Horst Evers: Drogen jenseits des Mainstreams
Viel wird über immer neue Modedrogen berichtet. Quasi jedes verunglückte Experiment eines Chemielaboranten findet mittlerweile seinen Weg in die Technohöhlen und Tanzkurse der Hauptstadt. Was jedoch ist mit den Drogen jenseits des Mainstreams? Sind diese harmloser oder womöglich noch viel gefährlicher als die bekannten Stimmungsmacher? Ein erschütterndes Beispiel sollte uns zu denken geben.
An einem düsteren, sehr geheimen Ort treffen wir den charmanten, attraktiven, gutgekleideten 24jährigen Horst E. (Alter und Aussehen von der Redaktion geändert). Doch hinter der äußeren Fassade des Musterschwiegersohns lauert ein furchtbares Geheimnis:
»Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll. Ich bin, ich bin, also ich bin süchtig nach wenn der Bus kommt. So, jetzt isses raus. Mein erster Bus war der 126er. Damals hieß er noch 26er und fuhr vom Mierendorffplatz zur Bornholmer Brücke. Es war Winter, arschkalt und schneite. Ich stand an der Haltestelle Seestraße Ecke Amrumer und dachte nur: ›Man is' das kalt, wann kommt denn endlich der scheiß Bus, müßte längst hier sein‹, und als ich gerade dachte, ›so, jetzt muß ich erfrieren‹, da kam der Bus. Groß und gelb leuchtete er auf. Und ich war nur noch glücklich, so unbeschreiblich glücklich, ich fühlte in mir nichts als eine riesige Freude. Von diesem Moment an war ich süchtig nach wenn der Bus kommt.
Heute bin ich oft stunden-, ja tagelang unterwegs. Ich fahr immer eine Station, steig aus und warte auf den nächsten Bus. Mein längster Trip waren mal zweieinhalb Monate. Das waren der 135er, der 154er und der 189er, von Kladow nach Adlershof!«
Horst E. ist kein Einzelfall. Tagtäglich warten Tausende von süchtigen Berlinern an ihren Haltestellen auf den nächsten Bus. Horst E.s Lebensgefährtin, Mutter von zwei Kindern, ist verzweifelt:
»Die Kinder fragen oft, wo is' Papa? Und dann muß ich sie anlügen. Ich sage dann: der is' in der Kneipe und besäuft sich. Ich kann ihnen doch nicht sagen, der ist bussüchtig, das würden sie doch nicht verstehn.«
Hauptdealer und Nutznießer dieser Sucht ist die BVG. Erst vor kurzem hat sie wieder beschlossen, die Warte- und Taktzeiten zu verlängern, um die Abhängigkeit der Bussüchtigen zu verstärken.
Horst E.: »Ein Einzelfahrschein zu dreisechzig reicht für sechs Trips. Klar wäre eine Monatsfahrkarte günstiger. Aber wenn du erstmal auf Monatskarte bist, kommste da nie wieder runter.«
Wohin die Fahrscheineinnahmen, diese Millionen schmutzigen Geldes der BVG gehen, ist unklar. In die Schweiz? Nach Südamerika? Man munkelt von gigantischen, bizarren Festen der BVG-Oberen in ihren geheimen, schwerbewachten Grunewaldvillen. Mit goldenen Bussen, die dort alle fünf Minuten durch den Garten fahren. Aber bewiesen ist nichts. Wir bleiben dran.
Demnächst: Geld macht nicht glücklich, aber reich!
