Hans Duschke: Die Gunther Gabriel-Anekdote
Ein Gespräch über die Abgründe der Geschlechtergrenzen
ER: Gunther Gabriel, deutscher Countrysänger, hatte seinen größten Hit vor 20 Jahren mit dem Song »Hey Boß, ich brauch' mehr Geld«. Regelmäßig liest man über ihn in der Zeitung: Führerschein weg, Schlägerei, Steuerfahndung, Offenbarungseid usw. Zweimal im Jahr taucht die jeweils aktuelle Exfreundin im Fernsehen auf (blond, Dauerwelle, Oberweite) und führt die blauen Flecken vor.
Er ist einer von den Kerlen, die ihre Frauen schlagen. Er hat Fans, er ist einer von uns - ein Trucker.
Als es mit seiner Karriere mal wieder nicht so gut lief, da gab es einen Streik in der westdeutschen Metallindustrie. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen - und in der westdeutschen Metallindustrie wird bekanntlich mit harten Bandagen gekämpft - veröffentlichte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall eine Single und ließ sie unter den streikenden Arbeitern verteilen. Auf dieser Single sang Gunther Gabriel »Hey, wir sitzen doch alle in einem Boot«.
Dieser Song war sicher nicht gut für die Karriere von Gunther Gabriel. Seitdem - er lebt in einem Wohnwagen - jagt ein Comeback das nächste.
Und wenn ihn jemand fragt: Diese Single, damals? - »Das war ein Stimmen-Imitator! Das war ich nicht! Das war ein Stimmen-Imitator!«
SIE: So verhältst du dich auch manchmal. »Ich war das nicht.« Das kann niemand leiden.
ER: Aber verstehst du denn nicht: »Stimmen-Imitator! - Das war ich nicht!« Was er eigentlich damit sagen will, aber nicht kann, ist doch: »Es tut mir leid, ich hab Scheiße gebaut, soll nich wieder vorkommen, ich werd's versuchen.« Er ist nur zu sensibel, zu verletzlich...
SIE: Männliches Volltrottelverhalten.
ER: So einfach machen es sich die Frauen oft.