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Bov Bjerg: Frühstück, gemeinsam, das letzte

Croissant, Butter, Kaffee. Mit drei Döschen Milch.

Nur Büffet? Wie jeden Sonntag? Tja, ich war schon lange nicht mehr hier.

Das muß gewesen sein, als, warten Sie... Na, jedenfalls stand da die Mauer noch. Frühstücken zu gehn, gehört ja doch eher in die achtziger Jahre, nicht? Seltsame Marotte. ›Ich trink Kaffee im Morgenrot‹, lalala.

Das können Sie auch nicht kennen. Das warn Hit, da haben Sie noch in die Windeln…

Arrogante Schnepfe. - Ich geh mit der Bedienung eben etwas unverkrampfter um als du. Außerdem: Wer wollte denn unbedingt hierher? Bei mir zuhause vertrocknet das Sonnenblumenbrot, aber Madame will unbedingt frühstücken gehen.

Schrippen von gestern sind auch noch da. Die hätte man ohne Probleme aufbacken können. Marmelade, Butterkäse, steht alles im Kühlschrank. Aber gut, dann zahlen wir halt zweimal 15 Mark und essen, soviel wir wollen. Kaffee gratis? Na, da wird mein Herz aber flattern, wenn du mich nachher hier rausrollst.

Das hat mit Schwabe sein überhaupt nichts zu tun. - Na prima, das Büffet steht in der prallen Sonne! Guck dir mal den Käse an, wie der schwitzt. Der ist schon ganz weiß. Und die Schlagsahne, so gelb und grieselig. Wie ne Schüssel voller Mitesser.

Jetzt sei doch nicht so empfindlich. Hat doch niemand gehört.

Nein, du bist nicht niemand.

Hör mal, nach dem Frühstück bin ich der freundlichste, geschmackvollste Mensch auf der Welt. Da darf ich wohl vorher...

Stinkstiefel, ganz richtig. Beschimpf mich nicht, sondern tu dir was auf den Teller, solange noch was da ist. - Entschuldigung, aber wie Sie vielleicht gesehen haben, steckte meine Gabel als erste im Spargel.

Eben, weil es der letzte Spargel ist.

Ich habe alle Zeit der Welt.

Na also, geht doch. Man muß nur mit den Leuten reden.

Da vorne scheint die Sonne, und wir sitzen hier hundert Meter weiter hinten im Dustern, an der Tür zum Klo. Hast du dir das so vorgestellt? Wenn ich mir ein paar mal Nachschlag geholt hab, da vorn, dann hab ich mich aber genug bewegt für heute.

Die Hasenheide läuft uns nicht davon. Da können wir nächsten Sonntag noch genug spazieren gehen.

Hast du hier irgendwo Zeitungen gesehen?

Danke, sehr nett von dir. Aber die ›Bild am Sonntag‹ wär mir lieber. Dann hält mich hier wenigstens niemand fürn Studenten.

Hör mal, worüber soll ich mich denn mit dir unterhalten? Ich bin gerade erst aufgestanden. Ich hab heut noch überhaupt nichts erlebt.

Ich erinnere mich nie an meine Träume. Und die, an die ich mich erinnere, die kann ich dir nicht erzählen.

Kinder, geht woanders spielen.

Ja, mit der Klotür wedeln, das ist lustig. Und wie das lecker da raus riecht.

Du weißt genau, daß ich nichts gegen Kinder habe. Einige meiner besten Freunde waren früher Kinder.

Rente? Andersrum wird 'n Schuh draus: Ich hab hier den Lärm und das Gegacker, und die da vorne in der Sonne kassieren das Kindergeld. Von meinen Steuern.

Du hast die Mehrwertsteuer vergessen. Die zahl ich ja wohl.

Kinder, warum seid ihr nicht zuhause und guckt die Sendung mit der Maus?

Ihr habt aber eine böse Mama.

Da brauchst du jetzt doch nicht zu weinen.

Ob das pädagogisch so viel wertvoller ist, die Bälger stattdessen in die Kneipe zu schleppen?

Pädagogisch? Das heißt, ähm...

Puh, weg sind sie. Danke. Gut, daß ich so'ne gebildete Begleiterin habe.

Guck doch nicht immer so aufdringlich da rüber.

Natürlich ist das schön, wie sie turteln. Männer, die sich ihre Gefühle zeigen, sind immer schön anzuschauen.

Nee, die haben sich gestern abend das erste Mal gesehen. Richtig verliebt sind sie jedenfalls nicht. Merkt man doch, daß die gar nicht wissen, worüber sie reden sollen.

Weil sich das eben so gehört, nach 'ner gemeinsamen Nacht frühstücken zu gehen und ein bißchen Konversation zu machen. Damit keiner denkt, der andere würde ihn auf das rein Sexuelle reduzieren. Das nimmt den Ereignissen der Nacht ihre Triebhaftigkeit und hebt rückwirkend das Ficken gleichsam auf eine höhere kulturelle Stufe.

Was soll denn das nun heißen? Schwule sind eben von Haus aus kultivierter als Heteros.

Hast du das gehört? Igitt. Aber jetzt, wo man's weiß, daß der Typ in Immobilien macht, sieht man es sofort.

Pfui Gack. Mir kommt gleich die Galle hoch. Da kann der noch so schwul sein.

Du hast angefangen, da hinzuhören, nicht ich. Na, wenn der sich so darstellen muß, dann kann die Nacht ja so doll nicht gewesen sein.

Jetzt werd doch nicht gleich polemisch.

Ich habe Sie überhaupt nicht fixiert! Aber, entschuldigen Sie, Ihr Gespräch habe ich zufällig mitbekommen. Sie sind Makler?

Kann man davon denn leben?

Oh nein, junge Frau, da haben Sie mich, da hat ihr Kind mich völlig mißverstanden. ›Schöne Mama‹, habe ich gesagt, nicht ›böse Mama‹.

Keine unerwünschten Komplimente.

Ja.

Ja, ich verstehe.

Wieso willst du denn schon gehen? Ich wollte eigentlich noch die rote Grütze probieren.

Aber jetzt fängts doch grad erst an, gemütlich zu werden. Ich hab schon Leute kennengelernt.

Bitte, wenn du meinst. Zahlst du? Mir ist das peinlich, wenn ich dich einlade. Das sieht so aus, als müßte ich den großen Max machen. Aber du als Frau?

Copyright: Bov Bjerg

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
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