschnitten.

Horst: Was du alles weißt.

Hinark: Ich glaube dem Action-Kino wirds genauso gehen. Im Moment versuchen sie noch die Explosionen durch eine haarsträubende Handlung zusammenzuhalten, aber demnächst werden die auch nur noch Explosionen hintereinanderschneiden. Wie bei den Pornofilmen. Die Zielgruppe ist ja auch quasi diesselbe.

Horst: Gut möglich.

(Horst Evers)

Business as usual

(Jürgen Witte) Der Teenager-Piepser Quix zeigt auf einem Werbeplakat eines seiner poppigen Geräte mit der jugendkompatiblen Nachricht: »Ich krieg noch fünf Mark, Jan «

Wer mit zehn Jahren schon ein Knax-Kinder-Konto hat, der lernt eben früh den Umgang mit Geld und treibt auch seine Schulden unerbittlich ein. Leider hat dieser zukünftige Geschäftsmann gerade mindestens die Hälfte der schmerzlich vermißten fünf Mark an Gebühren für diese Mitteilung verballert. Allerdings auf die Telefonrechnung der Eltern, falls er seine Geschäfte noch von zu Hause aus erledigt.

Copyright: Salbader.-Redaktion
Mitwirkende: Horst Evers, Andreas Scheffler, Jürgen Witte, Roland Oelfke, Bov Bjerg, Hans Duschke, Sarah Schmidt

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero

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